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Immer mehr Nackt-Deepfakes von Kindern: Wie Eltern sich wehren können

Nackt-Deepfakes verbreiten sich rasant - leider auch immer häufiger von Kindern. Das können Eltern tun.

Symbolbild Deepfakes von Kindern: Mädchen sitzt im Dunkeln alleine vor dem Laptop
Foto: iStock/ Halfpoint
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Es ist leider so einfach: Ein Klick und aus einem unschuldigen Urlaubsschnappschuss wird ein täuschend echtes Nacktbild. KI generierte Nackt-Deepfakes verbreiten sich rasant und immer öfter sind auch Kinder betroffen. Eine neue Studie von UNICEF, ECPAT International und Interpol zeigt das ganze Ausmaß: Allein im vergangenen Jahr wurden mindestens 1,2 Millionen Bilder von Kindern zu sexuell eindeutigen Deepfakes manipuliert. In einigen Ländern ist eines von 25 Kindern betroffen. Wir verraten dir, was du in solchen Fällen tun kannst und was auf gar keinen Fall.

Nudify-Apps sind frei verfügbar & machen die Manipulation so leicht

Die meisten Apps, mit denen sich Deepfakes erstellen lassen, sind kostenlos im Google Play Store und im Apple Store erhältlich. Getarnt sind sie überwiegend als harmlose KI-Tools. Weltweit sollen entsprechende Apps bereits über 705 Millionen Mal heruntergeladen worden sein. Und nicht nur UNICEF warnt in seiner aktuellen Studie, auch die Internet Watch Foundation gibt an, dass es allein im ersten Halbjahr 2025 einen Anstieg von rund 400 Prozent bei Deepfakes mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder gab. Die Dunkelziffer soll laut Experten deutlich höher sein.

Was sind Deepfakes oder Deepnudes?

Deepfakes sind täuschend echte KI-generierte Bilder, Audio- oder Videoinhalte. Bei diesen Inhalten werden zum Beispiel Stimmen und Gesichter manipuliert. Mittels künstlicher neuronaler Netze können große Datenmengen maschinell strukturiert, analysiert und eingeordnet werden. Auf Basis dieser Informationen kann eine KI Entscheidungen und Prognosen treffen. Anhand dieser Deepfakes können zum Beispiel Bilder oder Videos erstellt werden, in denen Handlungen und Aussagen gezielt manipuliert werden.

Neben dem Face-Swapping zählen auch Manipulation von Bewegung und Mimik einer Person (Face Reenactment) und die Erzeugung künstlicher Personen aus vorhandenen Bildern zu den Deepfakes. Genau wie Bild- und Videomaterial können auch Stimmen gefälscht werden. Texte und Audioinhalte werden in Audiosignale umgewandelt und Stimme und Sprechweise wird der Zielperson nachempfunden. Als Trainingsgrundlage sind derzeit noch große Mengen an Audiomaterial der Zielperson nötig. Die Qualität der Deepfakes schwankt derzeit noch stark, wird aber immer realistischer.

Wie Eltern ihre Kinder vor Deepfakes schützen können

Solange die entsprechenden Apps frei zugänglich sind, kann es leider jedes Kind treffen. Bilder von euren Kindern sollten also nicht auf öffentlich einsehbaren Social-Media-Profilen gepostet werden. Auch Status- und Profilbilder können als Vorlage dienen, auch in Chat-Plattformen wie WhatsApp. Gleiches gilt auch für das Versenden von Bildern über WhatsApp und Co. Hat euer Kind bereits selbst einen Account, unbedingt die Privatsphäre-Einstellung prüfen. Sollte es trotzdem zu einem Vorfall von Deepfakes kommen, gibt es ein paar Dinge zu beachten:

Schritt 1: Ruhe bewahren & nicht überstürzt handeln

Wichtig ist zunächst, Beweise zu sichern: Screenshots, Profilnamen, URLs, Zeitangaben oder Chatverläufe dokumentieren. Diese Belege können entscheidend sein, um Bilder entfernen zu lassen oder auch weitere rechtliche Schritte zu prüfen. Achtung: Wichtig ist, dass ihr keine Screenshots von dem Nacktbild selbst anfertigt, sondern nur von dem Drumherum sprich URL, Kommentare etc. Michaela Landgraf, Fachanwältin für Strafrecht beim Bayerischen Anwaltsverband stellt klar: Die Herstellung, Besitz und Weiterleitung von "kinderpornografischem Inhalt" ist strafbar. Auch bei KI-generierten Inhalten und auch zu Beweiszwecken. Stattdessen sollten Eltern den Link zum Beitrag bei Meldeportalen wie soundswrong.de melden oder mit entsprechenden Fotos einem Gruppenchat direkt zur Polizei gehen.

Schritt 2: Inhalte melden & Portale in die Verantwortung nehmen

Die meisten großen Anbieter haben Meldewege für nicht einvernehmliche sexualisierte Inhalten und Darstellungen von Minderjährigen. Wichtig ist, dass ihr die Verstöße dort meldet, wo sie verbreitet werden. Zusätzlich könnt ihr die Deepfakes bei jugendschutz.net melden - das geht auch anonym. Dort werden Verstöße geprüft und ggf. an Plattformen und Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.

Schritt 3: Soll ich Anzeige erstatten ja oder nein?

Sexualisierte KI-Deepfakes von Kindern sind im juristischen Sinne strafbar. Rechtsanwalt Daniel Kötz betont: „Entscheidend ist nicht, ob ein Bild echt ist oder von einer KI erzeugt wurde, sondern wie realistisch es wirkt und wie es verbreitet wird.“ Realistisch wirkende Darstellungen können unter Tatbestände der Kinder- und Jugendpornografie fallen. Das Speichern oder Weiterleiten dieser Inhalte ist ebenfalls strafbar. Lea Peters von ECPAT Deutschland e.V. (Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung) rät trotzdem dazu, sich vor einer Anzeige entsprechend von Experten beraten zu lassen und zu klären, welche Schritte für das betroffene Kinder sinnvoll sind. Plattformen wie juuuport oder Nummer gegen Kummer beraten kostenlos und anonym.

Schritt 4: Technische Hilfsangebote wie "Take It Down" nutzen

Anbieter wie Take It Down können helfen, die weitere Verbreitung von Deepfakes einzudämmen. Dabei werden gemeldete Bilder oder Videos von Personen unter 18 Jahren in einen digitalen Fingerabdruck (Hash) verwandelt. Online-Plattformen können dann diese Hash-Werte einsetzen, um entsprechende Bilder oder Video über ihre Dienste zu ermitteln und die betreffenden Inhalte zu löschen. Wichtig: Das Ganze erfolgt, ohne dass die jeweiligen Bilder oder Videos von deinem Gerät heruntergeladen oder jemand anderes angesehen werden. Nur der Hash-Wert wird übermittelt. Eine Garantie, dass Inhalte vollständig aus dem Netz verschwinden, gebe es laut Lea Peters leider nicht.

Schritt 5: Aufklärung ohne Schuldzuweisung

Deepnudes oder Deepfakes entstehen meist aus harmlosen Alltagsbildern oder auf Basis von Beschreibungen und meist ohne das bewusste Zutun eines Kindes oder eines Jugendlichen. Wichtig ist daher, dem betroffenen Kind ganz klar zu vermitteln: „Du hast nichts falsch gemacht!“ Fachleute sprechen ganz klar von digitaler, sexualisierter Gewalt und daher liegt die Verantwortung bei den Täterinnen und Tätern.

Schutzlücken für Deepfakes: Recht hinkt der technischen Entwicklung hinterher

Zwar erfüllen sexualisierte KI-Deepfakes von Kindern Strafbestände, das Recht hinkt der technischen Entwicklung jedoch hinterher. Derzeit zielt das Strafrecht vor allem auf reale Missbrauchsdarstellungen und nicht auf Deepfakes ab. Ein ausdrückliches Verbot für KI-erzeugte Nacktbilder gibt es noch nicht. Justizministerin Stefanie Hubig kündigte aber bereits eine rechtliche Nachschärfung an, damit Betroffene von sexualisierten Deepfakes in Zukunft besser geschützt werden können.

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