EheglückWann heiraten? Wie die Beziehungsdauer vor der Trauung deine Ehe beeinflusst

Wann heiraten? Wie die Beziehungsdauer vor der Eheschließung beeinflussen kann, wie glücklich eure Ehe wird, erklärt hier Paartherapeut Bernd Nickel.

Inhalt
  1. Wann heiraten? Hochzeitsstudie verrät den besten Zeitpunkt
  2. Blitzhochzeit oder doch lieber Zeit lassen?
  3. Weshalb verringert eine voreheliche gemeinsame Zeit die Scheidungsrate?
  4. Weshalb die große Spanne von drei bis fünf Jahren?
  5. „Sexualität ist nicht unbedingt das Maß aller Dinge“

 

Wann heiraten? Hochzeitsstudie verrät den besten Zeitpunkt

Wie heiraten die Frauen und Männer in Deutschland? Wie lange sind die Paare zusammen, bis der große Moment des Heiratsantrages kommt? Und welche Ehen haben die besten Chancen auf langen Bestand?

Zu diesen Fragen hat das Team von Grußkarten-Hersteller kartenmacherei.de ein große Studie durchführen lassen. Rund 1.600 Personen wurden zu Aspekten wie Partnerschaft, Hochzeitsvorbereitungen und -finanzierung, zum großen Tag selbst sowie zur Hochzeitsgestaltung befragt.

Die Ergebnisse sind teils wirklich überraschend! Einige der großen Hochzeits-Erkenntnisse:

  • Deutschland lässt sich bis zum Ja-Wort reichlich Zeit: 12 Jahre Beziehung vor der Eheschließung stellen keine Seltenheit dar.
     
  • Die meisten Paare wagen sich nach drei bis fünf Jahren Beziehungsdauer vor den Traualtar.
     
  • ​In Deutschland werden durchschnittlich 10.000 bis 15.000 Euro für die Hochzeit ausgegeben.
     

Die gesamten Studienergebnisse gibt es auf www.kartenmacherei.de.

 

Blitzhochzeit oder doch lieber Zeit lassen?

Eine der spannendsten Erkenntnisse betrifft die Dauer der Beziehung vor der Eheschließung. Tatsächlich kann die Beziehungsdauer vor der Eheschließung maßgeblich beeinflussen, wie lange die Ehe halten wird. Warum das so ist, erklärt hier Paartherapeut Bernd Nickel, der seit dem Jahr 2000 eine eigene Fachpraxis für Paar- und Sexualberatung führt:

„Sehr viele Menschen bezeichnen den Weg zum Standesamt als Aus­laufmodell. Die Statistik und auch das reale Leben zeigen allerdings, dass dies gar nicht zutrifft: Vor allem jungen Menschen ist wieder sehr viel an der Ehe gelegen, weshalb derzeit vergleichsweise viele Ehen ge­schlossen werden. Mir selbst ist nicht bekannt, dass die Scheidungs­rate unbedingt und in jedem Falle eine direkte Kausalität mit der Zeit vor der Trauung zu tun hat.

Was aber das Gelingen einer Ehe deutlich wahrscheinlicher macht, ist das Zusammenwohnen in Form einer wil­den Ehe. Die wilde Ehe wird auch als Konkubinat bezeichnet. Darunter versteht man eine dauerhafte und nicht verheimlichte Form der ge­schlechtlichen Beziehung zwischen zwei Menschen ohne Trauschein.

Allerdings kommt es auf die Dauer des „Konkubinats“ an. Erst eine min­destens dreijährige Bewährungszeit senkt die spätere Scheidungswahr­scheinlichkeit.

 

Weshalb verringert eine voreheliche gemeinsame Zeit die Scheidungsrate?

„Soziologen und Paartherapeuten gehen davon aus, dass in den ersten gemeinsamen Jahren die sexuelle Komponente der Beziehung so stark ist, dass sie Differenzen überlagert bzw. überbrückt. Erst, wenn das ge­genseitige Begehren nachlässt – und das tut es erfahrungsgemäß bei jedem Paar, das Alltag lebt – wird der Blick auf den Partner nüchterner. Wer schon während dieser drei bis fünf Jahre vor den Traualtar tritt, steht meist noch im Bann der begehrenden Lust und der Leidenschaft.

Die Beziehungsdauer vor der Eheschließung kann die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung stark beeinflussen.
Die Beziehungsdauer vor der Eheschließung kann die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung stark beeinflussen.
Foto: iStock
 

Weshalb die große Spanne von drei bis fünf Jahren?

„Das kommt auf die Intensität der Beziehung und die Vorerfahrungen beider Partner an. Je mehr Zeit man miteinander verbringt, je mehr Stress man miteinander hat, je mehr Alltag man miteinander lebt, desto mehr und schneller vergeht die Lust und das Begehren. Wenn respekt-und vertrauensvolle Distanz da ist, wenn der Alltag nicht dominierend ist, wenn keine Stressfaktoren vorhanden sind, dann ist die Lust auch noch nach bis zu fünf Jahren da. Wobei auch das nur generelle Fest­stellungen sein können.

 

„Sexualität ist nicht unbedingt das Maß aller Dinge“

Ob eine Paarbeziehung auch in einer Ehe ge­lingt, das hängt von vielen Faktoren ab. Sexualität ist nicht unbedingt das Maß aller Dinge. Es gibt Paare, die glücklich sind, weil Sie viel Sex haben und es gibt Paare, die glücklich sind, weil sie keinen Sex haben. Letztendlich lernt man sich in einem Konkubinat erst richtig kennen und es gibt keine Statistik, die erfasst, wie viele wilde Ehen in die Brüche gehen.

Aber wer sich drei bis fünf Jahre kennengelernt hat und dann heiratet, weiß, auf was er sich einlässt, wenn er auf das Standesamt geht. Aber auch dann muss es nicht unbedingt eine wohlüberlegte und durchdachte Kopf-Entscheidung sein, es kann auch eine Entscheidung aus Liebe sein. Dann aber aus bewährter Liebe und gewachsenem Ver­trauen.

Die Gründe für eine Blitzhochzeit können sehr vielfältig sein und von einer romantischen Vorstellung bis zu einem Sachzwang reichen, weil man zum Beispiel vor dem Tod noch etwas regeln möchte. Die Gründe für eine Hochzeit nach einer „Probezeit“ können genauso vielfältig sein. Von „aus tiefer vertrauter Liebe“ bis hin zur „gegenseitigen finanziellen Si­cherheit“.

Letztendlich ist es nicht entscheidend, ob man eine Blitzhochzeit tätigt oder erst nach Jahren heiratet, ob die Beziehung von Dauer ist. Klar, wer schon einmal bis zu fünf Jahre in einer Art Probezeit miteinander verbracht hat, kennt sich besser.

Die Entscheidung fällt aber erst in der Beziehung selbst. Glückliche Langzeitpaare tun das, was der Beziehung guttut und wollen die Beziehung nicht nach ihren individuellen Vorstel­lungen zurechtbiegen. In glücklichen Beziehungen können die Partner die Macken des anderen akzeptieren. Ich nenne es resignative Reife, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist, ohne ihn ändern zu wollen.“

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