Kinderwunsch

Schwanger über 40: Spätes Baby-Glück

Schwanger über 40: Immer mehr Frauen bekommen ihr erstes Kind mit über 40. Viele Frauen entscheiden sich heute bewusst für ein spätes Baby-Glück und stehen dazu.

Erst spät Mutter zu werden, kann viele Vorteile haben. Dennoch ist eine späte Schwangerschaft riskant.
Erst spät Mutter zu werden, kann viele Vorteile haben. Dennoch ist eine späte Schwangerschaft riskant. Foto: iStock
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Späte Schwangerschaft: So schön kann sie sein

Fakt ist: Frauen werden heute immer später MütterLaut Statistischem Landesamt sind bei uns 20 Prozent der Frauen 35 Jahre und älter, wenn sie ihr erstes Baby bekommen. 3,5 Prozent sogar schon über 40.

"Die Gründe für den Trend zum späten Mutterglück liegen vor allem in veränderten Lebenswegen", sagt die Hamburger Psychologin AnnikaLohstroh (47). "Heute wollen Frauen erst ihre Ausbildung beenden und Berufserfahrung sammeln. Häufig fehlt dann anschließend der richtige Partner. Oder sie möchten erst noch ihr Leben genießen, ausgehen und die erträumte Weltreise machen."

Kurz: Der Zeitpunkt für eine Schwangerschaft scheint immer gerade ungünstig zu sein. Und ehe sich diese Frauen versehen, stoßen sie mit Freundinnen auf ihren 40. Geburtstag an."

Viele von ihnen hören dann ihre biologische Uhr ticken und stehen vor der Entscheidung: jetzt oder nie. Die Angst wächst, dass es vielleicht gar nicht mehr klappt. Und tatsächlich, mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, ein Kind zu bekommen. Die Fruchtbarkeit der Eizellen sinkt ab dem 35. Lebensjahr rapide. Statistisch gesehen muss eine 20-Jährige, die schwanger werden will, im Durchschnitt fünf Menstruationszyklen probieren - eine 40-Jährige braucht bereits 20 Zyklen. Und: Nur zehn Prozent aller über 40-Jährigen können überhaupt noch auf natürlichem Weg schwanger werden. Nicht ohne Grund boomt also der Markt medizinischer Verfahren, die sich auf Hormontherapien und künstliche Befruchtung spezialisiert haben.

Hallo, Wunschkind! Die Freude ist überwältigend

Doch egal, wie Frau am Ende schwanger wird: Wenn eines Tages der kleine blaue Strich auf dem Schwangerschaftstest erscheint, ist die Freude einfach überwältigend.

"Viele ältere Frauen erleben die Schwangerschaft als großes Geschenk, das ihnen ihr Körper macht. Ihr Kind ist ein absolutes Wunschkind", weiß AnnikaLohstroh. "Und die späte Mutterschaft hat ja auch viele Vorteile. Frauen über 40 sind häufig zufriedener, gelassener und fürsorglicher als jüngere. Sie haben viel erreicht, sind meist finanziell abgesichert und haben nicht mehr das Gefühl, für das Kind auf etwas verzichten zu müssen."

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Risiken einer späten Schwangerschaft

Manchmal neigen ältere Mütter allerdings zur "Overprotection", also zur Überbehütung. Vor allem, wenn das lang ersehnte Kind zum Mittelpunkt des Lebens gemacht wird, kann das auch zu viel des Guten sein. Denn es ist wichtig, dass Kinder an Grenzen stoßen, Konflikte auszutragen lernen und sich auch mal wehtun dürfen ...Bevor sie mit über 40 Mutter werden, fragen sich viele Frauen, ob das medizinisch überhaupt ratsam ist.

Schließlich spricht man schon ab 35 von "Risikoschwangerschaft". "Das klingt zunächst schlimmer, als es ist", sagt Dr. Bettina Ruschemeier (45), Frauenärztin aus Hannover. "Wenn die Frau gesund ist, treten Komplikationen mit über 35 nicht häufiger auf als mit 25. Zwar entwickeln Ältere öfter Schwangerschaftsdiabetes und leiden vermehrt unter Bluthochdruck. Dafür gehen sie aber entspannter mit Übelkeit, Sodbrennen und Heißhungerattacken um.

"Was allerdings Tatsache ist: Fast die Hälfte der Schwangerschaften bei Frauen um die 40 enden innerhalb der ersten 12 Wochen mit einer Fehlgeburt. Und dieWahrscheinlichkeit, ein behindertes Kind zu bekommen, steigt ab 35 Jahren an. "Aus diesem Grund wird älteren Schwangeren zu einer genetischen Untersuchung des Fruchtwassers geraten", erklärt Dr. Bettina Ruschemeier. "Fällt das Ergebnis gut aus, können diese Frauen ihre Schwangerschaft ganz bewusst und vor allem entspannt genießen.

"Was bleibt, ist der Altersunterschied. Wenn das Kind in die Schule kommt, ist die Mutter fast 50. Wenn es in der Pubertät ist, an die 60. "Vor einigen Jahren wurden späte Mütter noch schief angesehen und schon mal für die Oma gehalten", sagt AnnikaLohstroh. "Doch heute ist das anders. Das kalendarische Alter spielt kaum noch eine Rolle. Wichtiger ist, dass die Eltern mit ihren Kindern jung bleiben. Sich informieren, welche Musik, Mode oder Jugendthemen gerade angesagt sind. So lässt sich der Altersunterschied gut überbrücken. Außerdem lieben Kinder ihre Mütter einfach - egal, wie alt sie sind."

Dass Eltern von Kindern während der Pubertät oft als peinlich empfunden werden, ist ganz normal und gehört zum Abnabelungsprozess - das trifft junge wie ältere gleichermaßen.

Im Prinzip spricht heute nichts gegen ein Kind mit 40. Denn: Noch nie waren Frauen in diesem Alter so attraktiv, jugendlich und lebensfroh wie heute. "Und wenn sie dann noch einen Partner haben, der genauso fit ist, steht dem späten Familienglück nichts mehr im Weg", so die Psychologin.

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