TV-Star „Kuli"

Hans-Joachim Kulenkampff: Das tragische Schicksal seiner Kinder

Schauspieler Hans-Joachim Kulenkampff war immer fröhlich und charmant: Er wollte seine Trauer nie zeigen. Doch ein großer Verlust belastete die ganze Familie...

Hans-Joachim Kulenkampff war immer fröhlich und charmant: Der Schauspieler wollte seine Trauer nie zeigen...
Foto: IMAGO / teutopress

Hans-Joachim Kulenkampff sorgte immer für allerbeste Unterhaltung

Bei den meisten Deutschen war es ein geliebtes Ritual: Lief eine Komödie oder Samstagabend-Show mit unserem „Kuli“, saßen wir alle fröhlich vereint vor dem Fernseher. Hans-Joachim Kulenkampff (†77) galt als Garant für allerbeste Unterhaltung. Unsere Mütter fanden den gut aussehenden Schauspieler einfach umwerfend. Unsere Väter wären gerne der dritte Mann in seinem Boot gewesen. Und wir Kinder, wir liebten seine kecke, schelmische Art. Der große Star des deutschen Fernsehens schien uns durch sein strahlendes Auftreten zu sagen: „Schaut her, ich habe einfach Glück im Leben!“

Kaum jemand ahnte, mit welch tragischem Schicksal "Kuli" leben musste

Was kaum jemand ahnte: „Kuli“ und seine Familie lebten mit einer bitteren Erfahrung, an der manch anderer zerbrochen wäre. Denn am Abend des 12. Juli 1957 lag seine bis dahin traute, glückliche Welt in Scherben. An diesem Tag saß Traudl Kulenkampff (†79) am Steuer ihres Wagens und kutschierte ihre Kinder Merle und Till zurück nach Frankfurt. Sie freute sich auf das Wiedersehen mit ihrem Mann, der wegen Drehterminen bereits vorgefahren war. Wie jedes Jahr hatten sie gemeinsam einige Wochen im Sommerhaus von Traudls Eltern in Österreich verbracht.

Hinter Ulm dann das Unfassbare: Ein LKW drängte Traudls Wagen von der Straße. Wie durch ein Wunder überlebten sie und ihre Tochter das Unglück. Doch Till, ihr kleiner Sonnenschein, wurde aus dem Auto geschleudert. Der Vierjährige war sofort tot. Noch kurz vor dem Unfall hatte er fröhlich gerufen: „Ich habe euch lieb.“ Als hätte er gespürt, was das Schicksal mit ihm plante...

Im Video: Hans-Joachim Kulenkampff - Die verheimlichte Tragödie (der Artikel wird unter dem Video fortgesetzt).

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Hans-Joachim Kulenkampff zog sich in seinem Schmerz zurück

Hans-Joachim Kulenkampff zog sich in seinem Schmerz zurück. „Mein Vater begann zu schnitzen, stürzte sich in die Arbeit“, erinnert sich Merle. „Burli“, wie Kulenkampff seinen Sohn liebevoll nannte, wurde zu einem Tabuthema. Seine sensible Tochter bekam natürlich mit, was in ihren Eltern vor sich ging: „Es war zu spüren, dass Papi immer an ihn dachte, trauerte. Aber er sprach das vor uns nie aus. Auch meine Mutter hat diesen Verlust nie verkraftet.“

Zwei Jahre nach dem schrecklichen Unfall wurden Traudl und „Muckl“, so ihr Spitzname für ihren Mann, erneut Eltern: Kai, so blond wie Till, brachte sie wieder zum Lachen. Natürlich blieb auch „Burli“ präsent, wie Merle sich erinnert: „Überall im Haus standen Erinnerungen an ihn. Für mich war das ganz normal. Doch vielleicht hat Kai das ganz anders empfunden.“ Denn den verwöhnten die Eltern fast überfürsorglich. Die Freude, wieder einen Sohn zu haben, schien eine Lücke in ihrem Leben zu füllen. „Ich war der, der den anderen ersetzt hat“, verriet Kai Kulenkampff 2014 in einem Interview, wie belastend er Teile seiner Kindheit empfunden hatte. Rückblickend analysierte er: „Das hat Eifersucht bei meiner Schwester ausgelöst und so etwas wie Erlösung bei den Eltern. Das schwebt natürlich über einem.“ Die Angst, erneut einen Sohn zu verlieren, saß tief. Und Merle, die damals mit im Unfallwagen gesessen hatte, trauerte weiter. Bis heute muss sie weinen, wenn sie an Till denkt. Ein fast zehn Jahre jüngerer Bruder konnte nicht an seine Stelle rücken.

Die Familie bewahrte Kulenkampff und seine Frau davor, an der Tragödie zu zerbrechen

Anders als manche erwartet hatten, trat Kai (62) nicht in die Fußstapfen des berühmten Vaters. „So gerne ich meinen Herrn Papa gehabt habe: Das hätte er nicht durchgestanden. Es hätte mehr Streiterei und Missgunst als Nutzen produziert. Auf diese Diskussionen wollte ich mich nicht einlassen.“ Stattdessen wurde er Mediziner – was ihm auch half, die eigene Familiengeschichte zu hinterfragen. Er bedauerte, dass es 1957 für die Familie keine psychologische Hilfe gab: „Weder für meine Mutter, noch für meine Schwester – und für den Vater schon gar nicht.“

Der Familienzusammenhalt, die uneingeschränkte Liebe, die Kulenkampff mit seiner Frau verband, bewahrte sie davor, an der Tragödie zu zerbrechen. Der große Star konnte auch unendlich viel Mitgefühl zeigen. Das schätzten wir Zuschauer an ihm. Und das ließ er seine Liebsten hautnah spüren, wie Sohn Kai verriet: „Er hat uns immer ein starkes Gefühl der Geborgenheit und Liebe geschenkt.“

Autor: Redaktion Retro

Artikelbild & Social Media: IMAGO / teutopress