Unglücklich verliebt

Einseitige Liebe: Wie du mit dem schmerzhaften Gefühl umgehen kannst

Im Interview verrät Beziehungsexpertin Masha Hell-Höflinger wie du dich verhalten kannst, wenn du einseitige Liebe erlebst.

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Du hast jemandem kennengelernt und bist dir sicher, es ist der oder die Richtige? Vielleicht hattet ihr bereits Dates oder versteht euch einfach gut. Doch mit der Zeit stellst du fest, dass die Person nicht das gleiche Interesse zeigt wie du. Deine Liebe für die Person ist einseitig.

Im Interview gibt Masha Hell-Höflinger, Geschäftsführerin und Coach der Beziehungs Academy SozialDynamik, Tipps für einen gesunden Umgang mit der einseitigen Liebe. Sie ist Expertin für Themen wie Selbstliebe und hilft Menschen dabei, Ängste und Blockaden zu erkennen, zu hinterfragen und aufzulösen. Insbesondere unterstützt sie Frauen dabei, ihre weibliche Energie besser zu spüren und in den Alltag zu integrieren.

Expertin Masha Hell-Höflinger
Masha Hell-Höflinger, Geschäftsführerin und Coach der Beziehungs Academy SozialDynamik. Foto: SozialDynamik

Einseitige Liebe: Empfindet die andere Person nicht das Gleiche?

Frau Hell-Höflinger, wie kann ich mich verhalten, wenn ich unsicher bin, ob die oder der andere auch etwas bzw. das Gleiche für mich empfindet?

Masha Hell-Höflinger: „Wenn du verliebt bist, übersiehst du leicht, wie es dir wirklich geht. Vielleicht tauscht ihr verheißungsvolle Blicke, verbringt schöne Abende und dein Herz geht auf. Doch mache dir zunächst bewusst: Viel von dieser Verliebtheit ist bloß Projektion.

Du hast innerlich ganz viele Hoffnungen, was diese*r Partner*in für dich und deine Zukunft bedeuten könnte. Doch das, was du da empfindest, ist noch keine Liebe. Denn Liebe braucht Zeit. In der Verliebtheitsphase hast du einen Mythos von diesem Menschen, aber ob er oder sie als Partner*in zu dir passt, was für Werte er oder sie hat und was für Eigenarten, das kannst du zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen.

Daher solltest du offen kommunizieren, wie du für die andere Person empfindest. Auch wenn du dann vielleicht merkst, dass du emotional voll investiert bist, aber vom Gegenüber weniger zurückkommt. Dadurch fühlst du dich vermutlich verunsichert. Doch du brauchst dich dafür nicht zu genieren oder rechtfertigen. Im Gegenteil, stehe dazu, denn erfüllte Beziehungen brauchen Ehrlichkeit und Verletzlichkeit. Nur wenn wir mutig genug sind, uns auch verletzlich zu zeigen, wird echte Nähe möglich.

Ja, du gehst dabei das Risiko ein, verletzt zu werden und etwas zu hören, dass dir nicht gefällt. Aber nur so kannst du sehen, ob der oder die andere bereit ist, dich mit allem anzunehmen. Dann kannst du entscheiden, ob er oder sie es wert ist, dass du noch mehr deiner Zeit und Energie in diese Verbindung investierst. Falls du dabei erfährst, dass dein Gegenüber nicht genug für dich empfindet, kannst du dich rechtzeitig zurückziehen, bevor du unnötig noch mehr Emotionen aufbaust und möglicherweise noch tiefer enttäuscht wirst.

Einseitige Liebe: So kannst du dich verhalten

Wie kann sich eine Person am besten verhalten, wenn sie merkt, dass ihre Liebe nicht auf Gegenseitigkeit beruht?

Masha Hell-Höflinger: „Was du in diesem Moment auf keinen Fall versuchen solltest, ist auf irgendeine Art und Weise den anderen von dir zu überzeugen. So viele Menschen verlieren unnötig viel Lebenszeit und wertvolle Energie in Phasen, in denen sie aus diversen Ängsten heraus an einer unerfüllten Beziehung festhalten. Bevor du Monate oder sogar Jahre damit verschwendest, dir einzureden, warum es zwischen euch doch eigentlich passen sollte, ist es besser, nicht länger mit der Wahrheit zu streiten und dir einzugestehen: Das, was ich von diesem Menschen zurückbekomme, ist mir zu wenig.

Erspare dir Demütigungen, verkaufe dich niemals unter deinem Wert, sondern stehe zu deinen Standards und besinne dich darauf, was dir wirklich wichtig ist. Wenn du dir eine liebevolle und stabile Beziehung wünschst, hat es keinen Sinn, an jemandem festzuhalten, der gerade andere Interessen hat und mit dir vielleicht nur eine unverbindliche Affäre leben will. Du verdienst es, mit jemandem zusammen zu sein, den du nicht davon überzeugen musst, dass du der oder die Richtige für ihn oder sie bist.“

Tipps für künftige Beziehungen: Selbstliebe stärken

Wie schafft man es, sich von dieser ‚Ablehnung‘ nicht verunsichern zu lassen?

Masha Hell-Höflinger: „Ein wichtiger Schlüssel ist Selbstliebe. Selbstliebe ist die innere Gewissheit von: ‚So wie ich bin, bin ich liebenswert.‘ Die Gefühle, die dich bewegen, die Wünsche, wie du dir deine Beziehung vorstellst, welche Hoffnungen und Pläne du für dein Leben hast, sind nicht per se falsch. Nur weil du dich in einen Menschen verliebt hast, der am Ende nicht die gleichen Werte und Vorstellungen teilt, bedeutet das noch lange nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Vielleicht seid ihr gerade in unterschiedlichen Lebensphasen z. B. einer hat schon einen starken Kinderwunsch, während der andere sich lieber noch austoben will.

Werde dir bewusst, was du für dich willst und was dir in einer Beziehung wichtig ist, um dich geliebt zu fühlen. Wie möchtest du behandelt werden? Wenn du dir dabei treu bleibst und dich verstehst, wird es dich weit weniger verletzen, wenn ein potenzieller Partner bei näherem Hinsehen einfach nicht zu dir passt. Zusätzlich hilft, sich bewusst zu machen, dass Verliebtheit auch ein hormoneller Zustand ist, der mit ein wenig Abstand und Reflexion auf die Tauglichkeit als Paar auch wieder vergeht.“

Einseitige Liebe: Lerne loszulassen

Wie schafft man es, den anderen loszulassen?

Masha Hell-Höflinger: „Mache dir bewusst, dass es dich niemals glücklich machen wird, dich zu verbiegen, um eine Beziehung am Leben zu erhalten. Verschwende deine Zeit nicht mit sinnlosem Leiden und Warten darauf, dass eine nicht funktionierende Beziehung wie durch ein Wunder in Ordnung kommt.

Je mehr du in eine Beziehung investiert hast, desto schwieriger fällt das Loslassen. Doch an jemandem festhalten zu wollen, der dich nicht ausreichend will, ist in jeder Beziehung ungesund. Du verdienst es, die Nummer 1 zu sein. Ist das nicht der Fall, zieh dich zurück, auch wenn es wehtut. Vertraue darauf, dass dein Körper die Gefühle, die dir beim Loslösen im Weg stehen, mit der Zeit wieder abbauen wird.

Gerade am Anfang kann es hilfreich sein, sich abzulenken: Arbeit, Sport, Freundschaften, viel unternehmen. Denn wenn der Schmerz sehr groß ist, kann Ablenkung verhindern, dass wir gedanklich nur noch ins Drama abtauchen und weit mehr leiden als nötig. Besonders hilfreich ist es, sich körperlich auszupowern und dabei die Stresshormone abzuschütteln. Doch ablenken alleine ist zu wenig und kann sogar schädlich sein, denn es verhindert, dass wir die Gefühle verarbeiten und führt möglicherweise auch dazu, dass wir die Lernerfahrungen übersehen, die es fürs weitere Leben mitzunehmen gilt.

Wenn der Kummer nicht vergehen will und insbesondere, wenn du dich immer wieder zu Menschen hingezogen fühlst, die für dich nicht da oder als Partner*in nicht verfügbar sind, ist es eine gute Idee, sich von einem*r Expert*in beraten zu lassen. Um gemeinsam darauf zu schauen, welche Muster in deinem Denken, Fühlen und Verhalten sind, die dich immer wieder in ungesunde oder langfristig nicht erfüllte Beziehungen führen.

Selbstwert und Selbstliebe sind Übungssache. Wer das in der Kindheit nich gelernt hat, für denjenigen wird das Führen einer glücklichen Beziehung auf Augenhöhe nahezu unmöglich. Hinderliche Prägungen aus der Kindheit sind eindeutig der häufigste Grund, warum Menschen immer wieder die gleichen Beziehungsprobleme anziehen. Und solange du die eigentlichen Ursachen deiner Themen nicht kennst oder verstehst und noch nicht aufgelöst hast, bist du verdammt, sie immer wieder zu wiederholen!“

Artikelbild und Social Media: Pheelings Media/iStock