Prozessbeginn

Baby stirbt bei Hausgeburt: Warum die Mutter jetzt vor Gericht steht!

Nach einer missglückten Hausgeburt stehen Mutter und Großmutter in Ulm wegen fahrlässiger Kindstötung vor Gericht.

Symbolbild von Engel auf Grabstein
Foto: iStock/ megakunstfoto
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Im September 2023 endet eine Hausgeburt in einem Albtraum: Eine junge Frau bringt im Neu-Ulmer Stadtteil Reutti mithilfe ihrer Mutter und ohne medizinisches Fachpersonal ein Kind zur Welt - aber das Baby stirbt. Jetzt wird den beiden Frauen wegen fahrlässiger Tötung der Prozess gemacht.

Gefährliche Hausgeburt: Schwangere bringt Baby nur mit ihrer Mutter zur Welt

Eine 30-Jährige hatte im September 2023 eine Hausgeburt mit ihrer 58-jährigen Mutter geplant, die nach eigenen Aussagen Krankenschwester ist. Weitere ärztliche Hilfe war nicht anwesend. Laut Anklage soll beim Einsetzen der Wehen bekannt gewesen sein, dass sich das Kind in einer Beckenlage befand. Erst eine halbe Stunde, nachdem der leblose Säugling auf die Welt gekommen war, sollen die beiden Frauen den Notarzt alarmiert haben. Hätte die Frau direkt nach der Geburt einen Arzt gerufen, hätte laut Staatsanwaltschaft das Leben des Kindes gerettet werden können. Nach dem Eintreffen der Rettungskräfte wurde das leblose Baby in die Uniklinik Ulm gebracht, wo der kleine Junge laut Staatsanwaltschaft am Folgetag wegen Sauerstoffmangels an einem schweren Hirnschaden starb.

Eigentlich sollte das Urteil im Gerichtsprozess um die tödliche Hausgeburt noch am selben Tag fallen. Der Richter gab stattdessen ein gynäkologisches Gutachten in Auftrag und setzte den Prozess bis auf Weiteres aus.

Fall feuert Debatte über Hausgeburten an

Daten der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburt e.V. (kurz QUAG) zeigen, dass die Zahl der Hausgeburten in den vergangenen 20 Jahren stetig steigt. Bundesweit waren es 2001 noch 8.200 Hausgeburten, 2024 lag die Zahl bei fast 13.000 und das trotz allgemein sinkender Geburtszahlen. Ein Teil der außerklinisch geborenen Kinder wird allerdings statistisch nicht erfasst.

Frank Reister, Leiter der Geburtshilfe an der Uniklinik Ulm betont unabhängig vom vorliegenden Fall: „Gut bewacht und gut betreut gelten Hausgeburten als sehr sicher.“ Noch risikoärmer sei eine Hausgeburt, wenn sie von einer Hebamme begleitet wird. Bei einer Geburt in Beckenlage steigt jedoch das Risiko - auch mit Hebamme. Von einer Geburt ganz ohne Fachpersonal rät Reister grundsätzlich ab: „Das ist schon richtig gefährlich.“

Quellen