LaufkolumneHalbmarathon-Challenge: Wie überwindet man seinen inneren Schweinehund?

Laufen ist reine Kopfsache, doch wie überwindet man seinen inneren Schweinehund, wenn es einfach nicht mehr läuft? 

Inhalt
  1. Wie überwindet man seinen inneren Schweinehund?
  2. Wettkampftag: Wir sind eine große, glückliche Lauffamilie
  3. Hamburg Marathon 2020 - ich komme!

"Laufen ist zu 60 Prozent Kopfsache", sagte neulich ein erfahrener Marathon-Läufer zu mir. Und er hat recht. Vor zwei Wochen bin ich mit meinen Kolleginnen beim Hamburger Marathon die Staffel gelaufen und das war anfangs ein echter Kampf, denn in den drei Wochen vorher, hatte ich plötzlich keine Lust mehr zu laufen. Von einem Tag auf den anderen war ich total demotiviert. Schon nach wenigen Kilometern blieb ich wie ein trotziges Kind einfach stehen und schnaufte: "Ich hab keine Lust mehr!" 

 

Wie überwindet man seinen inneren Schweinehund?

Dank Dr. Google war die Diagnose schnell bei der Hand: Läufer-Burn-out! Herrlich, beim Laufen findet man auf einfach alles eine Antwort. Und auch jede Menge Motivationstipps, umsetzen muss man sie jedoch ganz alleine und das ist deutlich schwerer getan als gesagt. 

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Eine Woche ließ ich meine Laufschuhe in der Ecke stehen, doch bei jedem Läufer der mir begegnete, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Eigentlich muss ich trainieren. Schließlich ist eine Staffel eine Mannschaftsaufgabe, da hat Bocklosigkeit nichts verloren. Doch egal, was ich auch versuchte, die Motivation kam nicht zurück. Bis zum Tag des Marathons. 

In Hamburg ist das so, die ganze Stadt ist im Marathon-Fieber. Morgens am Wettkampftag sieht man fast nur Läufer in den U-Bahnen und man kommt schnell ins Gespräch. Martin aus Berlin sitzt mir gegenüber. Er läuft zum achten Mal, seine Wunschzielzeit: 3 Stunden 40 Minuten. Bei der Zeit muss ich erst mal schlucken. Kleinlaut gebe ich zu: "Ich laufe nur die Staffel und will meine Distanz in einer annehmbaren Zeit schaffen." 

 

Wettkampftag: Wir sind eine große, glückliche Lauffamilie

Kurz vor dem Startschuss schüttet es wie aus Eimern - auch das macht den Charme des Hamburger Marathons aus. Und motiviert bin ich immer noch nicht, eher nervös. Und dann gehts los. Die ersten drei bis vier Kilometer bemerke ich gar nicht. So viele Läufer um mich herum, eine ganz neue Strecke, so viele Eindrücke und der verdammte Regen. Bei Kilometer fünf realisiere ich das erste Mal, ich laufe wieder und es läuft! Bei Kilometer zehn bin ich froh, dass ich den größten Teil meiner Strecke hinter mir habe. Ein Marathon-Läufer neben mir sagt scherzhaft: "Das erste Viertel haben wir geschafft, jetzt nur noch 30 Kilometer!" Puh, bin ich froh, dass ich heute nur 16,4 Kilometer laufen muss. Die letzten zwei Kilometer sind ein Kampf, ich merke, dass ich die letzten drei Wochen kaum gelaufen bin. Aber meine Kollegine Mareike ist schon in Sichtweite und wird den nächsten Streckenabschnitt übernehmen. 

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Und plötzlich habe ich es geschafft: 16,4 Kilometer! Es sind zwar keine 42, aber es ist die längste Distanz, die ich jemals gelaufen bin und die Zeit war auch gar nicht so schlecht. Ich bin stolz und glücklich. Und genau in diesen Moment habe ich mein Lauf-Mojo wiedergefunden. Gut zweieinhalb Stunden später treffen meine Kolleginnen und ich uns zum gemeinsamen Zieleinlauf wieder. Und es fühlt sich soooo gut an!

 

Hamburg Marathon 2020 - ich komme!

Noch Tage später bin ich von dem Wettkampferlebnis so euphorisiert, dass ich mich glatt zum Marathon im nächsten Jahr angemeldet habe. Dann warten 42,195 Kilometer auf mich - die volle Distanz. Ob ich das schaffe? Keine Ahnung, aber ich werde es versuchen. Und bis dahin werden mich noch viele Höhen und Tiefen erwarten. Aber ich werde sie meistern, und zwar so, wie ich das immer mache - mit Gelassenheit und Beharrlichkeit und dem unerschütterlichen Glauben, dass ich am Ende schon irgendwie ins Ziel kommen werde. 

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