Leben retten mit dem Heimlich-HandgriffHeimlich-Manöver: So funktioniert es

Das Heimlich-Manöver kann in einem lebensbedrohlichen Moment entscheidend sein. Weil es so wichtig ist, erklären wir dir hier, wie es funktioniert.

Inhalt
  1. Was genau ist das Heimlich-Manöver?
  2. So wendest du den Heimlich-Handgriff an
  3. Wenn das Heimlich-Manöver nicht hilft...
  4. Kann es passieren, dass ich jemanden durch das Heimlich-Manöver verletze?

Jeder verschluckt sich einmal und ringt anschließend nach Luft. In den meisten Fällen ist der Schrecken innerhalb von wenigen Sekunden vorbei. Doch manchmal es mit einem leichten Klopfen auf den Rücken nicht getan. Dann muss der Heimlich-Handgriff angewendet werden, um eine Person vor dem Ersticken zu bewahren.

 

Was genau ist das Heimlich-Manöver?

Das Heimlich-Manöver, auch als Heimlich-Handgriff oder in Medizinerkreisen als Oberbauchkompression bekannt, wird dann angewendet, wenn die Atemwege durch einen Fremdkörper blockiert werden. Es wird starker Druck auf den Bauchraum ausgeübt, damit sich der festsitzende Fremdkörper durch den in der Lunge entstehenden Überdruck löst. Erfunden wurde das Heimlich-Manöver 1974 durch den amerikanischen Arzt Henry J. Heimlich (1920-2016). Er selbst wendete es Zeit seines Lebens jedoch nur zweimal Mal an. Einmal im Alter von 80 Jahren und einmal im Mai dieses Jahres. In beiden Fällen rettete er die betroffenen Personen durch seinen Einsatz vor dem Erstickungstod.

 

So wendest du den Heimlich-Handgriff an

Ganz wichtig: Das Heimlich-Manöver wird unterschiedlich angewendet, je nachdem, ob es sich bei der betroffenen Personen um einen Erwachsenen, ein Kind oder einen Säugling handelt.

Der Heimlich-Handgriff bei Erwachsenen

  1. Vor der Anwendung des Heimlich-Handgriffs wird empfohlen, fünf Mal kräftig zwischen die Schulterblätter zu schlagen. Eventuell lässt sich so schon der Fremdkörper lösen. Wenn dies nicht hilft, wird das Manöver angewendet.
  2. Zuerst legst du der Person von hinten die Arme um den Körper und umfasst den Oberbauch.
  3. Bilde dann mit einer Hand eine Faust und positioniere sie unterhalb der Rippen und des Brustbeins.
  4. Mit deiner anderen Hand greifst du nach deiner Faust und ziehst sie dann mit einem kräftigen Ruck gerade nach hinten, in Richtung des Körpers der betroffenen Person.
  5. Wenn nötig, führe das Manöver fünf Mal durch.

Wichtig: Bei schwangeren Frauen darf der Heimlich-Handgriff nicht angewendet werden.

Anwendung des Heimlich-Handgriffs bei dir selbst

Ist gerade niemand in der Nähe, der das Heimlich-Manöver bei dir durchführen könnte, kannst du dir auch selbst helfen. Ganz wichtig ist natürlich, dass du möglichst nicht in Panik gerätst.

  1. Versuche erst einmal den Fremkörper durch kräftiges Husten zu bewegen.
  2. Hilft das Husten nicht, lege deine Faust auf deinen Bauch. Positioniere sie zwischen dem Bauchnabel und deinem Rippenbogen.
  3. Halte dann mit deiner anderen Hand deine Faust fest und drücke mit viel Druck in deinen Bauch und dann nach oben.
  4. Um mit deiner Faust mehr Druck aufbauen zu können, kannst du dich über die Lehne eines Stuhls beugen und dich an der Stelle, an der deine Hände auf deinem Bauch liegen, gegen die Stuhllehne drücken.
  5. Wiederhole den Vorgang, wenn es nicht schon beim ersten Mal klappen sollte.

Der Heimlich-Handgriff bei Kindern

  1. Lege dein Kind zuerst mit dem Bauch nach unten über deinen Oberschenkel und klopfe fünf Mal mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter. In vielen Fällen lassen sich so verschluckte Kleinteile wie zum Beispiel Legosteine schon wieder lösen.
  2. Sollte der Fremdkörper noch immer feststecken, kniest du dich hinter dein stehendes Kind und umfasst es mit beiden Armen auf der Höhe des Oberbauchs (zwischen Bauchnabel und Brustbein).
  3. Ziehe jetzt die Arme schnell nach hinten. Achtung: Mache dabei aber keine Faust!
  4. Wiederhole diesen Schritt bei Bedarf fünf Mal.

Der Heimlich-Handgriff bei Säuglingen

Bei kleinen Kindern, die unter einem Jahr alt sind, darf das Heimlich-Manöver nicht benutzt werden. Hier besteht erhöhte Verletzungsgefahr. Empfohlen wird dagegen eine Technik, die auch bei der Wiederbelebung von Säuglingen angewendet wird.

  1. Zuerst jedoch solltest du versuchen, die Atemwege auf andere Weise zu befreien. Lege das Baby dazu mit dem Bauch nach unten auf deinen Unterarm und klopfe mit der flachen Hand fünf Mal zwischen die Schulterblätter.
  2. Wenn dies nicht hilft, drehe das Kind wieder auf den Rücken und positioniere deine Finger auf der Brust und drücke mit diesen auf den Brustkorb.
  3. Wiederhole diesen Schritt fünf Mal.

Der Heimlich-Handgriff bei Hunden und Katzen

  1. Lege deinen Hund oder deine Katze zunächst auf die Seite.
  2. Klopfe erst einmal mit der flachen Hand fünf Mal zwischen die Schulterblätter. Wenn das nicht hilft, mache wie folgt weiter.
  3. Positioniere deine Faust unterhalb des Brustbeines am Bauch deines Haustiers.
  4. Drücke Sie dann ruckartig in Richtung Zwerchfell, um Druck zu erzeugen.
  5. Bei großen und kräftigen Hunden kannst du zusätzlich deine zweite Hand auf deine Faust drücken.
  6. Sollte der Fremdkörper zum Vorschein kommen, entferne ihn schnell aus dem Maul des Tieres. So kann es ihn nicht noch einmal verschlucken.

Zusätzliche Tipps: Einen großen Hund kannst auch unterhalb des Brustkorbs hochheben und dann den Oberkörper nach unten schütteln. Bei kleinen Hunden greifst du dir die hinteren Füße und schüttelst den Körper des Tieres nach unten.

 

Wenn das Heimlich-Manöver nicht hilft...

Sollte die betroffene Person während der Hilfemaßnahme aufgrund des Sauerstoffmangels bewusstlos werden, solltest du das Manöver sofort abbrechen und stattdessen mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Außerdem hilft das Heimlich-Manöver nicht, wenn jemand zu viel Wasser geschluckt hat. Dies kann mit dieser Methode nicht aus der Lunge befördert werden.

Feststeckende Fischgräten können ebenfalls nur schwierig gelöst werden. Da diese die Atemwege in der Regel nicht vollständig verschließen, kann der Überdruck an ihnen vorbei gelangen und drückt die Gräte so nicht nach oben weg. Sollte sich eine Fischgräte partout nicht lösen und vielleicht eine Schwellung auslösen, die zu Atembeschwerden führt, ist ein Besuch beim Arzt sinnvoll.

 

Kann es passieren, dass ich jemanden durch das Heimlich-Manöver verletze?

Ja, das ist möglich. Insbesondere bei Kindern kann es durch die lebensrettende Sofortmaßnahme zu inneren Verletzungen der Leber oder auch der Milz kommen. Doch ebenso wie bei der Herzmassage gilt, dass die Verletzungen die durch die Anwendung des Heimlich-Handgriffs zustande kommen können, in Kauf genommen werden, um der Person das Leben retten zu können. Allerdings sollte der oder die Betroffene anschließend ins Krankenhaus gebracht werden, um etwaige Verletzungen untersuchen zu lassen.

So leistet du Erste Hilfe im Fall einer Gehirnerschütterung:

 
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