Pro & ContraOrganspendeausweis: Was du über eine Organspende wissen solltest

Die Zahl der Organspender in Deutschland hat ein historisches Tief erreicht. Hilfsorganisationen beklagen die Situation. Doch welche Vor- und Nachteile hat eine Spende?

Inhalt
  1. Warum so wenig Deutsche einen Organspendeausweis haben
  2. Pro und Contra für eine Organspende
  3. Die wichtigsten Fragen zur Organspende und dem Organspendeausweis
  4. Ab wann bekommt man einen Organspendeausweis?
  5. Welche Organe und Gewebe können gespendet und transplantiert werden?
  6. Was kann ich in dem Organspendeausweis ankreuzen?
  7. Wo bekomme ich einen Organspendeausweis?
  8. Wie läuft eine Organspende ab?

 

In Deutschland darf jeder frei entscheiden, die eigenen Organe nach dem Tod zu spenden. Dazu erklären sich immer weniger Bürger bereit: Während 2016 die Zahl der Organspender noch 857 betrug, hat sie letztes Jahr erneut ein historisches Tief erreicht. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation gab jetzt bekannt, dass 2017 nur noch 797 Menschen als Organspender (ohne Lebendspender) registriert waren. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von 769 und bezieht sich auf den Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant. Demzufolge lag die Zahl der Spender, denen Organe entnommen wurden, bei 9,3 pro eine Million Einwohner. Als kritische Grenze für ein ernst zu nehmendes Organspendesystem gelten 10 Einwohner pro eine Millionen. 

Damit zählt Deutschland zu den Ländern mit den wenigsten Organspendern. Dabei warten hierzulande 10.000 Patienten auf eine Transplantation. Die Situation sei "zutiefst besorgniserregend", sagte Axel Rahmel, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Die Zahl der Spender nehme jedes Jahr ab, sodass immer weniger Patienten geholfen werden könne.
Im Ausland ist die Bereitschaft für eine Organspende 2017 höher gewesen, vor allem Spanien ist Spitzenreiter mit 46,9 Spendern pro Million Einwohner. Davon profitiert Deutschland: 200 zusätzliche Organe aus fünf europäischen Ländern, darunter Belgien und Kroatien, gelangen über den Eurotransplant-Verbund an deutsche Kliniken. 

 

Warum so wenig Deutsche einen Organspendeausweis haben

Die eigenen Organe nach dem Tod zum Spenden zur Verfügung zu stellen, ist etwas sehr persönliches. Zudem bedeutet das eine Auseinandersetzung mit dem Tod, die sicher nicht einfach ist - beides mögliche Gründe für die niedrige Zahl an Spendern. Auch der Organspendeskandal 2013, bei dem Ärzte am Universitätsklinikum Göttingen und andere Kliniken diverse Patientenakten gefälscht hatten, damit diese schneller an ein Spendeorgan kamen, führte zu weniger Spendern. In einem Bericht von 2017 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben jedoch trotz des Skandals 81 Prozent der Deutschen an, eine Organspende zu befürworten. Die Spender waren in diesem Fall ja auch nicht betroffen, sondern die Empfänger, die kränker gemacht wurden, als sie sind. 

Woran liegt es also, dass so wenig Menschen spenden? Vermutlich ist es eine Mischung aus Unwissenheit und der Intransparenz des Systems. Was viele Deutsche auch nicht wissen: Nur, weil man einen Organspendeausweis in der Tasche hat, heißt das nicht automatisch, dass man nach dem Tod auch zum Spender wird. Denn auf dem kleinen Kärtchen kann man auch NEIN ankreuzen, was eine Hilfe für die Angehörigen darstellt. Denn in Deutschland müssen in neun von zehn Fällen Angehörige über ein „Ja" oder „Nein" entscheiden - und wer möchte das schon in so einer Ausnahmesituation. Ein Organspendeausweis schafft Klarheit für die Angehörigen. Mehr dazu findest du weiter unten.

 

Pro und Contra für eine Organspende

Ja oder Nein - Leben retten oder nicht? Das ist eine sehr schwere Entscheidung. Auf der einen Seite würden wir wohl instinktiv sofort JA schreien, im nächsten Augenblick aber Zweifel bekommen. Völlig verständlich angesichts dieses prekären Themas. Vielleicht hilft dir diese Pro- und Contraliste:

Für eine Organspende spricht...

  • Leben zu retten. Mit einem oder mehreren Organen können gleich mehrere Menschen vor dem Tod bewahrt werden.
  • Wir merken es nicht. Klingt vielleicht banal, aber wir sind ja nicht mehr da.
  • Das wunderbare Gefühl, über den Tod hinaus etwas Gutes zu tun. 

Gegen eine Organspende spricht...

  • Wir wissen nicht, an wen die Organe gespendet werden, also in welches Land oder wer die Person ist, der wir möglicherweise das Leben retten. 
  • Laut des Vereins KAO, den Eltern gegründet haben, die die Organe ihrer Kinder freigegeben hatten und dies im Nachheinein bereuen, sei eine würdevolle Verabschiedung kaum möglich.
  • In Deutschland dürfen erst Organe entnommen werden, wenn der Hirntod festgestellt wurde. Doch ein Kritikpunkt von Gegner ist oft: Wie tot sind Hirntote? Für die Deutsche Stiftung Organtransplantation ist klar: „Das Gehirn ist übergeordnetes Steuerorgan aller elementaren Lebensvorgänge. Mit seinem Tod ist auch der Mensch in seiner Ganzheit gestorben.“ Der Kardiologe Paolo Bavastro sieht das anders: "Menschen im Hirnversagen sind schwerstkranke, sterbende Menschen, aber noch keine Toten. Sonst könnten wir auch keine lebensfähigen Organe aus einem toten Menschen entnehmen. Wir brauchen lebendige Organe aus einem noch lebenden Organismus." Letztendlich muss jeder für sich selber entscheiden, ob dies ein möglicher Contrapunkt darstellt oder nicht - geklärt ist die Definiton des Begriffs Hirntod nicht. 

Deine Entscheidung hängt auch von deiner religiösen und ethischen Einstellung ab. Laut Islam und dem Christentum ist eine Organspende mit dem jeweiligen Glauben vereinbar und gilt als Akt der Nächstenliebe. Wir ordnen diesen Punkt weder Pro noch Contra zu. 

 

Die wichtigsten Fragen zur Organspende und dem Organspendeausweis

Wenn du noch nicht sicher bist, helfen vielleicht diese Antworten zu den wichtigsten Fragen:

 

Ab wann bekommt man einen Organspendeausweis?

Das Transplantationsgesetz erlaubt eine Organspende ab 16 Jahren, Widersprechen kann man bereits am dem 14. Lebensjahr. Eine Altersgrenze gibt es nicht, entscheidend ist der Zustand der Organe.

 

Welche Organe und Gewebe können gespendet und transplantiert werden?

Es können Nieren, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm übertragen werden. Bei den Geweben sind es Augenhornhaut, Knochen, Weichteilgewebe, Haut, Eihaut der Fruchtblase sowie Herzklappen und Blutgefäße. 

 

Was kann ich in dem Organspendeausweis ankreuzen?

Du hast verschiedene Optionen. Und kannst dein Einverständnis

  • ... für eine Organ- und Gewebespende generell erteilen 
  • ... für eine Organ- und Gewebespende auf bestimmte Organe oder Gewebe beschränken
  • ... bestimmte Organe von deinem Einverständnis zur Organ- und Gewebespende ausnehmen
  • ... einer Organ- und Gewebespende widersprechen
  • ... oder die Entscheidung einer Person überlassen, deren Namen du einträgst. Diese Person sollte darüber in Kenntnis gesetzt werden. 
 

Wo bekomme ich einen Organspendeausweis?

Du kannst ihn hier entweder ausfüllen und ausdrucken oder hier bestellen und zu Hause ausfüllen. Bewahre den Ausweis am besten in deinem Portemonnaie auf. 

 

Wie läuft eine Organspende ab?

Eine Organspende erfolgt in sechs Schritten:

1. Der Hirntod wird festgestellt. 

2. Die Ärzte klären, ob die Organe, die entwendet werden dürfen, gesund sind. 

3. Das Krankenhaus informiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die den Spender bei Eurotransplant meldet. Durch diese gemeinnützige Stiftung werden zentral Organe aus Luxemburg, Belgien, Deutschland, Holland, Österreich, Slowenien und Kroatien vermittelt. 

4. Durch eine Liste wird geprüft, welcher Empfänger passen könnte. 

5. Steht der Empfänger fest, werden die Organe in einer Operation entnommen. Erst dann wird der Leichnam zur Beerdigung freigegeben. 

6. Das Organ wird schnellstmöglich zum Empfänger transportiert und transplantiert. 

Mehr Fragen und Antworten zu Thema Organspendeausweis findest du hier.

FAZIT: Ein Organspendeausweis und damit die Entscheidung, Organe zu spenden ist zwar keine Pflicht, aber es ist sinnvoll sich mit diesem Thema zu beschäftigen und einen Ausweis bei sich zu tragen, damit Angehörige nicht vor eine schwere Entscheidung gestellt werden. 

Text: Bonnie Stenken

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