StillenLangzeitstillen! Wie lange und öffentlich darf Stillen sein?

Erregung beim Stillen? Langzeitstillen wird sehr kontrovers diskutiert. Was davon zu halten ist, wenn Mütter ihr Kind über Jahre stillen, wie lange zu lange ist und was Mütter beachten sollten.

Inhalt
  1. Stillende Mütter faszinieren
  2. Stillselfies mit der Öffentlichkeit teilen?
  3. Heftige Krittik für Langzeit-Still-Mütter
  4. Wie lange Stillen ist gesund?
  5. Kritische Stimmen zum Langzeitstillen
  6. Erregung beim Stillen?
  7. ​Die Auswirkungen von Langzeitstillen sind ungewiss

 

Sein Baby zu stillen ist ein ganz natürlicher Vorgang. Und wir können der Natur dankbar sein, dass sie uns eine so praktische Möglichkeit gegeben hat, unsere Säuglinge und Kleinkinder zu nähren. Dabei geht es nicht nur um Ernähren im Sinne von Sattwerden und das Fördern einer guten Immunabwehr des Kindes. Frisch gebackene Mütter spüren intuitiv die Bedeutsamkeit des Stillens für eine Atmosphäre voller Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit und Liebe.

 

Stillende Mütter faszinieren

Natürlich sind viele wegen dieser nährenden Aura stillender Mütter immer wieder wie magisch von diesem Anblick angezogen. Von diesen ruhigen Momenten in denen sich eine Mutter ihrem Kind widmen kann um ihm ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Manchmal ein Gefühl wie in einer Blase, in die beide abtauchen, wo Mutter und Kind besonderen Schutz genießen. Wunderbar! Zwar nicht immer. Aber immer wieder gern.  

 

Stillselfies mit der Öffentlichkeit teilen?

Weil es so schön sein kann, wollen diesen Anblick viele Menschen mit anderen teilen. Nicht nur auf einem Foto zu Hause oder einem Mailanhang an den engsten Kreis. Stillselfies werden weltweit im Netz geteilt. Verknüpft werden die "Brelfies" mit allerlei Botschaften über Glück, Natürlichkeit und Mütterlichkeit.

„Muss das sein?“ fragen sich da viele zu Recht, die vor allem den Kindern auf diesen Bildern mehr Privatsphäre wünschen. Zusätzlich drängt sich einigen beim Anblick öffentlich geposteter Stillbilder und Videos im Netz dann noch der Gedanke auf, dass es nicht immer nur um das Teilen von Glück sondern vielmehr um die Hoffnung auf bewundernde Kommentare geht. Und von denen kann ja heute kaum einer mehr genug bekommen.

Die Mütter müssen es ja selber wissen. Wobei auch das oft anzuzweifeln ist. Kritisch zu sehen ist aber wirklich, dass diese Mütter nicht die Freigabe ihrer Babys für die Bilder haben und sich darüber offenbar wenig Gedanken machen. Was es eines Tages für die Kinder bedeutet, wenn die Mutter Stillbilder (nicht selten Nacktbilder der Kleinen) postet, kann heute schließlich kaum jemand absehen. Und so wird der Ruf vieler Menschen nach mehr Zurückhaltung in dieser Sache immer lauter.

 

Heftige Krittik für Langzeit-Still-Mütter

Es polarisieren aber nicht nur die Meinungen dazu, ob Frauen ihr Stillglück mit Bildern im Netz offenbaren dürfen. Wenigstens genauso scheiden sich die Geister, wenn es darum geht, wie lange ein Kind gestillt werden darf.

Wie „früh“ sich eine Frau für die Babyflasche entscheidet, ist dabei heute nicht mehr so sehr Stein des Anstoßes. Wir wissen schließlich heute, dass auch „Flaschenkinder“ sich zu gesunden kleinen Wonneproppen ohne Bindungsstörung wegen „zu früh“ abgebrochenen Stillens entwickeln können. Echte Aufreger scheinen dagegen für viele die Langzeit-Still-Mütter zu sein.

Heute schauen zwar wieder mehr Menschen auf die Naturvölker, bei denen langes Stillen durchaus normal ist. Forscher berichten, dass in manchen Stämmen eine Stilldauer von drei Jahren normal ist. Teilweise sogar noch einige Jahre länger. Westliche Frauen, die sich hieran ein Vorbild nehmen, müssen sich allerdings warm anziehen. Denn auf sie prasseln jede Menge Vorurteile und Anfeindungen.

 

Wie lange Stillen ist gesund?

Wenn es nämlich um die Frage geht, ob man sein Kind länger als ein oder gar zwei Jahre stillt, gehen die Meinungen weit auseinander und bei vielen gegen die Alarmglocken an: „Eine Dreijährige noch stillen? Da stimmt doch was nicht!“ sind wir schnell dabei, die betreffenden Mütter abzuwerten. „Das kann doch für das Kind nicht gut sein.“ Oder: Man will doch seinen Körper irgendwann mal wieder für sich allein haben. Alles nachvollziehbare Gedanken.

Aber wem steht es zu, darüber zu urteilen? Ist da vielleicht insgeheim auch etwas Neid im Spiel? Was die körperliche Gesundheit angeht spricht jedenfalls offenbar nichts dagegen, lange die Brust zur Verfügung zu stellen. Muttermilch bleibt gesund. Aber wie steht es zum Beispiel um die Psyche des Kindes, das im Extremfall auf einen Hocker klettert, Mamas Shirt hochhebt und sich die Brust schnappt? Finden wir das gesund fürs Kind? „Warum nicht! Ist doch sehr autonom wenn es beide wollen!“ Könnte man sagen. Aber es gibt auch andere Meinungen. Rausposaunte aber auch reflektierte. Kein Konsens in Sicht.

 

Kritische Stimmen zum Langzeitstillen

Psychologen und Therapeuten fragen sich natürlich, wie jahrelanges Stillen die Bindung und den Ablösungsprozess von Kind und Mutter beeinflusst. Wie lange stärkt es das Kind und seine Bindung zur Mutter und wann ist es zu viel des Guten? Da gibt es schon einige Aspekte, die nicht von der Hand zu weisen sind. 

Im ungünstigen Fall geht es zum Beispiel um ein oft unbewusstes, ungestilltes Bedürfnis nach Nähe und Intimität bei der stillenden Mutter. Diese verteidigt sich nicht selten mit der Erklärung: „Mein Kind will es ja selbst.“ Doch auch dies darf kritisch gesehen werden. Kinder tun nämlich sehr viel, um ihre Eltern glücklich zu machen. Warum nicht auch das, „damit Mama nicht traurig ist“!? Man könnte auch den Vorwurf erheben, dass eine Mutter das Kind durch das lange Stillen nicht aus der Babyphase entlassen will. Das alles und noch viel mehr ist möglich.

Aber wer will mit Sicherheit über eine andere Frau sagen, dass sie es übertreibt und das Kind für ihre Zwecke ausnutzt?  Selbst durch die Blume gesprochen wäre das ein heftiger Vorwurf. In ihm schwingt erschwerend mit, dass die Mutter es mit Absicht mache. Das geht doch irgendwie alles zu weit!

 

Erregung beim Stillen?

Doch damit noch nicht genug, was sich stillende Frauen anhören müssen. Denn richtig rund geht es bei öffentlichen Äußerungen über Gefühle der Erregung beim Stillen. Klar gibt es die. Denn das Stillen macht sich aus ganz sinnvollen Gründen auch im Unterleib bemerkbar. Es fördert den Abfluss des Wochenflusses und hilft der Gebärmutter bei der Rückbildung. Dabei kommt es zu Kontraktionen, die ausstrahlen können und nicht nur unangenehm sind.

Vielleicht empfinden es manche Frauen auch als anregend, wenn ein kleines Händchen an der Brust rumknibbelt, die in dieser Zeit super empfindlich ist. Warum soll es nicht auch für die Mutter körperlich schön sein, die Nähe zum Kind zu spüren? Das hat doch nicht gleich etwas mit sexueller Übergriffigkeit oder Perversion zu tun.

Wer hier mit dem Inzest-Vorwurf gegen lange stillende Mütter um die Ecke kommt, darf deshalb genauso zu Zurückhaltung aufgefordert werden wie die Mütter, die Nacktfotos ihrer Babys posten!

 

Die Auswirkungen von Langzeitstillen sind ungewiss

Es ist doch so: Keinem Menschen kann auf den Kopf zugesagt werden, dass er einen „Schaden“ hat oder bekommen wird, wenn seine Mutter ihn vier Jahre stillt. Aber es bleibt natürlich nicht ohne Bedeutung für einen einzelnen Menschen, wenn die nährende Brust in seiner Familie so lange eine wichtige Rolle spielt. Manch einer landet deswegen vielleicht eines Tages auf der Psycho-Couch. Andere finden es nachhaltig stärkend für sich und die Familie. Auch solche positiven Erfahrungen sind realistisch und wir dürfen diesen Umstand in die Reihe der möglichen Folgen langen Stillens mit Wohlwollen und Achtung vor anderen Lebensstilen aufnehmen.

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Autorin: Marthe Kniep

 

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