Neue Studie: Mehr Arbeit lohnt sich für Frauen finanziell kaum
Eine neue Studie zeigt, für viele Frauen lohnt es sich finanziell kaum, ihre Teilzeit weiter auszubauen.
Arbeitszeit aufstocken, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, diesen Plan verfolgen viele berufstätige Mütter, doch eine neue Studie liefert nun ein ernüchterndes Ergebnis: Für jede zweite verheiratete Frau im Alter von 45 bis 66 Jahren in Teilzeit lohnt es sich kaum, wieder mehr zu arbeiten. Doch warum ist das so?
Veraltetes Steuermodell bremst Frauen finanziell aus
Im Sommer 2025 wurden im Auftrag der Berstelsmann-Stiftung 3.877 Frauen im Alter zwischen 45 und 66 Jahren befragt, darunter waren 1.567 nicht erwerbstätige Personen. Von den 2.221 erwerbstätigen Frauen arbeiten 792 Befragte in Teilzeit mit weniger als 30 Stunden pro Woche. Doch immer mehr Frauen wollen ihre Arbeitszeit aufstocken, doch der finanzielle Anreiz fehlt. Gut die Hälfte der befragten Frauen sagte, eine Ausweitung der Arbeitszeit lohne sich für sie finanziell nicht.
Ein Grund sei laut der Studie das Ehegattensplitting. Bei diesem Steuermodell wird das Einkommen beider Eheleute zusammengerechnet und dann versteuert. Frauen verdienen häufig weniger, wenn sie dann ihre Arbeitszeit wieder aufstocken wollen, wird dieser zusätzliche Verdienst relativ hoch besteuert.
Steuerreform könnte viele Vollzeitstellen schaffen
„Wir brauchen eine Reform des Ehegattensplittings“, betont Arbeitsmarktexperte Eric Thode. Ein verfassungskonformer Vorschlag liegt laut Thode schon lange auf dem Tisch: „ An die Stelle des Ehegattensplittings sollte das Realsplitting treten. Damit wäre ein übertragbarer Grundfreibetrag analog zum aktuellen Unterhaltsrecht gewährleistet. Das würde die hohe Steuerbelastung von zusätzlichem Arbeitseinkommen reduzieren und die Aufnahme bzw. Ausweitung einer Beschäftigung attraktiver machen.“ Im Falle einer Steuerreform des Ehegattensplittings könnte laut der Studie allein in der Altersgruppe 45 bis 66 Jahre unterm Strich rund 175.000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzt werden.
Doch dafür müssten aber auch die Vorrausetzungen geschaffen werden - am Arbeitsplatz und zu Hause. „Mehr Netto vom Brutto, eine gleichmäßige Aufteilung der Sorgearbeit und gute Arbeitsbedingungen - das sind Treiber in Richtung Vollzeiterwerbstätigkeit“, betont Michaela Hermann von der Bertelsmann-Stiftung.







