InterviewGeld richtig anlegen: Altersvorsorge-Tipps von Finanzexpertin Jessica Schwarzer

Wie kann ich mein Geld richtig anlegen, sodass ich im Alter gut abgesichert bin? Finanzexpertin Jessica Schwarzer gibt im Interview wertvolle und hilfreiche Tipps.

 

Geld richtig anlegen: Altersvorsorge ohne reichen Ehemann

"Damit sie sich keinen Millionär angeln muss" heißt das im Juni 2019 erschienene Buch von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer. Geschrieben wurde es für Frauen, um sie dabei zu unterstützen, finanziell unabhängig werden zu können und dies auch zu bleiben - so erklärt es der Titelzusatz. Direkt zu Beginn ihres Buches weist Jessica Schwarzer daraufhin, warum sich gerade Frauen mit den Themen Finanzen und Altersvorsorge auseinandersetzen müssen. 

"Egal, ob sie gerade zu arbeiten beginnen oder schon Karriere gemacht haben, ob Sie Vollzeit, Teilzeit oder gar nicht arbeiten, ob Sie jünger oder älter sind, verheiratet oder Single, ob sie Kinder haben oder nicht. Jede Frau kann für sich vorsorgen. Und das ist auch wirklich notwendig: Frauen brauchen viel länger Geld fürs Alter als Männer. Junge Frauen von heute werden im Durchschnitt 83 Jahre alt und damit fünf Jahre älter als Männer. Gehen Sie mit 67 in Rente, verbringen sie gut 15 Jahre im Ruhestand. Eine lange Zeit, für die es vorzusorgen gilt."

Da das Rentenniveau der staatlichen Rente jedoch immer weiter sinkt, wird allein diese Form der Vorsorge nicht ausreichen, um Frau im Alter abzusichern. Was wir brauchen sind zusätzliche An- und Rücklagen, um die Versorgungslücke zu schließen und im Alter unseren Lebensstandard weitestgehend halten zu können. Finanzexpertin Jessica Schwarzer verrät uns im Interview, wie wir Geld richtig anlegen, warum die Zeit des Sparkontos vorbei ist, wie Aktien und Fonds uns nützen und - ganz wichtig - wie man überhaupt mit dem großen Thema Altersvorsorge anfangen sollte. 

 

Jessica Schwarzer im Interview: So sorgt Frau für sich vor

Finanzexpertin Jessica Schwarzer verrät, wie man sein Geld gut angelegt
Jessica Schwarzer: Finanzexpertin, Journalistin, Autorin, Moderatorin. 
Foto:Börsenbuchverlag

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass es gerade Frauen sind, die eher zum Sparen (auch als Form der Altersvorsorge) neigen. Warum ist das problematisch?

Weil es keine Zinsen mehr gibt! Das Geld vermehrt sich nicht mehr automatisch, wenn es auf Sparkonten rumliegt. Grundsätzlich ist es natürlich eine gute Sache, Geld zur Seite zu legen. Aber einen Teil des Ersparten sollte man in einem zweiten Schritt renditestark investieren, beispielsweise in unsere heimische Wirtschaft. Denn genau das tun wir, wenn wir Aktien kaufen. Anlegerinnen beteiligen sich an einem Unternehmen und profitieren von seiner guten Entwicklung. Langfristig sind Aktien die beste Anlageklasse überhaupt, wenn wir das Risiko breit streuen. Das geht wunderbar mit Fonds und börsennotierten Indexfonds, die in Dutzende oder Hunderte Aktien investieren.

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Wie gehe ich am besten vor, wenn ich mich um meine Altersvorsorge kümmern möchte, aber bisher noch gar nichts dafür gemacht habe und mir das Thema womöglich auch ein bisschen Angst beziehungsweise Unbehagen bereitet?

Am Anfang gilt es den Status-Quo zu ermitteln. Was habe ich schon? Welchen finanziellen Spielraum habe ich? Was bietet mein Arbeitgeber an - Stichwort betriebliche Altersvorsorge? Zahlt mein Chef vermögenswirksame Leistungen? Welche staatlichen Förderungen kommen für mich infrage? Dabei helfen Berater, aber auch die Personalabteilung. Ein wichtiger Baustein sollten aber auch Aktien sein. Mit einem Fonds- oder ETF-Sparplan können wir wunderbar langfristig Vermögen aufbauen. Und mit diesen Sparplänen bleiben wir sehr flexibel, denn wir können die Sparraten jederzeit noch oben oder nach unten anpassen und kommen im Notfall auch jederzeit an das Geld ran. Diese Sparpläne gibt es oft schon ab Sparraten von 25 Euro pro Monat.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass man seinen Notgroschen (Nettogehalt x 3-5) am besten auf einem Tagesgeldkonto anlegen sollte. Worauf sollte ich bei der Auswahl eines Tagesgeldangebots achten?

Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung. Schließlich können Banken auch pleitegehen. In der Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger. In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Oft sind ausländische Banken auf Kundenjagd in Deutschland. Bitte unbedingt zweimal hinschauen. Die meisten Vergleichsrechner im Internet bieten zum Glück auch Informationen zur Einlagensicherung. Apropos Vergleich: Bei einigen Onlinebanken gibt es sogar noch Zinsen. Oft sind es allerdings Lockangebote. Dann gibt es die Zinsen nur für Neukundinnen und auch nur für eine begrenzte Zeit.

Ist eine eigene Immobilie eine gute Form der Altersvorsorge?

Das ist Geschmackssache. Für viele ist es erstrebenswert im Alter mietfrei zu leben. Darüber hinaus ist eine Immobilie natürlich ein Baustein des langfristigen Vermögensaufbaus. Im Alter kann ich sie auch zu Geld machen, mit dem ich mir dann eine seniorengerechte Wohnung kaufen oder das luxuriöse Seniorenheim leisten kann.

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Was ist Ihr bester Tipp für jemanden, der gerne in Aktien investieren möchte, sich damit aber überhaupt nicht auskennt?

Nur keine Angst vor der Börse! Einfach anfangen! Das muss auch gar nicht kompliziert sein. Ich bin ein großer Fan von Sparplänen. Am besten wählt man einen global investieren Aktienfonds, bei dem dann Fondsmanager die Aktien auswählen, oder einen Indexfonds auf den Weltaktienindex MSCI World, der einfach den Index abbildet. Das Risiko ist breit gestreut und langfristig sind Renditen von gut sechs pro Jahr möglich. Natürlich schwanken Aktienkurse, auch ein Crash ist nie ausgeschlossen. Wer langfristig investiert, muss davor aber keine Angst haben. Das Gute an Sparplänen: Stehen die Kurse hoch, kauft man automatisch weniger Fondsanteile, sind sie niedrig, kauft man mehr. Langfristig eine sehr gute Sache!

Wie viel sollte ich bei welchem Gehalt/Einkommen durchschnittlich pro Monat investieren? Gibt es da Richtwerte?

Die Sparquote der Deutschen liegt seit Jahren bei etwa zehn Prozent (von ihrem monatlichen Nettoeinkommen; Anmerkung der Redaktion). Das ist sicherlich ein ganz guter Richtwert. Wer allerdings sehr wenig verdient, wird das kaum schaffen. Wer viel verdient, kann mehr zur Seite legen. Ein Kassensturz hilft, den eigenen finanziellen Spielraum zu ermitteln. Oft ist er größer, als wir denken!

Wer noch tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem empfehlen wir Jessica Schwarzers Buch "Damit sie sich keinen Millionär suchen muss" (Börsenbuchverlag, 14,99 Euro), erhältlich unter anderem auf amazon.de.

"Damit sie sich keinen Millionär angeln muss": das neue Buch von Jessica Schwarzer
Aktien, Fonds, richtige Vorsorge für den Scheidungs-/Trennungsfall - Jessica Schwarzer klärt in ihrem Buch über wichtige Themen auf. 
Foto: Börsenbuchverlag

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