Kind oder Karriere?Kein Kinderwunsch: Franziska Weisz darüber, warum manche Frauen keine Kinder wollen

Ist es ok, kein Kind zu wollen? Ein Gespräch mit Schauspielerin

In dem Film "Ich will (k)ein Kind von dir!" spielen Franziska Weisz und Felix Klare ein junges Paar, das der Kinderwunsch zu entzweien droht.
In dem Film "Ich will kein Kind von dir!" spielen Franziska Weisz und Felix Klare, ein junges Paar, das der Kinderwunsch zu entzweien droht.
Foto: ARD

Franziska Weisz über den Kinderwunsch und gesellschaftliche Zwänge für Frauen.

 

Diese Frau will Karriere statt Kinder!

Ich will kein Kind! Immer mehr junge Frauen in Deutschland treffen diese Entscheidung. Kinder empfinden sie als Karrierekiller, als zu große Belastung für die Beziehung, als finanzielles Risiko oder als ultimative Einschränkung der persönlichen Freiheit.

Doch ist es ok, kein Kind zu wollen? Wie sieht es aus mit der natürlichen Bestimmung einer Frau? Wie sieht es aus mit dem persönlichen Beitrag zu einer Gesellschaft, deren soziales Bestehen auf einem Generationenvertrag beruht?

 

Interview mit Schauspielerin Franziska Weisz

Zu diesen Fragen haben wir mit der Schauspielerin Franziska Weisz gesprochen, die als Tatort-Partnerin von Wotan Wilke Möhring bekannt ist. Sie ist 36, verheiratet, hat keine Kinder und spielt in ihrem neuen Film „Ich will (k)ein Kind von dir(Sendetermin: Freitag, 17. März 2017, um 20.15 Uhr, im Ersten) die junge Frau Anna, die sich ganz klar gegen Kinder und für Karriere entscheidet.

Doch dann entwickelt ihr Ehemann Philipp (Felix Klare) unerwarteterweise einen starken Babywunsch – und Anna wird überraschend doch schwanger. Eine Zerreißprobe für die Beziehung beginnt, Anna muss sich entscheiden: Abtreibung oder das Kind behalten?

 

„Ich habe mich beim Drehbuch lesen sofort in beide Charaktere verliebt, sowohl in Philipp als auch in Anna“, berichtet  Franziska Weisz. „Das ist so ein grundlegendes Thema, diese Entscheidung für oder gegen eigene Kinder, die geht uns alle etwas an. Ich verstehe Philipps Kinderwunsch. Das ist ja keine Kopfgeburt. Er spürt das und er will das und er will das mit der Frau, die er liebt. Er ist auch überzeugt, dass sie damit glücklich wird. Aber man kann ja niemanden zu seinem Glück zwingen. Und ich verstehe auch sie, die sagt: „Nein, ich wollte noch nie Kinder, du hast mich so kennengelernt, du hast dich so auf mich eingelassen und jetzt auf einmal machst du alles anders.“ Ich finde diese Beziehung mit all ihren Facetten so schön erzählt, da wollte ich einfach mitmachen.“

 

Aber meine Kinder dürfen deine Rente bezahlen!

Viele Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden, werden von anderen Menschen mit dem Vorwurf konfrontiert, nichts zur Erhaltung der Rente beizutragen. Franziska Weisz hält von diesen Aussagen wenig: „Diese Argumentation finde ich gefährlich. Wir leben in einem Sozialstaat. Wir zahlen auch Steuern dafür, dass andere Menschen medizinische Einrichtungen intensiv in Gebrauch nehmen können, obwohl man vielleicht selbst nie zum Arzt geht. Oder dafür, dass ein Flughafen gebaut werden kann, auch wenn man selbst nie fliegt. So ist das eben in einem Sozialstaat. Wir zahlen Steuern für das Allgemeinwohl.“

Wenn Männer äußern, dass sie keine Kinder wollen, wird das in unserer Gesellschaft meist kommentarlos akzeptiert. Wenn Frauen sich gegen Kinder entscheiden und dies offen kommunizieren, hagelt es oft Kritik. Sie werden oft als egoistisch und herzlos beschimpft – von anderen Frauen aber auch von Männern. Eine Frau, die keine Kinder will, das ist immer noch ein Novum. Dabei gibt es viele verständliche Gründe dafür.

 

„Erzieher und Erzieherinnen müssen besser bezahlt werden!“

„Um Kind und Karriere miteinander vereinbaren zu können, braucht es eben auch ausreichende Unterstützung“, beschreibt Franziska Weisz die schwierige Situation vieler Frauen. „Kita, Kindermädchen und was es da noch alles gibt, das muss man auch in Anspruch nehmen können und an Kita-Plätzen, beispielsweise, fehlt es häufig noch immer. Und wenn eine Frau Kinder bekommt und sie durch ein Kindermädchen betreuen lässt, dann heißt es wieder, wozu will sie denn dann ein Kind?!

Sehr kritisch beurteilt Franziska Weisz die schlechte Bezahlung von Erzieherinnen: „Es ist ja nicht so als hätten wir zu wenige Arbeitskräfte, dass man die fehlenden Kita-Plätze nicht schaffen könnte. Dafür wäre es allerdings wichtig, den Beruf der Erziehungsfachkraft deutlich attraktiver zu gestalten. Es ist wahnsinnig anstrengend, mit zehn kleinen Kindern in einem Raum zu sein! Wenn man dafür noch sehr wenig Gehalt bekommt, und das ist teilweise wirklich nicht besonders viel, dann will den Job ja auch keiner machen! Wir sprechen alle davon, wie wichtig es ist, Bildung zu haben und Menschen großzuziehen, die tolerant sind und glücklich sind und dann liberal und nicht radikal wählen – aber da muss man auch im Kindesalter beginnen! Warum kümmert man sich nicht darum, dass man gut bezahlte und glückliche Erzieherinnen hat, die dann auch den jungen Müttern, die zurück in die Arbeit wollen, den Rücken freihalten? Das ist doch alles ein Kreislauf!“

 

Franziska Weisz sieht allerdings auch die vielen positiven Entwicklungen: „Ich denke, dass in Sachen Unterstützung für Eltern in Deutschland schon viel passiert ist. Es gab ja mal eine Zeit vor dem Elterngeld. Inzwischen haben wir mehrere Bausteine: das Elterngeld, das Männer und Frauen in Anspruch nehmen können. Außerdem bestätigen neueste Untersuchungen, dass es für Männer heute keinen Karriereknick bedeutet, die Elternzeit genommen zu haben. Und auch als Frau zu wissen, mein Arbeitsplatz wartet jetzt ein Jahr auf mich, ich kann da wieder einsteigen. Das halte ich für wahnsinnig wichtig.“

 

Sind Frauen, die keine Kinder wollen, nicht normal?

Die Figur Anna in dem Film „Ich will (k)ein Kind von dir“ bekommt den Vorwurf zu hören, sie sei „emotional verkrüppelt“, weil sie kein Kind wolle. Eine Anmaßung, über die Franziska Weisz nur etwas freudlos lachen kann: „Diese Aussage ist so gemein. Das bekommt eine extrem verletzte Frau von einer anderen Frau gesagt, die in dem Moment selbst gekränkt ist und dann schlägt sie eben um sich. Verletzte Menschen verletzen Menschen. Aber das trifft die arme Anna total ins Herz, denn emotional verkrüppelt ist sie ganz bestimmt nicht. Sie musste einfach schon in sehr jungen Jahren viel Verantwortung für ihre jüngere Schwester übernehmen, hat dafür sozusagen auf ihre eigene Kindheit und Jugend verzichtet. Und dieses Gefühl von angebunden sein oder eingesperrt sein, das sie unweigerlich mit einem Kind verbindet, das will sie einfach nicht mehr haben. Darüber zu urteilen, ob und warum eine Frau keine will, das steht uns einfach nicht zu.“

Franziska Weisz selbst könnte sich gut vorstellen, eines Tages Mutter zu werden: „Ich habe mich schon dafür entschieden, nicht jetzt und auch nicht morgen, aber ich stehe dem Thema Kinder sehr positiv gegenüber. Natürlich bedeutet Mutterschaft enorme Opfer, man muss da sehr viel von sich geben. Natürlich ist man nie mehr richtig frei. Aber ich glaube, dass man so viel zurückbekommt, von diesem Menschen, den man da auf die Welt gebracht hat, dessen einzige Mutter man ist, so viel Liebe zurück bekommt wäre diese Liebe nicht so groß, ich glaube, dann wären wir Menschen schon längst ausgestorben.“

  „Ich will (k)ein Kind von dir" - Mehr Infos zu dem Film mit Franziska Weisz und Felix Klare gibt es hier.

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