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Erotische Liebesgeschichte

Vielleicht warst du es die ganze Zeit

Susie kannte Paul in- und auswendig, bis sie ihn plötzlich mit ganz anderen Augen sah...

Verliebtes Paar teilt einen zärtlichen Moment.Auf Pinterest merken
Foto: Scandistock / iStock

Susie wusste, dass Paul log.

Sie wusste es an der Art, wie er den Mund verzog, wenn er versuchte, ernst zu bleiben. An der kleinen Falte zwischen seinen Augenbrauen. Und daran, dass er grundsätzlich „alles gut“ sagte, wenn absolut nichts gut war.

„Du bist fertig“, stellte sie fest.

Paul saß auf ihrer Küchenarbeitsplatte und hielt eine Tasse Kaffee in beiden Händen.

„Ich bin entspannt.“

„Du hast gestern Nacht um halb drei eine Sprachnachricht geschickt, in der du zehn Minuten lang über einen Kunden geschimpft hast.“

„Das war eine sehr differenzierte berufliche Analyse.“

„Du hast ‚dieser Vollidiot‘ elfmal gesagt.“

„Differenziert.“

Susie grinste.

Seit sieben Jahren war das so.

Paul tauchte unangemeldet bei ihr auf. Susie klaute ihm Pommes vom Teller. Er wusste, wann sie Ruhe brauchte, ohne dass sie es sagen musste. Sie wusste, wann er eine Umarmung wollte, obwohl er behauptete, Umarmungen seien „nicht sein Ding“.

Sie hatten sich durch Trennungen geschleppt, Geburtstage gefeiert, Silvester auf Sofas verschlafen und einmal gemeinsam einen zweiwöchigen Roadtrip gemacht, bei dem sie sich nach dem dritten Tag beinahe getrennt hatten, obwohl sie gar kein Paar gewesen waren.

Sie waren beste Freunde.

Und genau deshalb war Susie überzeugt, dass sie Paul niemals begehren würde.

Das Problem war nur: Diese Überzeugung begann gerade verdammt brüchig zu werden.

Der Mann, den sie plötzlich anders sah

Es begann an einem Freitagabend.

Gemeinsame Freunde hatten eine Grillparty veranstaltet. Musik lief, jemand hatte zu viel Wein gekauft, und Paul stand am anderen Ende des Gartens mit einer Schüssel Salat in der Hand.

Nichts Besonderes.

Bis er lachte.

Susie blieb mitten im Gespräch stehen.

Er trug ein schlichtes schwarzes T-Shirt, die Ärmel hochgekrempelt. Seine Haare waren vom Wind zerzaust. Er diskutierte mit einer Freundin darüber, ob man Maiskolben tatsächlich auf dem Grill verbrennen müsse, um sie „richtig“ zuzubereiten.

Dann sah er zu Susie.

Nur kurz.

Doch irgendetwas in ihrem Bauch zog sich zusammen.

Nicht neu.

Nur plötzlich laut.

„Du starrst“, murmelte ihre Freundin neben ihr.

„Tue ich nicht.“

„Doch.“

Susie nahm einen Schluck Wein.

„Das ist Paul.“

„Ich weiß.“

„Paul.“

„Ja, Susie. Du hast ihn gerade zweimal beim Namen genannt.“

Sie verdrehte die Augen.

Später saßen sie auf einer niedrigen Mauer am Rand des Gartens. Paul reichte ihr wortlos seine Jacke, weil es kühler geworden war.

„Danke.“

„Du frierst immer zuerst.“

„Woher weißt du das eigentlich noch?“

Er sah sie an, als wäre die Frage absurd.

„Weil ich dich kenne.“

Dieser Satz hätte nichts bedeuten sollen.

Tat er aber.

Susie zog die Jacke enger um sich.

Sie kannte Paul.

Sehr gut sogar.

Vielleicht zu gut.

Und plötzlich fragte sie sich, warum sie nie bemerkt hatte, wie schön seine Hände waren.

Das war der Moment, in dem sie wusste, dass sie ein Problem hatte.

Wenn Vertrautheit plötzlich knistert

In den nächsten Wochen versuchte Susie, sich normal zu verhalten.

Das funktionierte ungefähr drei Tage.

Dann begann sie, über jeden Körperkontakt nachzudenken.

Wenn Paul ihr beim Überqueren einer Straße die Hand auf den Rücken legte.

Wenn er sich auf ihrem Sofa neben sie fallen ließ und ihre Knie sich berührten.

Wenn sie zusammen kochten und er hinter ihr nach dem Salz griff, während sein Arm kurz ihre Schulter streifte.

Alles war plötzlich anders.

Oder vielleicht war nur sie anders.

Paul bemerkte es irgendwann.

Natürlich bemerkte er es.

„Warum weichst du mir aus?“

Sie stand vor seinem Kühlschrank und tat so, als wäre dessen Inhalt hochinteressant.

„Ich weiche dir nicht aus.“

„Du bist seit zehn Minuten damit beschäftigt, meinen Kühlschrank anzusehen.“

„Ich überlege, ob dein Senf abgelaufen ist.“

„Susie.“

Sie schloss die Kühlschranktür.

Er stand direkt hinter ihr.

Zu nah.

Ihr Herz machte einen Satz.

Paul wurde still.

„Was ist los?“

Sie wollte einen Witz machen. Das war normalerweise ihre Strategie.

Doch diesmal kam keiner.

„Ich weiß es nicht.“

Sein Blick wanderte über ihr Gesicht.

„Das glaube ich dir nicht.“

Sie atmete langsam aus.

„Manchmal sehe ich dich an und denke plötzlich Dinge, die ich nicht denken sollte.“

Er sagte nichts.

Das Schweigen zwischen ihnen fühlte sich plötzlich viel intimer an als jede Berührung.

„Was für Dinge?“, fragte er schließlich.

Susie schluckte.

„Paul …“

„Schon gut.“

Doch er lächelte nicht.

Und dann verstand sie.

Er hatte Angst.

Nicht vor ihr.

Vor dem, was zwischen ihnen passieren könnte.

Der Kuss, der sieben Jahre gebraucht hatte

Zwei Tage später regnete es.

Susie saß bei Paul auf dem Sofa, die Beine untergeschlagen, während draußen Wasser gegen die Fensterscheiben prasselte.

Sie hatten einen Film laufen.

Keiner sah hin.

„Weißt du noch“, sagte Paul, „wie du vor fünf Jahren behauptet hast, du würdest niemals mit einem Mann zusammen sein wollen, der morgens singt?“

Susie lächelte.

„Du singst furchtbar.“

„Das war nicht die Frage.“

„Du singst wirklich furchtbar.“

Er lachte.

Dann wurde es still.

Susie sah ihn an.

„Warum hast du eigentlich nie etwas gesagt?“

Sein Lächeln verschwand.

„Wozu?“

„Dass du …“

Sie brachte den Satz nicht zu Ende.

Paul sah auf seine Hände.

„Weil du mir zu wichtig warst.“

Ihr Herz zog sich zusammen.

„Und wenn ich dir sage, dass genau das mein Problem ist?“

Er hob den Kopf.

Für einen Moment war keiner von beiden sicher, was jetzt passieren würde.

Dann rückte Paul ein kleines Stück näher.

„Darf ich?“

Susie nickte.

Der Kuss war vorsichtig.

Fast lächerlich vorsichtig für zwei Menschen, die einander seit sieben Jahren kannten.

Dann legte sie ihre Hand an seinen Nacken.

Und plötzlich war nichts mehr vorsichtig.

All die vertrauten Berührungen der vergangenen Jahre bekamen eine neue Bedeutung. Seine Hand an ihrer Taille fühlte sich anders an. Ihr Körper reagierte anders auf seine Nähe. Selbst sein vertrautes Lachen klang plötzlich gefährlich attraktiv.

Sie lösten sich voneinander.

„Das ist eine richtig schlechte Idee“, flüsterte Susie.

Paul lächelte.

„Vermutlich.“

Sie küsste ihn wieder.

„Dann sollten wir wenigstens konsequent sein.“

Er lachte gegen ihre Lippen.

Die nächsten Stunden gehörten nur ihnen.

Sie küssten sich, hielten inne, sahen einander an und mussten zwischendurch lachen, weil es absurd war, dass sie sieben Jahre gebraucht hatten, um dort anzukommen.

Paul strich ihr sanft über die Wange.

„Sag mir, wenn dir irgendetwas zu viel ist.“

„Mach ich.“

Sie zog ihn näher.

Die Vertrautheit zwischen ihnen machte jede neue Berührung zugleich aufregend und beruhigend. Es gab kein vorsichtiges Kennenlernen mehr. Sie kannten die kleinen Eigenheiten des anderen bereits. Jetzt lernten sie nur eine neue Sprache dafür.

Seine Lippen fanden ihren Hals. Ihre Finger glitten durch sein Haar. Er hielt inne, als wollte er ihr die Entscheidung überlassen.

Sie beantwortete die Frage mit einem Kuss.

Paul stand dicht vor Susie, seine Hände lagen sanft aber bestimmend an ihren Hüften. Behutsam strich er mit den Fingerspitzen über den Saum ihres Oberteils, spürte die Wärme ihrer Haut darunter, ehe er langsam über ihre Schultern glitt und die feinen Träger vorsichtig von ihren Armen löste. Mit zärtlicher Geduld führte er das Kleid Stück für Stück nach unten, als wolle er jeden Moment des Entkleidens zu einem kleinen, kostbaren Ritual machen.

Seine Blicke verweilten bei jedem Zentimeter freigegebener Haut, während seine Fingerspitzen sachte entlang ihres Rückens fuhren, leicht prickelnd wie ein Hauch von Seide. Susie schloss die Augen, atmete tiefer, als Paul ihre Taille umfing und sie ein Stück näher zog, sodass ihre Körper sich warm und vertraut aneinanderlegten. Jeder kleine Kontakt schickte Wellen von Verlangen durch sie, und trotzdem lag darin eine zärtliche Ruhe, als wollten beide die Zeit anhalten und dieses langsame Entdecken bewusst genießen.

Paul senkte den Kopf, seine Lippen ruhten sanft auf Susies Hals, hinterließen leichte Küsse, während seine Hände weiter die Konturen ihres Körpers erkundeten – mit aufmerksamer Hingabe für jedes Stück Haut, das er berührte. Die Luft um sie war schwer von gespannter Erwartung und süßer Verlockung, jeder Atemzug verband sie noch ein bisschen mehr.

Die Sekunden verstrichen und Susies Herzschlag beschleunigte sich, als Pauls kosende Finger immer tiefer und tiefer glitten bis er ihre empfindsamste Stelle fand. Als sie stöhnend zum ersten Höhepunkt kam, zog Paul sie ins Schlafzimmer und aufs Bett. Bewundernd ließ sie ihre Augen und ihre Hände über seinen nackten Körper wandern, streichelte jede Körperstelle. So aufgepeitscht vor Lust hielt er es keine Sekunde länger aus nicht in ihr zu sein. Er glaubte, nichts hat ihn je mehr Überwindung gekostet als sich in diesem Moment kurz von ihr loszulösen, um ein Kondom aus dem Nachttisch zu hervorzuholen. Einen Augenschlag später spreizte er ihre weichen Schenkel und drang tief in sie ein. Das Gefühl überwältigte Susie als sie Paul ganz spürte. Er kippte mit der Hüfte noch ein Stück vor, um tiefer vorzudringen, und stützte sich dann über ihr auf, ehe er begann sich zu bewegen. Dann packte er ihre beiden Handgelenke und zog ihre Hände über ihren Kopf, seinen Blick tief in ihre Augen gerichtet, schob er seine andere Hand zwischen ihre Körper und massierte, drückte und streichelte. Ihr Orgasmus war eine Explosion und als er kam, spürte sie wie sein Körper bebte.

Als sie irgendwann erschöpft nebeneinander lagen, starrte Susie an die Decke.

„Wir haben gerade unsere Freundschaft zerstört.“

Paul drehte den Kopf zu ihr.

„Oder verbessert.“

Sie lachte.

„Du bist unglaublich arrogant.“

„Ich bin hoffnungsvoll.“

Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter.

„Das ist schlimmer.“

„Du bleibst trotzdem?“

Susie verschränkte ihre Finger mit seinen.

„Natürlich.“

Vielleicht war es immer schon Liebe

Am nächsten Morgen war nichts plötzlich perfekt.

Sie hatten immer noch unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Ordnung eine Wohnung brauchte. Paul sang weiterhin beim Kochen. Susie ließ weiterhin überall ihre Tassen stehen.

Aber etwas hatte sich verändert.

Nicht ihre Freundschaft.

Ihre Bedeutung.

Sie saßen auf dem Balkon, tranken Kaffee und teilten sich ein Croissant.

„Ich habe eine Frage“, sagte Susie.

„Das klingt gefährlich.“

„Warum hast du mich nie geküsst?“

Paul dachte kurz nach.

„Weil ich Angst hatte, dich zu verlieren.“

Sie nahm seine Hand.

„Und jetzt?“

Er sah sie an.

„Jetzt habe ich immer noch Angst.“

Susie lächelte.

„Gut.“

„Gut?“

„Ja. Dann wissen wir wenigstens beide, dass es uns wichtig ist.“

Paul zog ihre Hand an seine Lippen.

Sie dachte an all die Jahre zurück.

An die schlechten Dates, von denen sie ihm erzählt hatte.

An seine gescheiterten Beziehungen.

An die Nächte, in denen sie nebeneinander auf dem Sofa eingeschlafen waren, ohne zu ahnen, wie nah sie der Antwort längst gewesen waren.

Vielleicht war Liebe manchmal kein Blitz.

Vielleicht war sie ein Licht, das so langsam heller wurde, dass man irgendwann merkte, dass es schon die ganze Zeit da gewesen war.

Susie lehnte den Kopf an seine Schulter.

„Weißt du, was das Schlimmste ist?“

„Was?“

„Dass ich jetzt nie wieder behaupten kann, du wärst mein bester Freund.“

Paul sah sie an.

„Warum nicht?“

Sie grinste.

„Weil du jetzt auch mein Lieblingsmann bist.“

„Das klingt nach einer Beförderung.“

„Ist es.“

Er küsste sie.

Und diesmal fühlte es sich nicht wie der Beginn von etwas Fremdem an.

Es fühlte sich an wie Heimkommen.

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