Filmlegende

Senta Berger: Hollywood lag ihr zu Füßen, doch sie entschied sich für die Liebe

Am 13. Mai wurde Senta Berger 80 Jahre alt. Für viele ist sie eine Filmlegende – doch sie selbst interessierte der Ruhm nie.

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Vor der Filmkamera begann es zwischen den beiden zu knistern – und es knistert bis heute. Senta Berger und ihr Ehemann sind bald 55 Jahre verheiratet. „Wir können über alles reden – immer. Ich fühle mich immer noch wie frisch verliebt“, schwärmt Michael Verhoeven (82) über das Leben mit ihr. „Ich rate allen Männern, mit Senta Berger verheiratet zu sein!“ Das haben sich sicher einige sehnlichst gewünscht. Doch sie hatte nur Augen für den einen.

Senta Berger: Das Geld war knapp, aber Liebe gab es immer

Am 13. Mai 1941 kam sie in Wien zur Welt. Vater Josef († 81) war Musiker und Komponist, musste aber den elterlichen Handwerksbetrieb übernehmen. Ihre Mutter Therese († 98) putzte für wenig Geld. Die Familie lebte in einem Zimmer mit Küche und Kammer. Dennoch erhielt die Tochter von den Eltern Klavierunterricht sowie eine Ballettausbildung. Für eine warme Mahlzeit und eine kleine Gage ging sie mit dem Vater zu Betriebs- und Weihnachtsfeiern, wo er Piano spielte. Dort durfte sie tanzen, im rosa Tüllröckchen.

Das Geld war knapp, aber Liebe gab es immer. „Ich habe meine Mutter sehr bewundert. Von ihr lernte ich Zivilcourage und Kampfgeist. Sie brachte mir bei, wie ich das Leben leben kann“, erinnert sich Senta Berger.

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Die Schauspielerei war ein Kindheitstraum

Als an ihrer Schule ein Film gedreht wurde, durfte sie als Komparsin mitspielen und träumte seither von der Schauspielerei. Mit 16 sprach sie am Max-Reinhardt-Seminar vor und wurde angenommen. Dafür schmiss sie sogar das Gymnasium hin.

Doch nur wenige Monate später flog sie hochkant von der Schauspielschule. Ohne den Direktor um Erlaubnis zu bitten, hatte sie eine Rolle angenommen – an der Seite von Yul Brynner († 65) im Film „The Journey“. „Dieses Angebot konnte ich einfach nicht ausschlagen. Mein Rauswurf von der Schauspielschule war der erste Schritt in die Erwachsenheit“, sagte sie später. Es war auch ihr Sprung nach Hollywood!

Dort bekam sie 1963 einen Fünfjahresvertrag und drehte mit großen Stars. Frank Sinatra († 82), Dean Martin († 78) und Charlton Heston († 84) lagen ihr zu Füßen. Doch wenn sie über die Traumfabrik spricht, klingt es nicht nach Glamour. „Es war lächerlich, wie die Männer in den Drehpausen und nach Drehschluss Cowboy spielten. Wie Kinder“, sagte sie über den Dreh zum Western „Major Dundee“. „Und es wurde unheimlich viel gesoffen.“

Senta Berger entschied sich gegen Hollywood und für die Liebe

Mit ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Ehrlichkeit erstaunte sie so einige in Hollywood. Amerika galt als Schauspiel-Olymp – für eine Rolle hätten andere fast alles getan! Aber nicht Senta Berger. So lehnte sie die Hauptrolle im Broadway-Stück „Mata Hari“ ab – die Handlung war ihr zu banal, die Dialoge zu kitschig. Sie lag richtig – nach einer Vorstellung wurde das Stück mangels Erfolg schon wieder abgesetzt.

„Je länger ich in Amerika lebte, desto mehr sehnte ich mich nach Europa zurück“, sagte sie. Der Grund hieß Michael Verhoeven. Sie hatte den Studenten bei Dreharbeiten kennengelernt und 1966 geheiratet. Nach drei Jahren Ehe auf Distanz entschied sie sich gegen Hollywood und für die Liebe.

Ruhm interessierte sie nicht. In Deutschland gründete sie mit ihrem Mann eine Filmproduktionsfirma – und eine Familie. Sohn Simon kam 1972 zur Welt, Sohn Luca 1979. Später holte sie ihre Eltern zu sich nach Grünwald bei München. „Da waren wir die große Drei-Generationen-Familie, die wir immer sein wollten.“ Nur eines trübte ihr Glück: Sie erlitt eine Fehlgeburt. Dabei hätte sie so gern noch eine Tochter gehabt.

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Die Arbeit half ihr über den Schmerz hinweg, sie war immer ihre Kraftquelle. Auch wenn es kein Spaziergang für sie war, ihrer Familie und ihrem Beruf gleichsam gerecht zu werden. Dennoch drehte sie über 170 Filme und TV-Serien, spielte in Krimis, Dramen und Komödien. Ihre Arbeit wurde unzählige Male ausgezeichnet – von Bambi bis Bundesverdienstkreuz. Doch viel mehr als das bedeutete ihr immer die Liebe der Familie.

Ihren 80. Geburtstag lässt sie gelassen auf sich zukommen. Sie feiert ihn mit ihrem Mann an ihrer Seite. „Noch ist es nur eine Zahl, die auf der Torte stehen wird. Doch dann sage ich mir: Du bist schon einen ganz schön langen Weg gegangen, Senta, hast schon ganz schön viel erlebt.“

Foto: IMAGO / Sven Simon

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