Bin ich betroffen?ADHS bei Erwachsenen: Die versteckte Krankheit

ADHS lässt den Alltag zu einer Herausforderung werden.
ADHS lässt den Alltag zu einer Herausforderung werden.
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Inhalt
  1. Symptome: So macht sich ADHS bei Erwachsenen bemerkbar
  2. Welcher Arzt stellt ADHS fest?
  3. Behandlung: Den Alltag trotz ADHS meistern
  4. Ritalin bei ADHS: Welche Medikamente bekommen Erwachsene?
  5. ADHS in der Partnerschaft

Hyperaktivität wird oftmals nur Kindern zugeschrieben. Dabei tritt ADHS genauso bei Erwachsenen auf – welche Symptome die Aufmerksamkeitsstörung verursacht und wie ADHS behandelt wird.

Du Zappelphilipp! So werden Kinder mit ADHS gerne genannt. Sie können nicht stillsitzen, laufen von einem Ort zum anderen und wenn sie dann doch einmal Platz nehmen, wippen sie unaufhörlich mit den Beinen.  Von Zeit zu Zeit ist das für jedes Kind normal. Ist dieses Verhalten jedoch Alltag, steht ADHS im Raum – eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.

Der Name ist Programm. Doch mit dem Alter verschwindet die motorische Unruhe häufig. Entgegen vieler Annahmen ist damit jedoch keinesfalls auch die Krankheit verschwunden. Der Zappelphilipp ist noch da. Nur dass er sich jetzt im Gehirn austobt.

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Symptome: So macht sich ADHS bei Erwachsenen bemerkbar

Schätzungen zufolge sind zwei Millionen Erwachsene in Deutschland betroffen – und doch bleibt ADHS oftmals lange Zeit unbemerkt. Der Grund dafür ist die besagte Verschiebung der Symptome im Laufe des Lebens. Während Kinder ihre Füße nicht stillhalten können, nimmt die motorische Störung mit dem Älterwerden meist ab. Stattdessen treten neue Symptome auf.  So macht sich ADHS im Erwachsenenalter bemerkbar:

  • Innere Unruhe
  • Gedächtnisprobleme
  • Fingertrommeln / Fußwippen
  • Meiden oder schlechtes Aushalten von langweiligen, ruhigen Situationen (z.B. Flügen, Seminaren usw.)
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gedankenkreisen
  • Impulsivität, Sprunghaftigkeit
  • Neigung zu Suchterkrankungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Chaos, Unordnung
  • Probleme im Beruf
  • Selbstzweifel, Erschöpfung, Frustration

Einige der Symptome haben die meisten Menschen schon einmal bei sich bemerkt. So erlebt keiner lange Wartezeiten als angenehm und auch Stress kann häufig zu innerer Unruhe führen. Das macht die Diagnose von ADHS bei Erwachsenen so schwierig. Umso wichtiger ist es, seinen Körper genau zu beobachten und sich nicht zu scheuen, einen Arzt aufzusuchen – insbesondere, wenn man bereits als Kind unter ADHS litt und die Symptome den Alltag beeinträchtigen.

Auffällig ist für viele Erwachsene zudem das starke Schwanken der Konzentration. So können sie sich stundenlang mit Dingen beschäftigen, für die sie eine Leidenschaft hegen, bei uninteressanten Themen schweifen sie jedoch stetig ab und können den Alltag hingegen nur schwer bewältigen.

Denn unbehandelt kann die Störung einen Erwachsenen vor eine große Herausforderung stellen – Ausbildung, Beruf und auch das Privatleben sind schwierig zu meistern, Menschen sind unruhig, kreisen von einem Gedanken zum anderen und haben dadurch das Gefühl, nie wirklich anzukommen. Das kann die Lebensqualität dauerhaft einschränken. Aus diesem Grund sollte auch bei einem sogenannter Teufelskreis des Scheiterns an ADHS gedacht werden – denn diagnostiziert kann die Erkrankung gut behandelt werden und den Betroffenen aus seinem Trott befreien.

Oftmals tritt ADHS in Kombination mit Angst und Depressionen auf. Im Video: Körperliche Symptome einer Depression

 
 

Welcher Arzt stellt ADHS fest?

Zur Diagnose ist ein ausführliches Gespräch nötig. Das kann zunächst beim Hausarzt geschehen, der den Patienten daraufhin jedoch meist an einen Psychologen weiterleitet. Dieser versucht zu differenzieren, ob es sich um ADHS oder aber eine andere psychische Störung handelt. Wichtig ist hier: Komplette Offenheit und Ehrlichkeit.

 

Behandlung: Den Alltag trotz ADHS meistern

Beeinträchtigt die Störung mehrere Lebensbereiche des Betroffenen, wird oftmals eine Kombination aus Medikamenten- und Gesprächstherapie verschrieben. Dabei lernen Erwachsene mit ADHS die Symptome und dadurch ihren Alltag besser zu bewältigen. Die Lebensqualität des Betroffenen steigt meist bereits mit der Erkenntnis, dass es eine Erklärung für ihre Symptome gibt. ADHS ist nicht heilbar – doch ist die Störung erst einmal diagnostiziert, kann sie gut behandelt und damit zusammenhängende Probleme effektiv gelöst werden. 

 

Ritalin bei ADHS: Welche Medikamente bekommen Erwachsene?

Kinder werden meist mit Methylphenidat-Medikamenten behandelt, besser bekannt als Ritalin. Bei Erwachsenen war diese Medikamentenverschreibung lange Zeit verboten - bis 2011. Seitdem wird der Wirkstoff übergreifend bei Kindern und Erwachsenen gegen Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen eingesetzt.

Das gilt allerdings nicht für alle Medikamente, in Deutschland sind lediglich die Präparate Medikinet und Ritalin adult für Erwachsene zugelassen. Auch diese werden allerdings weiterhin nur unter bestimmten Bedingungen verschrieben: Zum einen muss die Störung symptomatisch bereits seit dem Kindesalter bestehen. Zum anderen werden Medikamente meist nur eingesetzt, wenn eine Psychotherapie alleine nicht ausreicht. Liegt zusätzlich eine Depression vor, können sich auch Antidepressiva positiv auf die Symptome auswirken.

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ADHS in der Partnerschaft

Die Symptome von ADHS wirken sich meist auch auf die Beziehung aus. Angehörige leiden unter den Stimmungsschwankungen und hat oftmals das Gefühl, Betroffene wären nicht bei der Sache. Das kann nicht nur den Alltag und die Kommunikation erschweren, sondern auch das Sexualleben beeinträchtigen.

Ein Partner mit ADHS hat häufig Schwierigkeiten, den Kopf freizukriegen - selbst beim Sex kreisen Gedanken durch den Kopf. Auch kann es sein, dass Sex schlichtweg nicht mehr stattfindet, da der Partner als Folge der ADHS frustriert und erschöpft ist. Dazu kommt, dass Erwachsene mit ADHS schnell gelangweilt sind. Monotomie in der Partnerschaft und dem dazugehörigen Sexualleben können dazu führen, dass die Lust letztendlich ganz abhanden kommt. 

Hier hilft wie so oft Kommunikation. ADHS ist kein Tabuthema - im Gegenteil, Angehörige sollten die Erkrankung akzeptieren und sich gleichzeitig bewusst werden, dass sie keine Schuld tragen. So kann es zudem helfen, das Problem zusammen zu meistern, indem fortlaufend über die Therapieerfolge gesprochen wird.

Dann gilt es, die Bedürfnisse auszutauschen. Wonach sehnen sich beide Partner in der Beziehung? Wie kann das Sexualleben aufgeweckt werden? Hier findest du zum Beispiel einige Tipps: 11 Dinge, die den Sex in deiner Langzeitbeziehung wieder beleben

(ww4)

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