KindersehnsuchtFranziska Ferber: Wie ich lernte, mit meinem unerfüllten Kinderwunsch zu leben

Franziska Ferber musste lernen, ihr Leben ohne das Wunschkind zu gestalten. Heute hilft sie anderen Menschen auf ihrem Weg der Kinderwunschbehandlung.
Franziska Ferber musste lernen, ihr Leben ohne das Wunschkind zu gestalten. Heute hilft sie anderen Menschen auf ihrem Weg der Kinderwunschbehandlung.
Foto: Eden Books / Lisa Marie Schmidt
Inhalt
  1. Franziska Ferber: Mein Weg der Kinderwunschbehandlung
  2. Was bei der Kinderwunschbehandlung helfen kann
  3. Franziska Ferber: Unser Abschied vom Wunschkind
  4. So hilft ein Kinderwunsch-Coach bei einem (unerfüllten) Kinderwunsch
  5. ​Leben ohne Kind: Neue Wege für die große Liebe

Die Münchnerin Franziska Ferber konnte trotz ICSI-Behandlung (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) selbst kein Kind bekommen – heute hilft sie Menschen mit Kindersehnsucht. Ihr Weg aus der Verzweiflung hin zu einem erfülltem Leben ohne das Wunschkind.

Kinderlos zu sein, bedeutet nicht, die Chance auf ein glückliches Leben zu vergeben. Kinderlos zu sein, bedeutet für mich zu wissen, dass es dennoch ein glückliches Leben geben kann. Nicht selbst gewählt, aber selbst genutzt! Mit viel Sinn, den man selbst entdecken und gestalten kann und darf!

Bis zu dieser Erkenntnis und einer positiven Sicht auf ein ungewollt kinderfreies Leben war es für die Münchnerin Franziska Ferber ein langer Weg. Franziska und ihr Mann Andi wünschten sich sehnlichst ein Kind. Sie waren frisch verheiratet, sehr glücklich miteinander, etwas über 30, Freunde und Familie warteten auf die Nachricht einer Schwangerschaft und auch Franziska und ihr Mann hofften Monat für Monat. Doch es geschah nichts, das Wunschkind wollte nicht kommen.

 

Franziska Ferber: Mein Weg der Kinderwunschbehandlung

Schließlich entschieden sich Franziska Ferber und ihr Mann dafür, es mit der ICSI-Behandlung (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) zu versuchen. Bei einer ICSI-Behandlung wird eine einzelne Samenzelle mit einer feinen Nadel direkt in eine Eizelle injiziert, die zuvor dem Eierstock der Frau entnommen wurde. Franziska und Andi versuchten es drei Mal: Drei Versuche, so viel Hoffnung, so viele Spritzen, gesundheitliche Schwierigkeiten, schwere Stunden als Paar – und immer wieder unendliche Enttäuschung. Denn nicht ein einziges Mal war die künstliche Befruchtung bei Franziska Ferber erfolgreich.

Den Moment, nachdem sie das erste Mal erfahren hat, dass keine Eizelle befruchtet werden konnte, beschreibt Franziska Ferber in ihrem Buch „Unsere Glückszahl ist die Zwei“ so:

„Ich merke, wie sehr mich das schwarze Monster der Hoffnungslosigkeit in Besitz nimmt. Mir tut jede Faser des Körpers weh. Aber nicht, weil sie körperlich beansprucht worden wäre in der letzten Woche – nein, es ist ein tiefer Seelenschmerz, so tief, dass er selbst noch den letzten Nervenstrang in meinem Körper zu erreichen scheint. Vielleicht wird das alles verstärkt durch die Hormone, die ich über Wochen nehmen musste, und wird nun noch geschärft durch den Fehlversuch und die Überstimulation und das Gefühl, eine große Ungerechtigkeit aushalten zu müssen bei gleichzeitiger Verdammung zum Nichtstun. Aber das ändert alles nichts, mir tut wirklich der ganze Körper weh. Jede Faser. Es fühlt sich an wie ein starker Muskelkater, gepaart mit völliger Übermüdung. Woher ich die Kraft zum Weiterleben nehmen soll, weiß ich nicht. Im Moment hätte ich nicht einmal die Kraft, aufzustehen und mir einen Tee zu kochen.“

Doch so tief der Schmerz nach jedem Versuch auch ist, Franziska Ferber schafft es jedes Mal wieder, sich aus dem Tief herauszuarbeiten. Und man muss es wirklich Arbeit nennen, denn jede Erholungsphase und jedes Aufbauen von neuer Hoffnung erfordert von ihr viel Gedankenkraft und Willensanstrengung.

 

Was bei der Kinderwunschbehandlung helfen kann

Was ihr in dieser Zeit am meisten hilft, ist die große und zuverlässige Liebe ihres Mannes, der sie selbst in den dunkelsten Momenten der Kinderwunsch-Zeit nicht alleine lässt. Wenn sie weint, hält er sie in den Armen. Wenn sie auf die Ungerechtigkeit der Welt schimpft, hält er mit einer positiven Sicht dagegen.

Doch auch enge Freunde helfen ihr dabei, immer wieder neue Kraft zu sammeln: „Ja, Andi ist nicht nur mein Ehemann, sondern auch mein bester, engster, vertrauensvollster Freund. Und er und ich waren diejenigen, die den Kinderwunsch Monat für Monat erleben und durchstehen mussten. Aber diese Freunde waren es, die – jeder und jede auf eine eigene, unvergleichliche Art – dazu beigetragen haben, dass ich nicht in tiefe Depression, Trauer und Hilflosigkeit abgedriftet bin, und die immer wieder Wege fanden, mir ihr Ohr zu leihen, ihr Herz wärmend zu meinem zu legen und den Blick gemeinsam mit mir wieder nach vorn zu richten.“

 

Franziska Ferber: Unser Abschied vom Wunschkind

Die Trauer ist groß, als Franziska und Andi nach dem dritten ICSI-Versuch und mehr als 50 Zyklen voller Hoffen und Bangen schließlich einsehen müssen, dass sie ihr Wunschkind nicht bekommen werden.

Zum Glück hat Franziska Frber schon nach dem zweiten Versuch einen besonderen Weg gefunden, mit ihrem Schicksal umzugehen: Sie hat beschlossen, sich zu einem Coach für Menschen auf dem Weg des Kinderwunsches ausbilden zu lassen!

In ihrem Buch schreibt sie: "Wir haben als Menschen durchschnittlich nur knapp dreißigtausend Tage zu leben. Diese Erkenntnis war für mich so zentral, dass ich nicht davon lassen konnte, mich zu fragen, wozu ich die mir verbleibenden Tagen nutzen wollte. Bald kam ich zu der Erkenntnis, dass Glück in der Regel daher kommt, etwas Sinnstiftendes zu tun und gleichzeitig die eigenen Fähigkeiten für andere Menschen einzusetzen."

Inzwischen arbeitet Franziska schon seit einigen Jahren als Kinderwunsch-Coach und das sehr erfolgreich: immer mehr Frauen und Männer wenden sich an sie, bitten um Hilfe in einer Zeit, in der sie sich selbst nicht mehr zu helfen wissen. „Es trauen sich zum Glück immer mehr Menschen, öffentlich über ihren Kinderwunsch zu sprechen und sich Hilfe für diese Zeit zu suchen. Das liegt auch daran, dass die Akzeptanz für Seelenhilfe in unserer Gesellschaft deutlich größer geworden ist“, berichtet Franziska Ferber im Gespräch mit Wunderweib.de.

 

So hilft ein Kinderwunsch-Coach bei einem (unerfüllten) Kinderwunsch

Die Hilfe von jemand Außenstehendem ist gerade bei einer schwierigen Kinderwunschbehandlung oft sehr wichtig für die Betroffenen, weil sie im persönlichen Umfeld keine Kraftquellen mehr finden.

Franziska Ferber erklärt, warum das so ist: "Wenn ich zum Beispiel Stress mit meinem Chef habe, kann ich mich bei meiner Familie oder meinem Partner aussprechen und so wieder Kraft sammeln, um der Situation begegnen zu können. Bei einem Kinderwunsch ist aber jeder Bereich unseres Lebens betroffen, Partner, Familie, Freunde, alle hoffen und leiden mit. Ich habe mich damals sehr nach einem emphatischen Gesprächspartner gesehnt, der meine Situation verstehen und mit einem sachlichen Wortschatz helfen kann. Ich habe niemand passendes gefunden – und so entstand die Idee zu meinem Beruf als Kinderwunsch-Coach."

Franziskas eigene Erfahrung hilft ihr sehr in ihrem neuen Beruf, der für sie tatsächlich genau das ist - eine Art Berufung: "Ich weiß, wie sich die Sehnsucht nach einem Kind anfühlt – ich habe es selbst jahrelang erlebt. Ich weiß, wie schwierig das ständige Auf und Ab zwischen Hoffnung, Enttäuschung und Trauer auszuhalten ist. Ich weiß wie viel man auf sich nimmt, um endlich schwanger zu werden. Ich weiß, wie man sich in einer Kinderwunschklinik, während der Kinderwunschbehandlung und der Wartezeit fühlt. Und ich weiß, wie sehr man selbst – aber auch die Partnerschaft und Freundschaften – unter diesen Belastungen leiden können und wie oft man das Gefühl hat, einsam und alleine mit seiner Sehnsucht nach einem Kind zu sein.“

 
 

Leben ohne Kind: Neue Wege für die große Liebe

Kinderwunsch-Coaches wie Franziska Ferber helfen den Frauen und Männern auf dem Weg der Kinderwunschbehandlung oder bei der Verarbeitung eines unerfüllten Kinderwunsches mit mutmachenden Worten, mit sachlichen Reflexionen der Lebenssituation und mit dem Aufzeigen von neuen Möglichkeiten. „Bei Frauen und Männern, deren Wunsch nach einem Kind nicht erfüllt werden konnte, stellt sich die Frage: Wohin mit meiner Liebe, mit meinem Wunsch nach Verantwortung, einer größeren Aufgabe? Ich suche dann mit ihnen gemeinsam nach neuen Zielen.“

Sich kümmern, Fürsorge leben, ganz viel Liebe geben - Franziska und ihr Mann Andi haben nach ihrer erfolglosen Kinderwunschbehandlung einen kleinen Hund in ihr Leben geholt. Außerdem geht Franziska in ihrem neuen Beruf auf: „Den mache ich mit extrem viel Herzblut und hohem persönlichen Einsatz!“ Ab und zu kommen außerdem Kinder von Freunden zu Besuch, so können Franziska und Andi immer mal wieder auf Zeit Eltern sein. „Für andere kann vielleicht die ehrenamtliche Hilfe in einem Altersheim, Nachbarschaftshilfe oder Nachhilfe eine Lösung sein, berichtet Franziska aus ihrer Coaching-Erfahrung.

Wie sehr eine solche Begleitung in Zeiten des Kinderwunsches helfen kann, zeigt zum Beispiel das Feedback einer Klientin von Franziska Ferber. Sie hat ihr geschrieben: "Liebe Franziska, du gibst einem das Gefühl nicht allein zu sein. Gerade wenn man sich schon lange in dieser Kinderwunschzeit befindet, beginnt man sich immer mehr von der Außenwelt zu isolieren. Durch dich habe ich wieder die Kraft in mir gefunden, mein Leben wieder mehr selbst in die Hand zu nehmen und es nicht nur noch von dem "Wunsch" bestimmen zu lassen."

Ein Leben mit Kind? Ein Leben ohne Kind? Auf welchen Weg auch immer uns das Leben schickt, beide können schön und erfüllend sein, auch wenn wir uns unseren Weg vielleicht nicht selbst ausgesucht hätten. Geschichten wie die von Franziska Ferber beweisen es.

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Die ganze Geschichte von Franziska Ferber ist in diesem Buch zu lesen:

Unsere Glückszahl ist die Zwei - Wie wir uns von unserem Kinderwunsch verabschiedeten und unser neues, wunderbares Leben fanden"

 Unsere Glückszahl ist die Zwei: In ihrem Buch beschreibt Franziska Ferber ihren Weg der Kinderwunschbehandlung.

Unsere Glückszahl ist die Zwei: In ihrem Buch beschreibt Franziska Ferber ihren Weg der Kinderwunschbehandlung. | Foto: Eden Books


INFO: Wer sich für Franziska Ferber als Kinderwunsch-Coach interessiert, findet auf ihrer Internetseite alle Informationen zu ihrer Arbeit: www.kindersehnsucht.de. Ihr Büro befindet sich in München, sie hilft aber sehr gern auch überregional mit Gesprächen am Telefon oder via Skype.

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Weitere Literaturempfehlungen:

 " Der Traum vom eigenen Kind - Psychologische Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch "

Von: Tewes Wischmaann und Heike Stammer
Verlag: Kohlhammer

Ein sehr lebensnahes Buch, das einfühlsam und mit großem Erfahrungshintergrund auf die zentralen Fragen und Knackpunkte im Alltag von Paaren mit Kinderwunsch eingeht. Mit gut verständlicher Übersicht zu den Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin und aktuellen Gesetzen! Besonders hilfreich: Viele praktische Tipps für das Verhalten bei Familienfeiern, beim Arbeitgeber und vor allem für einen konstruktiven Umgang mit der Kinderlosigkeit.

" Weitergeben! Anstiftung zum generativen Leben"

Von: Heiko Ernst
Verlag: Hoffmann und Campe

Welche Spuren werde ich hinterlassen? Wie verbinde ich mein Leben mit der Zukunft der Nachgeborenen? Welche Werte kann ich vermitteln? Ein Buch über zentrale Fragen der Babyboomer-Generation, der Menschen, die heute in der Mitte des Lebens stehen.

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