StudieWie Instagram & Facebook deine echten Erinnerungen verdrängen

Instagram macht abhängig - das ist nicht neu. Eine Studie fand nun heraus: Fotos zu schießen führt sogar dazu, dass wir unsere echten Erinnerungen einfach vergessen.

Ein Foto vor dem Eifelturm, eins vom Abendessen, das dritte beim Konzert. Darüber noch ein schicker Filter, ein bisschen Text und ein paar Hashtags. Täglich werden Millionen Bilder auf Instagram und Facebook hochgeladen. Und dabei vergessen wir oft das, was so wichtig in diesen hektischen Zeiten ist: Im Moment zu leben.  

Genau das fanden nun auch Wissenschaftler heraus: Menschen, die Bilder schießen, sind so abgelenkt, dass sie sich nicht mehr daran erinnern können, was genau sie da eigentlich gerade fotografiert haben. Die Studie, die im Journal of Experimental Social Psychology veröffentlicht wurde, zeigt damit quasi, dass uns das Fotografieren vom eigentlichen Moment abhält.  

Die Forscher testeten das traurige Phänomen an hunderten Probanden, die in zwei Gruppen geteilt wurden: Beide sollten sich eine Kirche anschauen und sich dabei genau einprägen, was sie sehen. Die eine Gruppe durfte so viele Fotos machen, wie sie wollte. Die hatte nichts außer dabei. Das traurige Ergebnis: Die Gruppe mit den Bildern konnte sich kaum an Einzelheiten zur Kirche und Umgebung erinnern. Die andere, die nur ihren Kopf benutzte, merkte sich viel mehr. Emma Templeton leitete die Studie und bestätigte: "Probanden, die keine Medien benutzten, konnten sich an die Erfahrung mehr erinnern, als jene, die welche benutzen."

 

Darum merken wir uns nichts, wenn wir Fotos machen

Die Wissenschaftler kamen zu dem Fazit, dass die Kamera uns unsere Erinnerungen raubt - und wir uns so gut wie nichts merken. Das liegt daran: Vereinfacht gesagt, schafft unser Gehirn Erinnerungen, indem es aus einer Kette von Ereignissen "episodische Erinnerungen" schafft, die an einen räumlichen und zeitlichen Ablauf gebunden sind und bei Bedarf abgerufen werden. Sind wir abgelenkt, kann das Gehirn nichts speichern. Das Bild erscheint auf unserem Instagram-Feed; die eigentliche Erinnerung fehlt. 

"Instagrammer nehmen eine Meta-Ebene der Situation ein, weil sie mehr auf das Foto achten, als auf das Objekt, das sie ablichten. Wenn Menschen eine dritte Perspektive einnehmen, empfinden sie Gefühle dabei nicht so stark", erklärt die Wissenschaftler Alixandra Barash von der New York University. "Nimmt man die erste Perspektive ein und schaut nicht durch eine Linse, fühlt man Emotionen roh und in ihrem Originalzustand."

Was wir daraus lernen für die Feiertage und für das nächste Jahr: Weniger Fotos, Smartphones und Social Media - mehr Realität und im Moment leben. Sonst hast du Silvester schon wieder vergessen, wie das Weihnachtsfest war. 

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