Selbstzweifel

Ich fühle mich hässlich – wie dieser Gedanke Beziehungen zerstört und was hilft

"Ich fühle mich hässlich und fett." Unendlich viele Frauen quälen sich jeden Tag mit diesem zerstörerischen Gedanken. Wie sehr der verzweifelte Schönheitswahn einer Beziehung schaden kann und was wirklich hilft, erklärt hier der erfahrene Beziehungscoach Dominik Borde.

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Denk- und Verhaltensweisen, die garantiert deine Beziehung zerstören

In meiner Arbeit als Coach treffe ich häufig auf Klientinnen und Klienten, die mit ihrem Aussehen selbst gar nicht zufrieden sind. Anstatt selbstbewusst zu sagen: „Ich fühle mich attraktiv und schön genug, genauso, wie ich bin“, bereitet ihnen ihr eigenes Spiegelbild eine Qual. Klar, dass das auch große Auswirkungen auf ihr Beziehungsleben hat.

Die gute Nachricht: Wenn es dir auch so geht, du bist nicht allein, den meisten Frauen und auch immer mehr Männern geht es so. Und - du kannst etwas dagegen tun.

Hier einige erste Schritte, wie du den Teufelskreis aus toxischem Schönheitswahn, mangelndem Selbstwertgefühl und daraus resultierenden Beziehungsproblemen durchbrechen kannst.

Ich fühle mich hässlich und fett - mit diesem Gedanken quälen sich viel zu viele Frauen und auch Männer.
Ich fühle mich hässlich und fett - mit diesem Gedanken quälen sich viel zu viele Frauen und auch Männer. Foto: iStock

„Ich bin nicht schön genug“

Paarprobleme wie Eifersucht, Misstrauen, sexuelle Hemmungen gehen sehr häufig auf das Konto überhöhter Idealvorstellungen und irrealer Erwartungen an das eigene Aussehen zurück.

Doch: Unser Schönheitsideal wird von der Werbung und den Medien geprägt. Damit möglichst wenige mit ihrem Aussehen zufrieden sind, legt die Werbung die Messlatte gerne außerhalb jeglicher menschlicher Reichweite an. Die künstliche Schönheit aus der Werbung ist nicht real – es ist praktisch unmöglich so auszusehen

„Ich bin nicht gut genug“

Wer sich mangelhaft im Vergleich mit seinen Mitmenschen fühlt und „nicht gut genug“, meidet den Kontakt zur Außenwelt und versäumt wichtige soziale Chancen. Häufig berichten mir Klienten und Klientinnen, die unter Eifersucht leiden, dass sie Angst haben: etwa davor, dass ihr Partner beim Ausgehen jemandem begegnen könnten, der attraktiver ist. Deshalb scheuen sie soziale Veranstaltungen und schieben Müdigkeit, gesundheitliche Probleme oder ähnliches vor, um das Risiko auszuschließen, der Partner könne womöglich auf jemand attraktiveren treffen.

Genau hier wird der Schönheitswahn zum Beziehungskiller. Denn wer sich nicht schön genug oder mangelhaft im Vergleich mit seinen Mitmenschen fühlt, meidet den Kontakt zur Außenwelt und kommuniziert ungern mit anderen. Frauen und Männer, die mit dem eigenen Aussehen unzufrieden sind, vermeiden es, aufzufallen. Sie melden sich weniger zu Wort, nützen soziale Gelegenheiten nicht – und versäumen dadurch jede Menge Möglichkeiten.

Aus Liebe zum Partner: Übe dich in Selbstliebe

Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Erfolg einer glücklichen Partnerschaft. Niemand kann dir ein gutes Gefühl über dich selbst geben – außer du selbst. Denn Menschen, die sich selbst nicht leiden können, sind auch immun gegen Komplimente von anderen. Nur wer sich selbst gut leiden kann, glaubt auch einem anderen.

Immer wieder treffe ich in meiner Praxis auf Menschen, die dem Partner einfach nicht glauben können, dass sie attraktiv und anziehend sind. Egal was gesagt und getan wird: Jedes Kompliment wird mit Misstrauen bestraft und mehrfach hinterfragt. Solange, bis dieser irgendwann frustriert aufgibt.

Hör auf, dich ständig zu vergleichen und dich dabei schlecht zu fühlen

Sich ständig mit anderen zu vergleichen ist zwar normal, denn unser Gehirn ist darauf programmiert. Der Grund, warum manche Menschen selbstbewusst sind und andere sich nicht leiden können, liegt an der Art der Vergleiche.

  • Menschen mit hohem Selbstwert vergleichen ihre eigene Entwicklung und achten vermehrt auf das, was sie können und welche Vorzüge sie haben.
     
  • Menschen mit niedrigem Selbstwert vergleichen sich permanent mit anderen und achten vorrangig darauf, was sie nicht können und welche Makel sie haben.

Merke: Je mehr wir unsere Unvollkommenheit annehmen, je mehr wir dazu stehen, nicht perfekt zu sein, desto eher werden solche Eigenheiten als persönliches Markenzeichen angesehen. 

So entkommst du dem Schönheitswahn

Wann bist du dir zum letzten mal anerkennend im Spiegel begegnet? Selbstbewusst ist, wer sich seiner besten Seiten bewusst ist! Jeder hat etwas, das schön ist -  halte dir diese Einzelteile deines Körpers vor Augen.

► Akzeptiere, dass es den perfekten Körper nicht gibt und selbst wenn, dass dieser nur von kurzer Dauer ist – jedes Supermodel wird einmal alt.

► Akzeptiere, dass es immer Menschen geben wird, die das eine oder andere Merkmal haben, das schöner ist – aber es wird auch immer Menschen geben, die dich um etwas an dir beneiden.

Um dem Schönheitswahn zu entkommen und eine glückliche Beziehung führen zu können, empfehle ich dir diese einfache Bewusstseinsübung: „Fühle dich schön und gut, so wie du bist!“ Mache sie am besten täglich:

  • Betrachte dich liebevoll im Spiegel. Stelle dir vor, du bist ein Unikat, ein einzigartiges Kunstwerk. Schau bewusst auf das, was du schön an dir finden könntest, wenn du wolltest. Sei dankbar, indem du dir bewusst machst, dass nichts davon selbstverständlich ist.
     
  • Blicke auf die Körperteile, die du nicht magst. Versöhne dich mit ihnen. Sage jedem Teil, mit dem du nicht Frieden geschlossen hast, „Danke“. Denn all diese Teile machen dich zu deinem einzigartigen Menschen, der du bist.
     
  • Bedenke: Deinen Körper nicht zu mögen, macht ihn weder schlanker noch schöner. Aber deinen Körper abzulehnen, wird dich nicht so weit bringen, wie ihn zu lieben. Und wenn du schon all deine körperlichen Nachteile sehen willst – bleibe zumindest fair zu dir – und schau auch auf deine Vorzüge!

Unser Autor:

Dominik Borde ist Beziehungscoach und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik
Dominik Borde ist Beziehungscoach und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik. Neben seiner Tätigkeit als Trainer und Coach ist er Autor von mehreren Fachbüchern zum Thema Beziehungsgestaltung. In seiner Arbeit verwendet Borde unter anderem die von ihm entwickelte „360° Methode“ und das Konzept der „Sozialdynamik“. Dominik Borde ist selbst vierfacher Vater und glücklich in einer Beziehung. Foto: privat
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