Selbstbestimmte Geburt statt überraschender Kaiserschnitt

Kaiserschnitt! 14 Dinge, die jede Frau vor der Geburt wissen sollte!

Manche Frauen wissen schon, dass ihr Kind per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblicken wird. Andere kommen erst im Geburtsverlauf in diese Situation. Das macht oft einen Unterschied im Erleben und Verarbeiten der Entbindung. Doch leider wird in vielen Vorbereitungskursen nur beiläufig über den Kaiserschnitt informiert. Wenn überhaupt.

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Sich vor einer Geburt über den Ablauf eines möglichen Kaiserschnittes schlau zu machen hat jedoch viele Vorteile. Wer informiert ist, fühlt sich von vielem weniger überrumpelt . Die Situation kann besser eingeschätzt werden und das Wissen ist vorhanden, wie der Ablauf im eigenen Sinne mitgestaltet werden kann.

Dieser kurze Überblick soll Ihnen die eine oder andere Enttäuschung im Sinne von „Hätte ich das vorher gewusst...“ ersparen und ein kleiner Beitrag zu einer möglichst selbstbestimmten Geburt sein.

1. Kaiserschnitt als Option nicht ausschließen

"Mein Kind kommt natürlich zur Welt." Das wünschen sich viele werdende Eltern. Daher schließen sie einen Kaiserschnitt schon im Vorwege aus und wissen daher auch wenig darüber. Diese Eltern wirft es teilweise regelrecht aus der Bahn, wenn doch eine Schnittgeburt erforderlich wird.

Deshalb sollten sich alle werdenden Eltern auch mit dieser Option befassen. Vor allem die Männer. Denn sie sind hier noch mal ganz anders gefordert als die Frauen.

2. So läuft die OP

Kurz gesagt verläuft die Operation in den meisten Fällen so: Die Frau bekommt eine Narkose, durch sie wach bleibt aber den Schmerz der OP nicht fühlt. Selten eine Vollnarkose. Dann wird die Bauchdecke im Bereich der Schamhaargrenze geöffnet. Das macht der Chirurg mit dem Skalpell. Ein Teil des inneren Gewebes wird wegen der besseren Heilungsaussichten aber auch händisch auseinander gerissen, was sich für die Frau ruckelig anfühlen kann. Dann wird nach einem Schnitt in die Gebärmutterwand das Baby herausgehoben, die Nabelschnur durchtrennt, die Plazenta entfernt, und anschließend alles wieder vernäht. Die OP dauert etwa eine Stunde.

3. Auswahl der Klinik

Sie sind einem Kaiserschnitt gegenüber kritisch eingestellt? Dann erfragen Sie, welche Kaiserschnittrate das von Ihnen gewählte Krankhaus hat. Grob gesagt wären 50 Prozent hoch und 10 niedrig. Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei 30 Prozent aller Geburten. Eine niedrige Rate lässt darauf schließen, dass in diesem Krankenhaus Kaiserschnitte möglichst vermieden werden. Fragen Sie auch nach, wie in der Klinik der Partner einbezogen werden kann und wie das Bondig läuft. Dazu unten mehr.

4. Kaiserschnitt mit oder ohne Wehen

Heute weiß man, dass es einen Unterschied macht, ob ein Kind durch einen Kaiserschnitt mit oder ohne Wehen zur Welt kommt. Fachleute sind sich recht einig darüber, dass eine Sectio nach Einsetzen der Wehen Vorteile hat. Denn der Körper der Frau und des Babys werden durch die Wehen und die damit verbundenen Hormonausschüttungen auf das bevorstehende Ereignis eingestimmt. Häufig kommt es zu weniger Blutungen, das Stillen klapp leichter und die Rückbildung verläuft besser.

5. Krankenhausaufenthalt

Nach der OP sind viele Frauen noch durch die Narkose geschwächt. Außerdem schmerzt oft die Narbe und schränkt die Beweglichkeit ein. Auf drei bis sechs Tage Krankenhausaufenthalt sollte man sich innerlich einstellen. Die Unterstützung des Personals kommt dabei vielen Frauen entgegen. Andere Frauen lassen sich in guter Verfassung auch früher entlassen, weil sie ihre Zeit im Wochenbett lieber zu Hause verbringen möchten. Besprechen Sie vorher mit Ihrem Partner, was Ihnen wichtig ist und wie es im Krankenhaus Ihrer Wahl gehandhabt wird.

6. Vorgespräch mit der Hebamme

Die Hebamme ist ihr Ansprechpartner Nummer 1. Sie betreut Sie und das Baby während der Geburt und danach. Das heißt: Sie muss erfahren, was Ihnen wichtig ist. Besprechen Sie mit ihr, wo Ihr Partner Ihnen zur Seite stehen oder auch sitzen kann und wie Sie sich den ersten Kontakt mit Ihrem Baby vorstellen. Viele Frauen finden es nämlich zum Beispiel mehr als befremdlich, wenn sie ihr Baby erst nach zwei Stunden zum ersten Mal sehen oder es beim ersten Anblick bereits angezogen ist. Das geht auch anders.

7. Bonding nach der Geburt mit Mutter und Vater

Die Entstehung und Förderung eines möglichst guten Kontaktes zwischen dem Neugeborenen und seinen Eltern nennt man Bonding. Wie der Bondingprozess beim Kaiserschnitt gehandhabt wird, ist in jeder Klinik anders. Deshalb fragen Sie, was der Standard in Ihrer Wunschklinik vorsieht und ob das mit Ihren Vorstellungen harmoniert.

Wollen Sie das Ursprüngliche und Ihr Baby glitschig, warm und wohlduftend an Ihren Körper schmiegen lassen? Dann müssen Sie das vorher sagen! Denn das ist möglich, aber leider nicht immer üblich. Oder soll es Ihr Mann auf die Brust nehmen? Möchten Sie es möglichst gleich stillen? Damit Sie kein „Opfer“ einer OP-Routine werden, machen Sie sich darüber vorher Gedanken.

8. Aufklärung über OP und Risiken

Aufklärung über die Risiken gehört dazu. Einige Frauen berichten, dass dies in echten Notfällen entfallen sei, der Mann das übernehmen musste oder sie dem Gespräch darüber gar nicht richtig folgen konnten.

Normalerweise werden aber die Mutter und der Vater – soweit anwesend – über mögliche Risiken der OP im Vorfeld aufgeklärt. Viele Frauen bekommen hier noch mal richtig Muffensausen oder gar Panik. Denn sie können oft nicht richtig einordnen, wie große die Gefahr im Einzelnen ist, dass sie vielleicht von Komplikationen betroffen werden könnten.

So ist zum Beispiel eine Gebärmutterruptur (Riss der Gebärmutterwand) eines der genannten Risiken. Dabei kommt diese zum Glück nur selten vor. Aber Angst macht es trotzdem. Wer sich vorher mit den Risiken beschäftigt, ist im entscheidenden Moment weniger überfordert damit.

9. Rasur und Katheter

Vor der OP werden die Schamhaare rasiert. Wissen Sie, dass Ihnen die OP bevorsteht, können Sie das auch selber übernehmen oder Ihren Mann machen lassen, wenn sie zum Beispiel nur schlecht selber rankommen. Damit während und nach der OP der Urin gut abfließen kann, bekommen die Frauen einen Katheter. Geschieht das vor der Narkose, finden das manche Frauen sehr schmerzhaft. Sie können besprechen, dass das erst unter der Narkose gemacht werden soll.

10. Einbeziehung des Mannes

Viele Männer berichten nach einem Kaiserschnitt ihrer Frau, dass sie sich etwas hilflos oder auch mit der Verantwortung überfordert oder allein gefühlt haben. Reden Sie vorher darüber, was Ihnen beiden wichtig ist und wovor Sie Angst haben. Kommt der Mann mit in den OP und an die Seite der Frau, ist das oft sehr beruhigend für die werdende Mutter. Das Wissen „Er ist da und hält meine Hand. Er kann unser Baby gleich sehen und es nehmen.“, ist vielen sehr wichtig.


Dass der Partner körperlich fitter ist als die frisch operierte Mutter heißt jedoch nicht, dass er der Held des Kreißsaals sein muss. Auch er ist nervlich vielleicht angespannt oder überwältigt. Auch von ihm darf an dem Tag niemand Wunder erwarten.

11. Stillen nach Kaiserschnitt

Viele Frauen machen sich Sorgen, dass ein Kaiserschnitt die Fähigkeit zu stillen negativ beeinflussen könnte. Heute weiß man, dass das nicht so sein muss.

Förderlich für die Milchbildung und den Milchfluss ist es, wenn die Frauen einen Kaiserschnitt nach Einsetzen der Wehen hatte, wenn die OP als nicht sehr belastend erlebt wurde und das Bonding gut funktioniert hat. Schon das Berühren von Mutters Brust mit Babys Händchen setzt nämlich ordentlich Oxytocin frei. Und das bringt die Milch auf ihren Weg.

Ein stillfreundliches Krankenhaus und das rechtzeitige Fragen um Rat bei einer Hebamme oder Stillberaterin kann eine sehr gute Unterstützung sein.

12. Bewegungseinschränkung durch die Narbe

Anfangs haben Frauen nach einem Kaiserschnitt einen deutlich spürbaren Wundschmerz und fühlen sich eingeschränkt in ihrer Bewegung. Helfende Hände in der Nähe sind dann Gold wert.

Doch Vorsicht: Aufdringliche oder übergriffige Mütter oder Schwiegermütter können manchmal mehr stressen als helfen. Manchmal ist eine Freundin, Tante oder Oma die größere Hilfe. Oder auch eine Familienhelferin, die Sie für diese Zeit organisieren können.

Sprechen Sie (vorher) mit Ihrem Gynäkologen darüber, wenn Sie Hilfe bei der Versorgung der Geschwisterkinder in der ersten Zeit brauchen. Das übernimmt teilweise die Krankenkasse, wenn die Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht voll einsatzfähig ist. Bei Problemen kommt die Hebamme außerdem auch außer der Reihe. Auch nach Hause. Man muss nur was sagen! Denn Hellseherein ist sie nicht.

13. Nachfolgeschwangerschaften

Ein Mal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt? Das muss nicht sein und gilt als überholt. Viele Frauen haben den Mut und das Vertrauen in ihren Körper, es nach einem Kaiserschnitt beim nächsten Kind trotzdem vaginal zur Welt bringen zu wollen. Und oft klappt es. Das Gefühl zu erleben: Ich kann es auch selbst! - ist für viele sehr wichtig.

Doch das darf nicht über allem hängen. Es gibt gute Gründe für einen Kaiserschnitt genauso wie Gründe dagegen. Holen Sie sich am besten immer wenigstens zwei Meinungen ein lesen Sie über Erfahrungen anderer Mütter, wenn das Wort „Kaiserschnitt“ bei Ihnen im Raum steht. Mutterschaft und Intuition gehören immer zusammen. Finden Sie für sich raus, was Sie für sich und ihr Kind passend finden.

14. Würdigung

Sie haben es sich vielleicht anders gewünscht und nun müssen Sie per Kaiserschnitt entbinden? Dann seien Sie gnädig mit sich. Sie sind keine Versagerin. So vieles liegt nicht im Einflussbereich der Mutter, dass Sie nicht an sich zweifeln müssen. Auch Sie geben großen Einsatz dafür, dass Ihr Baby zur Welt kommen kann. Sehen Sie es positiv:

Auch ein Kaiserschnitt ist eine Geburt, die mit Würde und Staunen begleitet werden kann.

Autorin: Marthe Kniep

Buchtipp:

Meine Wunschgeburt

Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt: Begleitbuch für Schwangere, ihre Partner und geburtshilfliche Fachpersonen

Edition Riedenburg | ISBN: 9783902647245

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