Sex im KopfWas bedeuten Sexfantasien und was sind die häufigsten?

Welche Sexfantasien sind normal und welche Unterschiede gibt es bei sexuellen Fantasien von Männern und Frauen? Familientherapeutin Marthe Kniep gibt Antwort.

Inhalt
  1. Wer hat welche Sexfantasien?
  2. Wer träumt sich wen herbei?
  3. Welche Praktiken werden bevorzugt?
  4. Scham, Freude, Angst! Was fühlen andere dabei?
  5. Was ist normal? 
  6. Der gute Sinn des "Traummannes"!

Guter Sex beginnt im Kopf! Und im beruhigenden Wissen, dass bisher niemand unsere Gedanken lesen kann, lassen wir unseren Sexfantasien gerne freien Lauf. Warum sexuelle Fantasien normal sind, was deutsche Männer und Frauen träumen und welche Gefühle dabei in ihnen geweckt werden.

 

Wer hat welche Sexfantasien?

Da es immer spannend ist, was sexuell in anderen Betten oder - hier wohl besser - Köpfen abläuft, wird auf diesem Gebiet ordentlich geforscht. So wie beim Meinungsforschungsportal YouGov*, dass unter anderem den Vorlieben in Sachen Sexfantasien von mehr als zwölftausend Menschen auf den Grund gegangen ist. Die Ergebnisse zeigen spannende Unterschiede in den Präferenzen der Geschlechter.

Sexfantasien
Sexfantasien sind normal und tun gut. Foto: torwai / iStock

Knapp die Hälfte der Männer und Frauen regen sich bei der Selbstbefriedigung mit sexuellen Fantasien an. 46 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen träumen wenigstens einmal im Monat etwas erotisches und manch einer von ihnen nimmt die reale körperliche Erregung noch beim Aufwachen wahr.

 

Wer träumt sich wen herbei?

Beliebt in Traum und Fantasie ist der Sex mit einer prominenten Person. Bei den Sexfantasien im Wachzustand stehen allerdings Fantasien von Sex mit einer/einem Ex oder andere erotische Situationen höher im Kurs, die schon länger zurück liegen. Am häufigsten blickt in Gedanken die Gruppe der Männer zwischen 35 und 44 auf Sexerinnerungen mit Verflossenen zurück. Ganze acht von zehn Männern erinnern sich in dieser Hinsicht gern an früher.

 

Welche Praktiken werden bevorzugt?

Bei den Praktiken, die dank der Vorstellungskraft herbeigerufen werden, ergeben sich erneut Geschlechterunterschiede. Männer fantasieren - mehr als Frauen - vor allem von Dreiern (35%), wesentlich jüngeren Partnerinnen (23%), Gruppensex (17%) und Analverkehr (16%).  Frauen spielen gedanklich häufiger Sex in der Öffentlichkeit (12%) oder mit Sexspielzeugen (12%) durch. Manche lassen dabei ihre Fantasien im Reich der Heimlichkeiten. Ein Großteil der Männer (53 %) und Frauen (42%) geht jedoch auch offensiv damit um und versucht, sie „im wahren Leben“ umzusetzen.

 

Scham, Freude, Angst! Was fühlen andere dabei?

Für die meisten Menschen werden ihre Sexfantasien als überwiegend positiv und als Bereicherung für das Leben empfunden. Sie werden als "ein Teil von mir" beschrieben, der mit Freude und Lusterleben gern angenommen wird. Einen von zehn verunsichern jedoch auch seine Fantasien. Scham, Schuldgefühle und Unwohlsein mischen sich unter die Gefühle. 20 Prozent der Männer und ein Viertel der Frauen haben sich schon mal für eine ihrer sexuellen Fantasien geschämt. Seltener machen die Fantasien sogar Angst. Wer hiermit kämpft und sich dadurch in seiner Genussfähigkeit eingeschränkt fühlt, tut gut daran, sich in eine Sexualtherapie zu begeben.

Als negativ erlebte Gefühle sind vor allem bei den gesellschaftlich eher weniger anerkannten oder abgelehnten Fantasien nachvollziehbar, die genau aus diesem Grund für viele nur im Reich der Fantasie auslebbar sind. So zum Beispiel Vorstellungen vom Sex mit einvernehmlichen Gewalthandlungen wie beim SM-Sex, den immerhin 9 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen hin und wieder ihre Gedanken zur Erregung widmen. Es kann aber auch schon schlaflose Nächte bereiten, wenn man gedanklich fremdgegangen ist und sich auch dies verwehrt oder wenn man ahnt, dass der Motor der Vision ein geheimer Wunsch nach realer Abwechslung oder nach Trennung sein könnte. 

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Was ist normal? 

Die sexuellen Begierden in unseren Sexfantasien stimmen nicht immer mit dem überein, was wir tatsächlich ausleben oder eines Tages noch erleben wollen. Teilweise stehen sie sogar im krassen Widerspruch zu unserem partnerschaftlich ausgelebten Sexualleben und unsere Ansprüche daran. Wenn zum Beispiel eine Frau im "wahren Leben" Treue lebt und fordert, in ihren sexuellen Fantasien jedoch hin und wieder von Gruppensex oder Sex mit einem Prominenten in Stimmung gerät, obwohl sie einen festen Partner hat – dann ist das durchaus ambivalent. Und trotzdem ist es normal.  

 

Der gute Sinn des "Traummannes"!

Kein Partner kann alle unsere Wünsche erfüllen. Weder materiell noch sexuell. Aber es kann eine gute Übereinstimmung geben zwischen dem, was ich brauche und dem, was er mir geben kann. Der Partner ist zwangsläufig ein Kompromiss, der möglichst viel von dem mitbringt, was uns wichtig ist – und umgekehrt ist man es auch für den Partner.

Das führt unweigerlich dazu, dass man beim Partner nicht vorhandene reizvolle Eigenschaften hin und wieder im Reich der Träume sucht, damit man zumindest gedanklich ab und zu in den Genuss kommt. Fantasien von anderen bedeuten auf jeden Fall nicht zwingend, dass man zu Hause den Falschen im Bett hat. Denn die Fähigkeit Sexfantasien auszuleben hat mit der aktuellen Liebe nichts zu tun. Träumen kann jeder. Für Liebe braucht es etwas anderes.

Wenn dann die Sehnsucht nach fehlenden "Komponenten" in der Fantasie ausgelebt wird, ist ein ausgeprägtes erotisches Vorstellungsvermögen gewissermaßen eine beziehungsaufrechterhaltende Fähigkeit. Ein gesunder Umgang damit, dass manches eben im Reich der Sehnsüchte bleiben wird. Was soll daran schlecht sein? Also: Träum ruhig weiter, Schätzchen!

Autorin: Marthe Kniep

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