GesundheitInfraschall: Wenn unhörbare Brummtöne krank machen

Schlafstörungen, Müdigkeit, Unwohlsein: Das können Folgen von Infraschall sein, einem tieffrequentierten Brummen in der Nachbarschaft.

Infraschall: Wenn Brummtöne krank machen
Die Infraschall-Frequenz beträgt 16 bis 20 Hertz und kann Schlafstörungen verursachen
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Inhalt
  1. Was ist Infraschall?
  2. Woher kommt Infraschall?
  3. Welchen Einfluss hat Infraschall auf meine Gesundheit?
  4. Wie kann man Infraschall messen?
  5. Was kann ich gegen Infraschall tun?

Infraschall wird kaum wahrgenommen, da er unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt. Trotzdem kann er immensen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit haben. Studien belegen nämlich: Ab einer gewissen Frequenz verwischen die Grenzen zwischen Hören und Fühlen.

 

Was ist Infraschall?

Schall besteht quasi aus Druckschwankungen bzw. -wellen. Deren Höhe oder Tiefe wird in Frequenzen angegeben. Infraschall weist eine tiefe Frequenz auf, in der Regel zwischen 1 und 20 Hertz (laut Angaben des Robert Koch Instituts). Zum Vergleich: Für Erwachsene sind Geräusche hörbar, die zwischen 20 und 16.000 Hertz liegen (für Kinder bis 20.000 Hertz).

Grundsätzlich gilt: Je tiefer ein Ton ist, desto niedriger ist seine Frequenz (und desto länger seine Wellenlänge). Unter 20 Hertz spricht man von Infraschall, über 20.000 Hertz dagegen von dem bekannteren Pendant Ultraschall.

Mit zunehmendem Abstand von der Schallquelle, wird das Geräusch leiser. Ein kleiner Teil der sogenannten Schall-Energie wird sogar von der Luft aufgenommen (es wird in Wärme umgewandelt), was die Wellen minimal dämpft.

 

Woher kommt Infraschall?

Infraschall kann mehrere Ursachen haben. Dazu gehören:

  • Windkraftanlagen (genauer gesagt: deren Generator)
  • Straßenverkehrslärm (z.B. Autos, Züge, Flugzeuge)
  • Haushaltselektronik (z.B. Wärmepumpen, Lüftungsgeräte, Waschmaschinen, Öl- und Gasheizungen, Klimaanlagen, Heimkino, Musikanlagen)
  • Maschinen mit hohem Schallpegel (z.B. bei der Arbeit als Industriearbeiter, Pilot, Fahrer von großen Nutzfahrzeugen)
  • natürliche Quellen (z.B. Meeresbrandung / Küste, Wasserfall, Gewitter)

Laut Umweltbundesamt dringt der unhörbare Lärm von z.B. Wärme- oder Poolpumpen auch durch gedämmte Fenster und Wände ins Haus ein. 

 

Welchen Einfluss hat Infraschall auf meine Gesundheit?

Infraschall wird oft als Ohrendruck oder Vibration wahrgenommen. Auch Dröhn-, Schwingungs- oder Druckgefühle im Kopf können entstehen. Denn: Neben dem Hörsinn können auch andere Sinnesorgane solchen tieffrequentierten Schall registrieren. Zum Beispiel kann die Haut Infraschall als Druck- oder Vibrationsreiz wahrnehmen. Ebenfalls kann Infraschall auf Lunge, Nasennebenhöhlen und das Mittelohr einwirken und das Trommelfell in Schwingung versetzen.

Zudem kann Infraschall unser Hörvermögen beeinträchtigen. So berichtet die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW): "Infraschall sehr hoher Intensität hat eine maskierende Wirkung  für  den  mittleren  und  unteren  Hörbereich.  Das  bedeutet: Bei sehr starkem Infraschall ist das Gehör nicht in der Lage, gleichzeitig leise Töne bei darüber liegenden Frequenzen wahrzunehmen."

Zu den gesundheitlichen Folgen schreibt die LUBW weiter:

"Laboruntersuchungen   über   Einwirkungen   durch   Infraschall  weisen  nach,  dass  hohe  Intensitäten  oberhalb  der Wahrnehmungsschwelle  ermüdend  und  konzentrationsmindernd wirken und die Leistungsfähigkeit beeinflussen können. Die am besten nachgewiesene Reaktion des Körpers ist zunehmende Müdigkeit nach mehrstündiger Exposition. Auch das Gleichgewichtssystem kann beeinträchtigt werden. Manche  Versuchspersonen  verspürten  Unsicherheits-­ und Angstgefühle, bei anderen war die Atemfrequenz herabgesetzt. Weiterhin tritt, wie auch beim Hörschall, bei sehr hoher Schallintensität eine vorübergehende Hörminderung auf – ein Effekt, wie er z. B. von Diskothekenbesuchen bekannt ist. Bei langfristiger Einwirkung von starkem Infraschall können auch dauerhafte Hörschäden auftreten."

Infraschall kann zudem folgende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen:

  • Schlafstörungen
  • Benommenheit / Schwindel
  • Nervosität / innere Unruhe
  • Gleichgewichtsstörungen (z.B. wegen der Einwirkung des Infraschalls auf das Mittelohr, s.o.)
  • Entwicklung der neurologischen Krankheit Wind-Turbinen-Syndrom (WTS)

Gesundheitsschäden, die durch Infraschall verursacht werden, sehen Krankenkassen sogar als behandlungsbedürftige Krankheit an. Sie hat eine eigene Kennziffer (ICD-10-GM2010-CODE T75.2), vergeben vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI).

 

Wie kann man Infraschall messen?

Mit speziellen Infraschall-Sensoren kann man den Schall messen. In Deutschland gibt es fest installierte Infraschall-Messstationen, die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) betrieben werden.

Zudem gibt es auch mobile Infraschall-Messanlagen, mit denen man an beliebigen Orten Infraschall messen kann.

 

Was kann ich gegen Infraschall tun?

Gegen Infraschall gibt es (noch) keine wirksamen Dämmmaterialien wie etwa Schutzwälle, Bäume oder Felsen.

Ein gewisser Mindestabstand von Windkraftanlagen kann diese Quelle minimieren oder gar ausschließen.

Das Umweltbundesamt ruft Hersteller von entsprechender Elektronik dazu auf, den "unhörbaren Lärm" schon im Vorfeld zu beachten (die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz - LAI - hat einen Leitfaden für die Verbesserung des Lärmschutzes erstellt, siehe HIER). 

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(ww7)

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