Expertin äußert sich

Er gibt nicht auf: Will Buckelwal „Timmy“ gerettet werden?

Die Bewegungen von Buckelwal Timmy wirken wie ein letzter Kampf – doch Experten warnen: Der Eindruck täuscht.

Ein Motorboot auf dem Weg zu Buckelwal Timmy.
Timmy wird auch Hope genannt, doch Experten hoffen mittlerweile nicht mehr auf eine Rettung. Foto: IMAGO / Agentur 54 Grad
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Der Fall von Buckelwal Timmy bewegt weiterhin Menschen in ganz Deutschland. Viele hoffen noch immer, dass sich das Tier aus eigener Kraft befreien kann – oder dass doch noch eine Rettung gelingt. Doch Fachleute sehen die Lage deutlich nüchterner. Eine Expertin erklärt nun, warum selbst scheinbare Lebenszeichen kein Grund zur Hoffnung sind.

Die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Whale and Dolphin Conservation hat sich nach zahlreichen Anfragen öffentlich geäußert. In einem ausführlichen FAQ beantwortet sie die wichtigsten Fragen rund um den gestrandeten Wal und räumt dabei mit einem verbreiteten Eindruck auf.

„Seine Bewegungen ändern nichts an der Situation“

Viele Beobachter interpretieren Timmys Bewegungen als Zeichen dafür, dass er noch kämpfen will. Doch laut Homfeldt handelt es sich dabei um natürliche Reflexe.

„Dass ‚Timmy‘ sich bewegt und Anzeichen macht, sich aus der Strandung befreien zu wollen, ist ein natürlicher Reflex. Seine Bewegungen und Laute ändern jedoch nichts an der Situation seines Gesundheitszustandes oder den Chancen auf sein langfristiges Überleben.“

Das bedeutet: Auch wenn der Wal aktiv wirkt, sagt das nichts über seine tatsächlichen Überlebenschancen aus. Diese seien bereits seit der ersten Sichtung äußerst gering gewesen.

Zu viele Risiken für eine Rettung

Warum also wird nicht weiter versucht, das Tier zu retten? Laut der Expertin liegt das vor allem an den vielen unbekannten Faktoren. Jeder Strandungsfall sei einzigartig und im Fall Timmy besonders kompliziert.

Mögliche Organschäden durch die lange Zeit im flachen Wasser, denkbare Knochenbrüche nach einer Kollision mit einem Schiff oder sogar Reste eines Netzes im Körper: All das könne nicht zuverlässig beurteilt werden. Ein Eingreifen würde daher ein hohes Risiko bedeuten.

Die Biologin betont: „Wir dürfen nicht in Kauf nehmen, ihm zusätzlichen Stress oder weitere schlimme Verletzungen zuzufügen, nur weil wir uns ein ‚Happy End‘ für ihn wünschen.“

Warum ein „Erlösen“ keine Lösung ist

Auch die Frage, warum Timmy nicht eingeschläfert wird, beschäftigt viele Menschen. Doch auch hier gibt es laut Experten große Probleme. Weltweit gebe es kaum Erfahrung mit der Euthanasie bei so großen Tieren.

Die dicke Haut- und Speckschicht erschwere die Verabreichung von Medikamenten erheblich. Zudem sei die richtige Dosierung kaum abschätzbar. Homfeldt warnt eindringlich:

„Im schlimmsten Fall würden diese nicht ausreichend gespritzt werden und der Wal würde die Lähmung der Atmung und des Herzmuskels aktiv miterleben.“

Andere Methoden wie Schüsse oder Sprengungen gelten ebenfalls als extrem und sind kaum erprobt.

Warum der natürliche Tod als einziger Weg bleibt

Aus Sicht der Fachleute bleibt daher nur eine Option: dem Tier Ruhe zu lassen und einen natürlichen Tod zuzulassen. Auch wenn das für viele schwer zu akzeptieren ist, gilt dieser Weg als der schonendste.

Gleichzeitig sehen Experten in dem tragischen Fall auch eine Chance für die Zukunft. Eine geplante Untersuchung des Kadavers könnte wichtige Erkenntnisse liefern. Ziel ist es, die genauen Ursachen zu verstehen – und ähnliche Fälle künftig zu verhindern.

Homfeldt erklärt dazu: „Für langfristige politische Arbeit sind handfeste Beweise entscheidend, um Veränderungen auf gesetzlicher Ebene einfordern zu können. Es ist unglaublich tragisch, dass ‚Timmy‘ nicht gerettet werden kann. Doch so könnte sein Tod einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass vielen weiteren Walen und Delfinen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt.“