Für Menschenrechte

Vettel setzt starkes Zeichen in Ungarn und erhält Verwarnung

Formel-1-Star Sebastian Vettel setzt sich für die Rechte der LGBTQI+ Community ein – am falschen Ort zur falschen Zeit, wenn es nach dem Sportverband FIA geht. 

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Sebastian Vettel (34) outet sich als sogenannter Ally: Er ist heterosexuell, macht sich aber als Verbündeter (engl. ally) für die Rechte der LGBTQI+ Community stark. Bei seinem jüngsten Rennen setzte der vierfache Formel-1-Weltmeister ein starkes Zeichen für Toleranz und wurde dafür offiziell verwarnt!

Sebastian Vettel: Im Regenbogen-Shirt nach Ungarn

Beim großen Preis von Ungarn sorgte der Rennfahrer schon vor dem Start für Wow-Effekte. Sebastian Vettel erschien am Sonntag (1. August) in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Same Love“, das er auch trug, als die ungarische Nationalhymne gespielt wurde – entgegen den Anweisungen des Rennleiters, das Shirt während der Hymne auszuziehen. 

Doch damit nicht genug: Über das gesamte Rennwochenende trug Vettel auch Turnschuhe mit Regenbogenmuster, hatte sich die bunten Farben auf den Helm geklebt und passend dazu einen Mundschutz im Pride-Stil gewählt. Eine mehr als deutliche Unterstützung der LGBTQI+ Community. 

Sportverband spricht Verwarnung aus

Direkt im Anschluss an das Rennen vom Hungaroring mutmaßte Sebastian Vettel bereits, ihm könnte wegen des T-Shirts Ärger drohen. Und tatsächlich: Der Sportverband FIA mit Sitz in Paris sprach eine offizielle Verwarnung gegen den deutschen Rennfahrer aus. Diese ist zwar als „Nichtbefolgen der Anweisungen der zuständigen Offiziellen für eine sichere und geordnete Durchführung der Veranstaltung“ deklariert, wirft aber trotzdem ein schlechtes Bild auf die Formel 1.  
 
Auf dem Rennfeld ist (gesellschaftlicher und politischer) Aktivismus nur zeitlich begrenzt möglich: Die Fahrer dürfen vor dem jeweiligen Rennen Zeichen setzen, so viel sie wollen, während der Nationalhymne des Gastgeberlandes allerdings müssen sie alle Teamkleidung tragen. Eine Regel, die Sebastian Vettel missachtet hat, sein französischer Mitstreiter Pierre Gasly (neben ihm auf dem Foto) nicht.

Sebastian Vettel in Ungarn
Foto: IMAGO / Motorsport Images

We Race As One – wirklich?

Noch im vergangenen Jahr hatte sich die Formel 1 mit der Kampagne „We Race As One“ für Diversität und Toleranz im Motorsport stark gemacht. Damals hieß es gegenüber der Presse:
„Wir glauben daran, dass wir als internationaler Sport einen Unterschied machen können, indem wir wesentliche Themen ansprechen. Als Teil der Motorsportfamilie unter der Führung des Automobil-Weltverbands FIA stehen wir zu den fundamentalen Prinzipien, indem wir etwa jede Form von Diskriminierung bekämpfen.“

Neben Vettel erhielten drei weitere Rennfahrer Rügen, die während der ungarischen Hymne das Shirt der Kampagne „We Race As One“ getragen hatten. Auch ihnen wird das Nichtbefolgen der Anweisungen des Rennleiters vorgeworfen. 

Sebastian Vettel in Ungarn
Foto: IMAGO / Laci Perenyi

Sebastian Vettel: Klare Kritik an Ungarn

Schon vor der offiziellen Verwarnung betonte Sebastian Vettel, seine Geste der Unterstützung nicht zu bereuen. Gegenüber „Sky“ sagte er: „Ich kann damit leben, wenn sie mich disqualifizieren. Sie können mit mir machen, was sie wollen, das kümmert mich nicht. Ich würde es wieder tun.“

Mit dem Tragen von Regenbogenfarben stellt sich Sebastian Vettel eindeutig gegen die Regierung Ungarns. Das Parlament rund um Premierminister Viktor Orbán hatte im Juni ein Gesetz verabschiedet, das Homo- und Trans-„Propaganda“ – beziehungsweise das, was die Befürworter dafür halten – gegenüber Minderjährigen untersagt. Die Kritik, der sich das EU-Land seither gegenübersieht, ist enorm. Vettel beispielsweise nimmt kein Blatt vor den Mund. 
„Ich finde es peinlich für ein Land, das in der EU ist, solche Gesetze zu haben oder darüber abzustimmen“, wird der Heppenheimer von „ran.de“ zitiert.  
 
Auch andere Sportler:innen haben sich bereits auf großer Bühne gegen die Politik Ungarns gestellt. Unvergessen bleibt Manuel Neuer (35), der während der zurückliegenden Fußball-EM eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben trug. Gegen ihn hatte der europäische Fußballbund FIFA ermittelt. Nach lautstarken Protesten wurden die Ermittlungen jedoch eingestellt. 

Übrigens wurde Sebastian Vettel inzwischen tatsächlich disqualifiziert in Ungarn, sein zweiter Platz gestrichen. Das Regenbogenshirt hat damit allerdings nichts zu tun. In Vettels Tank war nach dem Rennende nur noch 0,3 Liter Benzin übrig. Laut Regelwerk müssen es allerdings genau 1 L sein, damit überprüft werden kann, ob der jeweilige Fahrer mit sauberem Treibstoff unterwegs gewesen ist. Aston Martin, der Rennstall von Sebastian Vettel, will Einspruch gegen die Entscheidung einlegen. 

Artikelbild und Social Media: IMAGO / Laci Perenyi

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