Schwangerschaft

Fehlgeburt: Bei diesen Anzeichen solltest du zum Arzt

An welchen Anzeichen erkenne ich eine Fehlgeburt? Gynäkologin Stephanie Eder erläutert mögliche Anzeichen und Ursachen für eine Fehlgeburt und erklärt, wann du als schwangere Frau zum Arzt gehen solltest.

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Anzeichen und Ursachen für eine Fehlgeburt

Schon kurz nach dem Ausbleiben der Regel kann durch einen Test festgestellt werden, dass eine Frau schwanger ist. Auf dem Ultraschall ist zu diesem Zeitpunkt noch nichts sichtbar. Weder die Frau noch ein Arzt können ganz zu Beginn mit Sicherheit sagen, ob sich eine intakte Schwangerschaft entwickeln wird. Frühestens zwei Wochen nach Ausbleiben der Regel kann im Ultraschall gesehen werden, ob das Herzchen schlägt. Auch der sichere Ausschluss einer Eileiterschwangerschaft ist vorher nicht möglich. Aber natürlich ist bei allen Frauen, die sich auf ein Kind freuen, schon mit dem positiven Test die Hoffnung geboren, dass sie in neun Monaten ein rosiges Baby in den Armen halten werden. 

Selbstverständlich ist es allerdings nicht, dass immer alles gut läuft. Denn was viele nicht wissen: Statistisch gesehen enden wenigstens 30 Prozent aller Schwangerschaften in einer Fehlgeburt. Der medizinische Begriff hierfür ist „Abort“ und meint einen Abgang der Schwangerschaft vor der zwölften Schwangerschaftswoche. 

Wunderweib hat mit der Gynäkologin Stephanie Eder aus dem bayerischen Gräfelfing gesprochen, welche Anzeichen es für eine Fehlgeburt gibt und wie sie betroffene Frauen im Moment der Gewissheit begleitet. 

Eindeutige Anzeichen für eine Fehlgeburt?

Gynäkologin Eder weiß, wie intensiv viele Schwangere „in sich rein hören“, um Veränderungen im Körper aufmerksam zu verfolgen und im Fall von Beunruhigung die Ärztin oder Hebamme kontaktieren zu können. Doch „oft gibt es bei einem Abort tatsächlich keine für die Frau wahrnehmbaren Symptome. Keine sicheren Anzeichen.“ erklärt Eder. 

Blutungen oder Bauchschmerzen können ein Hinweis auf eine Fehlgeburt sein. Und es sei oft so, dass Frauen die eine Fehlgeburt erlebt haben, wegen Blutungen oder Bauchschmerzen zum Arzt gegangen seien. Davon könnten jedoch auch Schwangere betroffen sein, deren Schwangerschaft sich gut entwickelt. Aus ihrer langjährigen Erfahrung berichtet die Ärztin: „Ich habe auch Frauen in der Praxis, die zwölf Wochen oder länger jeden Tag vor sich hinbluten und bei denen die Schwangerschaft sonst intakt ist.“ Blutungen beim Arzt abzuklären ist deshalb zwar wichtig, jedoch nicht gleich ein Grund zur Panik. 

Eine Fehlgeburt ist ein furchtbar trauriges Ereignis. Welche Anzeichen auf eine Fehlgeburt hindeuten können
Eine Fehlgeburt ist ein furchtbar trauriges Ereignis. Welche Anzeichen auf eine Fehlgeburt hindeuten können. Foto: iStock

Eine Fehlgeburt abwenden?

Am Anfang ist es für jede Frau offen, wie die Schwangerschaft verlaufen wird. Ein gesundes Leben vor und während der Schwangerschaft sind natürlich wichtig, um die Schwangerschaft nicht zu gefährden. Doch ein früher Abgang, wenn die Natur sich so entscheidet, kann damit nicht verhindert werden. „Da sind auch wir Ärzte machtlos. Selbst, wenn die Frau gleich zu uns kommt.“ erklärt die Frauenärztin. So gibt selbst ein hinsichtlich der Gesundheit perfekter Lebensstil gibt keine Garantie für ein Fortbestehen der Schwangerschaft. Ein kleiner Trost, für alle, die sich mit dem Gedanken plagen, etwas falsch gemacht zu haben. 

Die traurige Nachricht

Leider sind die Momente nicht selten, in denen Frauenärzte ihren Patientinnen mitteilen müssen, dass sich die Schwangerschaft nicht normal entwickelt oder sie eine Fehlgeburt haben. Und oft kommt es überraschend. „Manchmal kommt eine Schwangere. Denkt, dass alles gut ist. Und wenn ich dann kein klopfendes Herz sehe, ist das für beide dramatisch“, berichtet Eder. Dafür die richtigen Worte zu finden, sei jedes Mal schwer. „Ein fürchterlicher Moment.“ Und ihr ist klar, dass es jetzt keinen Trost gibt. Denn sie weiß aus beiden Perspektiven, wovon sie redet. 

Trotzdem oder auch wegen dieser Erfahrungen möchte sie den Frauen im Gespräch nach der Untersuchung immer zwei Sachen mitgeben, die für das weitere Leben wichtig sind.

  • Zum einen: Es passiert häufig. Das werden sie feststellen, wenn sie beginnen, mit anderen darüber zu reden.
  • Und zweitens: Eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass eine Frau nicht noch zehn Kinder kriegen kann. Einige Patientinnen hätten später berichtet, dass diese Worte damals rückblickend wichtig für sie gewesen seien.  

Gründe für eine Fehlgeburt

Sich trotz eines gesunden Lebensstils bei einer Fehlgeburt Selbstvorwürfe zu machen, erschwert für viele Frauen die Situation unnötig. Woran es gelegen hat, könne man nämlich selten mit Sicherheit sagen. Erst wenn eine Frau die dritte Fehlgeburt in Folge hat, rät Eder zu einer genetischen Abklärung.

Ausschabung einer Fehlgeburt

Die Gynäkologin erklärt, dass fast immer zeitnah eine Ausschabung gemacht wird. „Außer, man hat im Ultraschall noch nichts gesehen. Man kann jedoch unter Umständen auf eine Ausschabung verzichten, auch wenn man schon etwas sah. Aber je weiter es sich der zwölften Schwangerschaftswoche genähert hat, desto länger und kräftiger kann dann die Blutung sein. Das erfordert den engen Kontakt zur Patientin um zu hören, wie es ihr geht und Probleme wie Eisenmangel im Blick zu haben. Aber ab der zwölften Schwangerschaftswoche ist da schon einiges Gewebe, das raus muss. Da ist eine Ausschabung wirklich sinnvoll. Doch manche Frauen wollen das einfach nicht. Aus ganz individuellen Gründen.“ 

Fehlgeburten in der westlichen Welt

Auch wenn es sehr nüchtern klingt, sind Fehlgeburten aus gynäkologischer Sicht etwas Häufiges. Trotzdem schmälert dieser Fakt nicht die Traurigkeit der Menschen, die sich bereits auf ein Baby gefreut haben und dann doch eine Fehlgeburt erleben mussten. Eder weiß: „Ganz oft ist das eine große psychologische Belastung und die Frau wird es als Fehlgeburt in ihrer Biographie verankern. In unserer westlichen, aufgeklärten Welt sei dies besonders so. „Denn wir wissen heute viel mehr darüber, haben mehr Kenntnis von Abgängen. Wo man der Natur ihren freien Lauf lässt, kriegen Frauen ihren Abort oft gar nicht mit.“ 

So kann es hier für eine Frau schon sehr belastend sein, von einer sehr kurzen Schwangerschaft zu erfahren, die andernorts niemand bemerkt hätte und demnach auch keine Träne darüber vergossen hätte. 

Hilfe nach einer Fehlgeburt

Wie Frauen und deren Partner mit ihrer Fehlgeburt umgehen, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Manche machen es ganz mit sich allein aus. Andere entscheiden sich, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch nach frühen Fehlgeburten. Und das ist in Ordnung. Denn aus therapeutischer Sicht ist nämlich entscheidend, wie sehr ein Mensch darunter leidet. Und nicht, in welcher Schwangerschaftswoche der Abort war. 

Trotz aller Sorge, die jede Schwangere mehr oder weniger mit sich trägt, und auch, wenn die Natur oft ihre eigenen und schwer verstehbaren Wege geht, ist doch eine Botschaft wichtig: Häufiger als eine Fehlgeburt ist, dass alles gut geht! 

Autorin: Marthe Kniep

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