LiebeslebenEiner liebt immer mehr – ist das wirklich wahr?

Einer liebt immer mehr? Was wirklich dahinter steckt, wenn immer nur einer der Partner in einer Beziehung sich um den anderen bemüht - Beziehungscoach Dominik Borde klärt auf!

Inhalt
  1. Einer liebt immer mehr? Warum Aufopfern nichts mit Liebe zu tun hat
  2. Wie das Ungleichgewicht in der Liebe entsteht
  3. Raus aus der Opferrolle – Tipps vom Beziehungscoach

 

Einer liebt immer mehr? Warum Aufopfern nichts mit Liebe zu tun hat

Sie liebt ihn abgöttisch, aber er macht, was er will? Oder: Er trägt sie auf Händen und sie ihn an der Nase herum? Wir alle kennen Paare, wo offensichtlich ein Ungleichgewicht herrscht in der Liebe. Während einer liebt, lässt der andere lieben.

Meist hat aber weder das eine noch das andere mit Liebe zu tun. Ein Beispiel:

Karin würde alles für ihren Thomas tun. Am liebsten würde sie 24 Stunden mit ihm zusammen sein. Sie kocht sein Lieblingsessen, sieht seine Sendungen, geht mit ihm zum Fußballmatch und übernimmt auch den Großteil der Hausarbeit. Sich selbst stellt sie hinten an, verzichtet auf ihre Serien und auf das Treffen mit ihren Freundinnen, weil Thomas vor geht. Und was macht Thomas? Er nimmt ihren Einsatz als selbstverständlich an, geht weiterhin mit seinen Kumpels weg, betreibt Sport, antwortet nicht oder erst verspätet auf ihre SMS und wenn es um die Freizeitplanung geht, dann überlässt er Karin die Entscheidung. Wenn Karin wütend wird und Thomas vorwirft, dass er nur nimmt und nie gibt, dann reagiert er verständnislos. „Ich habe nie verlangt, dass du das alles tust“, sagt er.

Auf den ersten Blick ist die Diagnose eindeutig. Karin liebt mehr als Thomas und investiert mehr in die Beziehung als er.

Auf den zweiten Blick ist das allerdings nicht mehr so eindeutig. Denn Karin hat ein fixes Bild davon, wie sie ihren Partner an sich bindet – durch Opferbereitschaft. Hinter ihrem Investment steckt das nagende Gefühl, dass sie es nur wert ist geliebt zu werden, wenn sie sich entsprechend anstrengt.

Der Nachteil: Karin lässt gar nicht zu, dass Thomas sich mehr engagiert. Denn immer ist sie schneller. Mit der Zeit sind immer mehr Aufgaben an ihr hängen geblieben. Doch der erwartete Dank und die erhoffte Zuwendung bleibt aus. Karin fühlt sich ausgenützt. Doch auch Thomas ist unglücklich. Er liebt Karin, fühlt sich aber oft überrollt und eingeengt durch ihre Fixierung auf ihn.  

Einer liebt immer mehr? Was einseitige Aufopferung in einer Beziehung wirklich bedeutet.
Einer liebt immer mehr? Was einseitige Aufopferung in einer Beziehung wirklich bedeutet.
Foto: iStock
 

Wie das Ungleichgewicht in der Liebe entsteht

So wie Karin und Thomas geht es vielen Paaren - einer der beiden investiert eindeutig mehr in die Partnerschaft als der andere. In sehr vielen Fällen geht es allerdings nicht um ein Ungleichgewicht in der Liebe, sondern um unsere Vorstellung von Partnerschaft und unsere Vorstellung von uns selbst.

Dabei spielen zwei Komponenten eine Rolle:

  • Wer tendenziell das Gefühl hat, fremdbestimmt zu sein und wenig Gestaltungsspielraum zu haben, der oder die wird sich auch in einer Beziehung stärker als Opfer wahrnehmen.
     
  • Und wer das Gefühl hat, dass nur Aufopferung zu einer stabilen Partnerschaft führt, wird auch eher in die Geber- und Aufopferungsrolle rutschen. Beides hat jedoch mit dem eigenen Selbstwert zu tun.

Für eine Beziehung ist Aufopfern jedenfalls Gift. Nicht nur, dass der Opferwillige sich selbst vergisst und alles gibt, bis er leer ist. Aber auch für den, der sich lieben lässt, ist die Situation bei weitem nicht so angenehm, wie es scheint.

Klar gibt es auch Personen, die sich darin sonnen, was andere für sie tun. Dennoch wird ein sich aufopfernder Partner eher als einengend und bedürftig empfunden oder langfristig als weniger begehrenswert wahrgenommen. Ein klassischer Fall der selbsterfüllenden Prophezeiung. Aber mit Liebe hat beides nichts zu tun.

 

Raus aus der Opferrolle – Tipps vom Beziehungscoach

Sich selbst lieben: Wer sich selbst liebt, den können andere gern haben. Tatsächlich liegt der Schlüssel für eine glückliche Beziehung nicht im potentiellen Traumprinzen oder der Traumfrau, sondern im eigenen Selbst. Wer sich selbst mag und mit sich glücklich ist, wird auch stärker für sich und seine Bedürfnisse einstehen. Das tut nicht nur der Beziehung gut, das macht begehrenswert.

Altlasten lösen: Auch wenn es nicht immer leicht ist, der Weg aus einer ungleichen Balance kommt nicht an den ungelösten Baustellen vorbei: Warum denke ich so? Wem nützt es, oder wofür war es nützlich so zu denken? Was ist die positive Lernerfahrung daraus? Auch wenn es den Betroffenen unmöglich scheint, mit Hilfe professioneller Unterstützung von einem geschulten Experten kann der Seelen-Ballast vergangener Tage oft in wenigen Stunden hinter sich gelassen werden. 

Selbst aktiv werden: Wer nur am Partner klebt, wer ständig in Gedanken seinen Partner umkreist, der hat keine Zeit, sich selbst zu spüren. Dann kommt alles Erleben nur vom Partner, der viel potenter, begehrenswerter scheint als man selbst. Wer dagegen selbst aktiv ist, wer sich um seine eigenen sozialen Kontakte kümmert, Freunde trifft, seinen Interessen nachgeht, hat nicht nur mehr zu erzählen, sondern wird auch unabhängiger und attraktiver für den Partner. 

Über Dominik Borde

Dominik Borde ist Beziehungscoach und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik
Dominik Borde ist Beziehungscoach und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik. Neben seiner Tätigkeit als Trainer und Coach ist er Autor von mehreren Fachbüchern zum Thema Beziehungsgestaltung. In seiner Arbeit verwendet Borde unter anderem die von ihm entwickelte „360° Methode“ und das Konzept der „Sozialdynamik“. Dominik Borde ist selbst vierfacher Vater und glücklich in einer Beziehung. 
Foto: privat

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