Buckelwal Timmy

Weitere Kritik an Wal-Experte Lehmann: Was ist dran an den Vorwürfen?

Er galt als Hoffnungsträger beim Wal-Einsatz – doch inzwischen mehren sich Zweifel an seiner Rolle und seiner Expertise.

Robert Marc Lehmann im Taucheranzug am Timmendorfer Strand.
Robert Marc Lehmann wird immer mehr zur kontroversen Figur. Foto: IMAGO / Agentur 54 Grad
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Die Kritik an Robert Marc Lehmann reißt nicht ab. Spätestens seit dem Einsatz rund um den Ostsee-Wal Timmy steht der selbsternannte Experte verstärkt im Fokus. Während er sich selbst als Fachmann präsentierte, widersprechen mittlerweile mehrere Beteiligte seiner Darstellung – und werfen Fragen zu seiner Rolle, seinen Qualifikationen und seinem Auftreten auf. Besonders brisant: Einige seiner eigenen Aussagen wurden öffentlich angezweifelt oder relativiert.

Beim ersten Einsatz nach der Strandung vor Timmendorfer Strand war Lehmann noch als Spezialist dabei. Später erklärte er jedoch auf Instagram, er sei „aktiv“ vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung ausgeschlossen worden – angeblich wegen seiner „Selbstdarstellung“. Diese Version wurde jedoch von mehreren Experten und offiziellen Stellen klar zurückgewiesen. Auch politisch Verantwortliche widersprachen der Darstellung öffentlich, was die Zweifel weiter verstärkte.

Unstimmigkeiten bei Lebenslauf und Auftreten

Lehmann, geboren in Jena, ist ein bekannter Influencer mit großer Reichweite, der sich als Umweltaktivist, Tierretter und Fotograf einen Namen gemacht hat. Öffentlich tritt er oft sehr selbstbewusst auf, diskutiert kontrovers und widerspricht auch Fachleuten. Dabei fällt immer wieder auf, dass er komplexe Themen zugespitzt darstellt und sich dabei teils abfällig äußert – etwa wenn er den Wal Timmy als „Vieh“ bezeichnete.

Gleichzeitig steht seine berufliche Vita seit Jahren in der Kritik. Auf seiner Website bezeichnete sich Lehmann unter anderem als Diplom-Biologe mit Spezialisierungen in Zoologie, Meeresbiologie und Rechtsmedizin. Zudem war dort zu lesen, er habe eng mit Organisationen wie Greenpeace und WWF zusammengearbeitet. Auch eine leitende Position im Ozeaneum Stralsund wurde genannt.

Mehrere Medienberichte stellen diese Angaben jedoch infrage. Laut Recherchen habe Lehmann dort lediglich als Teamleiter gearbeitet – und das kürzer als von ihm selbst angegeben. Einige dieser Informationen wurden später von seiner Website entfernt oder angepasst, nachdem Zweifel öffentlich wurden.

Kommt die Kritik aus verlässlichen Quellen?

Auch seine akademische Laufbahn sorgt für Diskussionen. Ein Bericht stellte infrage, ob Lehmann tatsächlich Meeresbiologe ist, da der entsprechende Studiengang an der genannten Universität nicht existiere. Demnach habe seine Diplomarbeit ein Thema aus der Süßwasserbiologie behandelt. Gleichzeitig ist die Quelle dieser Kritik nicht unumstritten, da ihr selbst mangelnde journalistische Neutralität vorgeworfen wurde.

Diese Gemengelage macht die Bewertung schwierig: Einerseits stehen konkrete Vorwürfe im Raum, andererseits ist nicht jede Quelle frei von Kritik. Klar ist jedoch, dass die Zweifel an Lehmanns fachlicher Einordnung als Meeressäuger-Experte weiter wachsen – auch, weil belegbare Erfahrungen mit Walrettungen bislang nicht nachgewiesen sind.

So lief der Einsatz rund um Wal Timmy

Wie Lehmann überhaupt in den Einsatz eingebunden wurde, schilderte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Demnach habe Lehmann sich selbst gemeldet und seine Hilfe angeboten. Anfangs zeigte sich die Gemeinde offen: „Ich dachte, je mehr Experten, desto besser. Was er sagte, klang einfach, als hätte es Hand und Fuß.“

Doch im Nachhinein fällt das Fazit deutlich kritischer aus: „Ich war etwas überrascht, dass seine Prognosen und seine Annahmen alle falsch waren.“

Zudem habe es Aussagen zur Anatomie des Wals gegeben, die bei Fachleuten für Verwunderung sorgten. Auch die Zusammenarbeit insgesamt sei schwierig gewesen. Laut späteren Aussagen wurde Lehmann nicht ausgeschlossen, sondern verlor lediglich seine leitende Rolle im Einsatz.

Widerspruch von offizieller Seite

Die Darstellung eines Ausschlusses wurde auch politisch zurückgewiesen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stellte klar: „Niemand wurde ausgeschlossen“.

Stattdessen wurde Lehmann sogar ein persönliches Gespräch angeboten. Ähnliche Aussagen kamen aus dem Umfeld des Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung sowie vom Deutschen Meeresmuseum. Dennoch kritisierte Lehmann die Verantwortlichen später öffentlich und sprach von „Inkompetenz“.

Diese widersprüchlichen Darstellungen tragen maßgeblich zur aktuellen Debatte bei. Während Lehmann seine Sicht offensiv über soziale Medien verbreitet, stellen offizielle Stellen diese Version deutlich infrage.

Unstrittig ist, dass Lehmann sich in vielen Bereichen des Tierschutzes engagiert. Mit Projekten und seinem Verein Mission Erde e.V. macht er regelmäßig auf Umweltprobleme aufmerksam und mobilisiert eine große Community. So konnten durch Spendenaktionen unter anderem große Flächen Regenwald gesichert werden. Auch als Kameramann wirkte er an bekannten Formaten wie Terra X mit.

Dennoch bleibt die zentrale Frage offen: Wie belastbar ist sein Ruf als Wal-Experte wirklich? Bisher fehlt es an klaren Nachweisen für entsprechende Spezialisierungen oder praktische Erfahrung in diesem Bereich. Auf Anfrage äußerte sich Lehmann bislang nicht zu den Vorwürfen. Sein Umfeld teilte lediglich mit, er befinde sich aktuell „auf einer Mission, die seinen vollen Fokus benötigt“. Welche das ist, bleibt unklar.

Quellen