Staatsanwaltschaft ermittelt

Wegen Giftstoff in Babynahrung: Ermittlungen gegen Nestlé & Danone

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen fünf Hersteller von Säuglingsmilch aufgenommen.

Nestle BEBA Produkte. Dose BEBA PRE und Tetrapack Pre im Regal eines Supermarktes.
Nestlé und Danone ließen klammheimlich und viel zu spät mit Giftstoffen verunreinigte Babynahrung aus den Regalen verschwinden. Foto: IMAGO / Swaantje Hehmann
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Auslöser der Ermittlungen sind weltweite Rückrufaktionen, nachdem der Giftstoff Cereulid in Produkten für Babys nachgewiesen wurde.

Was als „vorsorglicher Rückruf“ von Nestlé begann, weitete sich rasch aus: Inzwischen wurden in mehr als 60 Ländern Produkte zurückgerufen, darunter hierzulande bekannte Marken wie die Nestlé BEBA & ALFAMINO sowie die Danone Aptamil und Milupa Milumil.

Die Krise um verunreinigte Babynahrung hat sich in den vergangenen Wochen mit jeder weiteren Rückrufaktion verschärft. Am Freitag teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit, dass sie Ermittlungen gegen fünf Hersteller aufgenommen habe.

Nestlé, Danone, Lactalis, Babybio & La Marque en Moins im Visier der Staatsanwaltschaft

Wie CNBC berichtet, betreffen die Untersuchungen verunreinigte Babynahrung, die von den drei weltweit größten Konzerne (Nestlé, Danone und dem privaten Unternehmen Lactalis) sowie von den kleineren Marken Babybio und La Marque en Moins vertrieben wurde.

Grund für die Rückrufe ist eine mögliche Verunreinigung mit Cereulid, einem hitzestabilen Giftstoff, der Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen kann. Die Symptome klingen in der Regel innerhalb eines Tages ab, können jedoch in schweren Fällen zu Komplikationen führen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Ermittlungen seien wegen „Täuschung über Waren, die eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen“ eingeleitet worden. Das Vergehen kann mit bis zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 3,75 Millionen Euro (4,45 Millionen US-Dollar) geahndet werden.

Die Staatsanwaltschaft begründete ihr Einschreiten mit der großen Zahl an Beschwerden im ganzen Land.

Zudem prüft das französische Gesundheitsministerium drei gemeldete Todesfälle von Säuglingen, bei denen der Verzehr der betroffenen Milch gemeldet wurde. Am 11. Februar teilte das Ministerium mit, dass bislang kein ursächlicher Zusammenhang festgestellt worden sei; die Ermittlungen liefen weiter.

Weltweite Rückrufe von Babynahrung in mehr als 60 Ländern

Inzwischen wurden Produkte in mehr als 60 Ländern zurückgerufen. Als Quelle der Verunreinigung wurde laut Nestlé ein, bisher nicht benannter, Lieferant von Arachidonsäure-Öl (ARA) identifiziert, das häufig Babynahrung zugesetzt wird.

Die Auswirkungen sind so groß, weil zahlreiche Unternehmen und Marken diesen Zulieferer nutzten. Die britische Lebensmittelbehörde teilte mit, dass Nestlé und Danone das betreffende ARA-Öl nicht mehr verwenden würden. Lactalis erklärte, künftig nur noch ARA von nicht betroffenen Lieferanten einzusetzen.

Eltern und Betreuungspersonen wurden dennoch aufgefordert zu prüfen, ob ihre Produkte zu den zurückgerufenen Chargen gehören.

Am 2. Februar legte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit erstmals einen Grenzwert für Cereulid fest. Zuvor habe es wegen der Seltenheit des Toxins keinen einheitlichen Standard gegeben, erklärte Barclays-Analyst Warren Ackerman.

Anfang des Monats teilten britische Behörden mit, sie hätten mindestens 36 klinische Meldungen über Säuglinge erhalten, die Symptome einer Cereulid-Vergiftung zeigten.