AR-Physics nach „Die Höhle der Löwen“: So ging es mit der Physik-Lern-App weiter
Durch Experimente wird Physik erst so richtig spannend und verständlich. „AR-Physics“ soll genau das für alle Schulklassen möglich machen.
Komplexe Experimente ohne teures Labor – nur mit Tablet oder Smartphone: Mit AR-Physics wollten die drei 18-jährigen Gründer Philipp Siedhoff, Jost Reelsen und Felix Lachtrup aus Bad Wünnenberg in „Die Höhle der Löwen“ zeigen, wie moderner Physikunterricht aussehen kann. Für 225.000 Euro für 15 Prozent suchten sie Wachstumskapital – ein Deal kam nicht zustande, doch die App lebt weiter.
Physik zum Anfassen
AR-Physics macht sich Augmented Reality (AR) zunutze, um physikalische Experimente in den Klassenraum oder ins Wohnzimmer zu holen. Statt teurer Geräte können Schüler:innen virtuelle Versuche direkt auf jedem Tisch durchführen – etwa zu Elektronenladung, Hochspannung oder elektromagnetischen Feldern.
Aktuell umfasst die App acht interaktive Experimente für die Oberstufe. Ergänzt wird das Angebot durch spielerische Elemente wie ein KI-Quiz, Aufgaben und Visualisierungen. „Physik versteht man nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Sehen und Ausprobieren. Genau das ermöglichen wir überall und jederzeit“, erklären die Gründer.
Über die AR-Funktion lassen sich Modelle aus verschiedenen Perspektiven betrachten, Parameter verändern und Auswirkungen direkt beobachten – ideal, um abstrakte Inhalte greifbar zu machen.
Kritik der Löwen
In der Höhle präsentieren die drei Gründer ihre Vision vor Dagmar Wöhrl, Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel und Frank Thelen. Das Produkt kommt gut an, doch beim Geschäftsmodell werden die Investor:innen kritisch.
Janna Ensthaler bemängelt, dass die bisher erzielten Gewinne und Ziele für die nächsten Jahre zu niedrig sind. Hauptzielgruppe sind Schulen – ein Markt, in dem Budgets knapp sind und Entscheidungsprozesse lange dauern. Sie glaubt, dass Bildungseinrichtungen sich nur schwer von einer neuen App überzeugen lassen und steigt aus.
Daraufhin konkretisieren die Gründer ihre Pläne und bringen Ausbildungsbetriebe als zusätzliche Zielgruppe ins Spiel. Dort könnten AR-gestützte Lerninhalte beispielsweise in technischen Ausbildungsberufen eingesetzt werden. Für Frank Thelen ist dieser Ansatz jedoch nicht neu – andere Firmen bieten seiner Meinung nach schon seit Jahren Lernsoftware in besserer Form an. Auch er steigt aus, Dagmar Wöhrl schließt sich seiner Einschätzung an.
Ralf Dümmel sieht sich selbst nicht als passenden Partner für ein B2B-EduTech-Produkt, möchte die jungen Gründer aber ermutigen: Aus einer Niederlage gehe man gestärkt hervor.
Maschmeyers Angebot
Am Ende bleibt Carsten Maschmeyer als einziger Löwe übrig. Er zeigt sich interessiert an Augmented Reality und erkennt das Potenzial der App – weiß aber auch, dass ein Investment hier viel operative Arbeit bedeutet. Deshalb macht er ein klares, aber hartes Angebot: 225.000 Euro für 50 Prozent der Firmenanteile.
Für die drei Gründer, die mit 15 Prozent Anteileinsatz gestartet sind, klingt das zunächst nach einem sehr tiefen Einschnitt. Maschmeyer begründet seine Forderung damit, dass es aus seiner Sicht einen starken Gründungsinvestor brauche, der AR-Physics strategisch mitaufbaut.
Nach einer kurzen Beratung bleiben Zweifel: 50 Prozent empfinden Philipp, Jost und Felix als unverhältnismäßig viel. Dagmar Wöhrl versucht sie zwar noch einmal umzustimmen und betont, dass ihrer Meinung nach die Zukunft von AR-Physics an diesem Deal hängen könnte – doch die Gründer bleiben bei ihrem Gefühl. Sie lehnen das Angebot ab. Es kommt nicht zum Deal.
Wie ging es mit AR-Physics weiter?
Trotz fehlendem Investment ist AR-Physics weiterhin aktiv. Die App ist im Apple App Store verfügbar und kann kostenlos mit In-App-Käufen genutzt werden.
Parallel ist das Team auf Instagram und weiteren Social-Media-Plattformen aktiv, aufgegeben hat man also auch ohne Löwenunterstützung noch lange nicht.











