Hairdresser Daniel Golz im InterviewWas sich dein Friseur in Corona-Zeiten jetzt von dir wünscht

Vor einigen Wochen durften die Friseure in Deutschland wieder öffnen – unter Auflagen. Was jetzt beim Friseurbesuch wichtig ist, verrät Hairdresser Daniel Golz im Interview mit "Wunderweib".

Inhalt
  1. An die Regeln halten
  2. Verständnis für die Friseure
  3. Mehrarbeit erkennen
  4. Mehr Geduld
  5. Keine Zurückhaltung
  6. Termine im Vorfeld absagen
  7. Wertschätzung über die Krise hinaus

Nach sechs Wochen Zwangspause war es Ende April endlich soweit: Die Friseure durften ihre Salons wieder öffnen! Eine Erleichterung für Friseure und Kunden, aber gleichzeitig auch eine Herausforderung. Denn um die Öffnung zu ermöglichen, müssen die Salons strenge Hygiene- und Sicherheitsvorgaben einhalten und Friseur sowie Kunde während des Besuches eine Maske tragen.

Eine ganz andere Situation als noch vor einigen Monaten und nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Friseure ungewohnt. "Wunderweib" hat deshalb bei Blogger Daniel Golz, der als angestellter Friseur in Bremen tätig ist, nachgefragt: Was ist beim nächsten Friseurbesuch zu beachten und was wünscht sich der Hairdresser von seinen Kunden?

Daniel Golz ist Hairdresser und Blogger.
Daniel Golz ist Hairdresser und Blogger. Foto: Daniel Golz
 

An die Regeln halten

Ganz wichtig ist für den Blogger die Einhaltung der Vorschriften der Regierung. "Ich wünsche mir als Friseur, dass genauso wie ich mich an die Regeln halte, die Kunden sich auch an die Regeln halten, damit wir so weiter machen können, wie wir das gerade tun", so Daniel Golz. Nur dann könne auch verhindert werden, dass es wieder zu einem Shutdown komme und die Friseure wieder schließen müssten. In seinem Salon hat er bisher kaum negative Erfahrungen beim Einhalten der Regeln gemacht. "Ein, zwei Leute hast du immer dazwischen, aber da wird kurz gesagt: ‚Na, Maske hoch‘ und dann ist auch alles wieder gut. Es gibt Einzelfälle, aber das ist wirklich gering."

 

Verständnis für die Friseure

Die neuen Bedingungen für Friseure sorgen dafür, dass die Salons mehr Geld für die Einhaltung des Pflegekonzeptes ausgeben, in dem sie zum Beispiel Einmalhandschuhe oder Masken kaufen müssen. Gleichzeitig entsteht durch die neuen Hygienestandards auch ein zeitlicher Mehraufwand. Im Salon von Daniel Golz wurde eine Pauschale von 2 Euro eingeführt. Gleichzeitig wird dort gewährleistet, dass der Platz und auch die Utensilien regelmäßig desinfiziert  werden. "Alle sehen: Jede Bürste wird nach dem Gebrauch gereinigt, jeder Fön, jede Schere, jeder Clip. Alles, was mit den Kunden in Kontakt gekommen ist, wird desinfiziert." Deshalb stoßen die Veränderungen im Salon bei den Kunden auch auf viel Verständnis – und das zeigt sich sogar beim Trinkgeld. "Im Durchschnitt kriegen wir sogar ein, zwei Euro mehr als vorher. Wir kriegen momentan so eine große Wertschätzung. Man unterstützt sich da echt extrem", betont Golz.

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Mehrarbeit erkennen

Der Hairdresser wirbt außerdem dafür, dass die Kunden die Mehrarbeit, die die Friseure zu leisten haben, auch anerkennen. Neben der Einhaltung der Vorschriften habe sein Salon beispielsweise die Öffnungszeiten von normalerweis 10 bis 19 Uhr zu 9 bis 20 Uhr geändert. Zudem arbeiten die Friseure jetzt an sechs statt fünf Tagen in der Woche, um den Kunden gerecht zu werden. "Unsere Kunden sehen, dass wir mehr Arbeit haben, da bin ich ganz fest von überzeugt." Wer beobachte, wie viel Arbeit die Friseure momentan haben, der würde Verständnis für Preiserhöhungen oder auch neue Rahmenbedingungen in den Salons zeigen, ist sich Golz sicher.

 

Mehr Geduld

Was sich der Friseur ebenfalls wünscht, ist ein bisschen Geduld bei der Terminvergabe. Nach sechs Wochen Pause wollen natürlich viele zum Friseur, der sich aber aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen um weniger Kunden im Salon kümmern  darf. "Jetzt wollen natürlich alle, deswegen kann es zu längeren Wartezeiten kommen“, betont Daniel Golz. "Wir sind komplett voll. Bis Ende Juni können wir keine neuen Kunden aufnehmen, weil wir erst unsere Stammkunden so gut es geht nacheinander drannehmen." Deswegen sei nun erst einmal Abwarten und Geduld mitbringen angesagt.

 

Keine Zurückhaltung

Zurückhaltung bei den Kunden angesichts der unsicheren Situation? Das kann Daniel Golz in seinem Salon nicht beobachten. "Es ist ein Termin-Tsunami!", verrät er lachend und betont gleichzeitig, dass Sorge oder Angst vor dem nächsten Friseurbesuch unnötig sind - auch für Risikopatienten. "Wenn wir Risikopatienten haben, weichen wir auf die späteren Abendstunden aus. Dann können wir sagen: ‚Pass auf, du bist dann wirklich nur noch mit mir allein im Salon‘" Zudem werden alle Vorgaben der Regierung sorgfältig eingehalten, so Golz.

 

Termine im Vorfeld absagen

Ein wichtiger Punkt für den Hairdesser ist das Absagen von Terminen – und zwar rechtzeitig. Denn gerade in der momentanen Situation verliert der Salon durch einen Kunden, der einfach nicht kommt, sehr viel Geld. "Das ist ein ganz großer Verdienstausfall, der auch für ein gut laufendes Geschäft momentan in dieser Zeit nicht lange tragbar ist", stellt der Blogger klar. Denn: Die Vorgaben erlauben es nicht, spontan einem anderen Kunden den Platz zu geben. Deshalb appelliert der Friseur: "Kurzer Anruf oder E-Mail reicht, es kann immer etwas dazwischenkommen, aber es ist verdammt wichtig, abzusagen". Ein bis zwei Tage seien noch okay, dann könne ein anderer Kunde dazwischen springen, so Daniel Golz.

 

Wertschätzung über die Krise hinaus

Momentan erfährt der Beruf des Friseurs große Wertschätzung – das merkt auch der Blogger. "Viele haben gemerkt, dass es halt nicht so einfach ist, sich die Haare zu färben oder zu schneiden. Dass da jemand ist, der ausgebildet ist und seinen Beruf liebt." Zwar sei der Beruf des Friseurs nicht systemrelevant, aber ein wichtiger Baustein in der psychologischen Pflege, weil natürlich die Kommunikation da sei und das Selbstwertgefühl gestärkt werde. Auch über die Krise hinaus sei diese Anerkennung hoffentlich zu spüren, so der YouTuber. Gleichzeitig betont er aber, dass die Friseure die Wertschätzung nicht ausnutzen, sondern sie annehmen und genauso gut arbeitet sollten, wie zuvor.

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