Studie zu Schwangerschaft

Neue Studie enthüllt: Schwangerschaft formt das Gehirn stärker als gedacht

Vergesslich, müde, unkonzentriert? Viele Schwangere kennen das Gefühl, plötzlich nicht mehr ganz „auf der Höhe“ zu sein. Was oft scherzhaft als „Schwangerschaftsdemenz“ bezeichnet wird, galt lange als übertrieben. Doch die Wissenschaft zeigt jetzt: Das Gehirn wird während der Schwangerschaft tatsächlich grundlegend umgebaut – und zwar messbar.

Schwangere Frau sitzt auf dem Sofa, hält sich mit der linken Hand den Bauch und stützt ihren Kopf in die rechte Hand. Sie sieht erschöpft aus
Dass man sich während der Schwangerschaft oft unkonzentriert oder vergesslich fühlt, ist ganz normal. Foto: iStock/damircudic
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Wie sich das Gehirn bei einer Schwangerschaft verändert

Forschende aus Spanien berichten im Fachjournal Nature Communications, dass das Volumen der grauen Substanz während der Schwangerschaft um bis zu 4,9 Prozent abnimmt. Betroffen sind 94 Prozent der gesamten grauen Substanz – besonders jene Bereiche, die für soziale Kognition, Empathie und emotionale Verarbeitung zuständig sind.

Untersucht wurden 179 Frauen, deren Gehirne vor der Schwangerschaft, während des zweiten und dritten Trimesters sowie nach der Geburt mittels MRT gescannt wurden. Zum Vergleich dienten nicht schwangere Frauen. Das Ergebnis: Das Gehirn wird nicht „schlechter“, sondern effizienter. Studienkoordinatorin Susana Carmona beschreibt es gegenüber The Independent so: „Es ist wie beim Beschneiden eines Baums – einige Äste werden abgeschnitten, damit er effizienter wachsen kann.“

Je stärker die Veränderungen während der Schwangerschaft waren, desto enger beschrieben die Mütter später die Bindung zu ihrem Baby. Nach der Geburt erholt sich das Gehirn teilweise wieder – die Forschenden sprechen von einem U-förmigen Verlauf.

Was passiert bei einer zweiten Schwangerschaft?

Die Studie hat zudem erstmals untersucht, wie sich eine zweite Schwangerschaft auf das Gehirn auswirkt. Das Ergebnis: Die zweite Schwangerschaft führt zu ähnlichen, aber weniger ausgeprägten Veränderungen in wichtigen Gehirnnetzwerken die unter anderem zuständig für Selbstwahrnehmung, soziale Prozesse, kognitive Kontrolle und Entscheidungsprozesse sind. Stärkere Veränderungen waren vor allem im dorsalen Aufmerksamkeitsnetzwerk, das, wie der Name schon sagt, für die Aufrechterhaltung und Stabilität der Aufmerksamkeit zuständig ist, zu finden. Es gab auch Veränderungen am somatomotorischen Netzwerk, dass unsere Bewegungen bewusst und willkürlich kontrolliert. An dem Tractus corticospinalis, der wichtig für die Bewegungssteuerung ist, wurden ebenfalls Veränderungen festgestellt.

Das deutet laut Studie darauf hin, dass diese Netzwerke bereits bei der ersten Schwangerschaft grundlegend angepasst werden und bei einer zweiten Schwangerschaft eher weiter verfeinert werden.

Zusammenhang mit Bindung und psychischer Gesundheit

In beiden Gruppen – Erst- und Zweitgebärende – standen die neurostrukturellen Veränderungen in engem Zusammenhang mit der Mutter-Kind-Bindung, sowie mit depressiven Symptomen kurz vor der Geburt oder beim Wochenbett. Das zeigt, dass die Veränderungen nicht nur biologische Anpassungen sind, sondern einen direkten Bezug zum emotionalen Erleben der Mutter haben.

Statt also von „Schwangerschaftsdemenz“ zu sprechen, zeigt sich hier vielmehr ein beeindruckender Anpassungsprozess: Das weibliche Gehirn reorganisiert sich, spezialisiert sich und entwickelt neue neuronale Feinabstimmungen – offenbar, um die Anforderungen von der Mutterschaft bestmöglich zu unterstützen.

Quellen