Todesurteil für Ostseewal Timmy gefallen: „Ein emotionaler Tag für uns“
Nach Tagen der Hoffnung und bangen Beobachtungen herrscht nun traurige Gewissheit: Für Ostseewal Timmy gibt es keine Rettung mehr.
Der Fall von Buckelwal Timmy bewegt seit Tagen viele Menschen – doch nun ist klar: Das Tier wird nicht überleben. Nach umfangreichen Untersuchungen auf der Insel Poel haben Experten eine eindeutige Entscheidung getroffen.
Der Wal soll weder geborgen werden, noch kann er sich aus eigener Kraft befreien. Damit ist sein Schicksal besiegelt. Für Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus ist das eine besonders belastende Situation: „Das ist eine der schwersten Entscheidungen, die ich in meinen 28 Jahren als Minister treffen musste.“
Warum es keine Hoffnung mehr gibt
Die Lage des Tieres gilt als aussichtslos. Timmy liegt auf dem Meeresgrund in einer Mulde aus weichem Sediment. Sein Rücken ragt nur noch etwa 40 Zentimeter aus dem Wasser, während der Wasserstand aktuell bei rund 1,40 Metern liegt.
Um sich selbst zu befreien, müsste das Wasser deutlich höher stehen – etwa 60 Zentimeter mehr wären nötig. Doch selbst dann wäre unklar, ob der stark geschwächte Wal überhaupt noch genug Kraft hätte.
Hinzu kommt sein schlechter Gesundheitszustand. Fachleute gehen davon aus, dass bereits Organschäden vorliegen. Auch äußerlich zeigt sich der dramatische Zustand: Die Haut ist stark geschädigt, reißt auf und bildet Blasen.
„Man lässt es in Ruhe sterben“
Auf der Pressekonferenz wurde deutlich, dass es keine vertretbare Rettungsoption mehr gibt. Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung bringt es auf den Punkt: „Man lässt es in Ruhe sterben.“
Auch eine Bergung zu Lebzeiten wurde ausgeschlossen. Das Tier sei nicht transportfähig, jede Rettungsmaßnahme würde zusätzliches Leid verursachen. Selbst über Sterbehilfe wurde nachgedacht – mehrere Varianten wurden geprüft, jedoch verworfen.
Minister Backhaus machte deutlich, dass ein solcher Schritt für ihn nicht infrage kommt: „Das machen wir nicht.“
Ein weltweit außergewöhnlicher Fall
Besonders tragisch: Timmy ist bereits zum vierten Mal an der Ostseeküste gestrandet. Laut Experten handelt es sich dabei um einen weltweit einmaligen Fall.
Der Wal liegt derzeit weiterhin vor der Insel Poel und wird rund um die Uhr beobachtet. Seine Atmung ist zwar noch regelmäßig, doch Reaktionen auf äußere Reize bleiben aus – ein weiteres Zeichen für seinen schlechten Zustand.
Was nach dem Tod passieren soll
Sobald der Wal stirbt, soll sein Körper geborgen und wissenschaftlich untersucht werden. Ein entsprechendes Konzept liegt bereits vor.
Die Vorbereitungen für die Bergung werden etwa zwei Tage in Anspruch nehmen, die eigentliche Bergung selbst einen weiteren Tag. Ziel ist es, die genaue Todesursache zu klären. „Das kann ich Ihnen zusichern“, betont Backhaus. „Wir werden das Tier bergen.“
Gleichzeitig kündigte er an, künftig besser auf ähnliche Situationen vorbereitet sein zu wollen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den Küstenländern könnte helfen, schneller und koordinierter zu reagieren.










