Mama-KolumneMama-Wahnsinn²: Warum tun wir uns mit anderen Müttern so schwer?

Ich hasse Mom-Shaming, aber ich gebe ganz ehrlich zu, ich tue mich schwer mit anderen Müttern. Sie verunsichern mich und manchmal jagen sie mir sogar Angst ein. 

Nichts macht eine Frau sensibler, als Mutter zu sein. Ich bin seit 2 1/2 Jahren Mitglied im Mama-Club und fühle mich immer noch wie ein Neuling. Denn ganz ehrlich, andere Mütter flößen mir einen Heidenrespekt ein. Ich weiß einfach nicht, wie ich mit ihnen umgehen soll!

Schon im Geburtsvorbereitungskurs fühlte ich mich irgendwie fehl am Platz. Die ganzen Mama-Tiere, die selig und völlig verliebt ihren Babybauch streichelten und den Tag der Geburt ihres Kindes kaum erwarten konnten. Ich dagegen hatte Angst vor der Geburt und war unsicher (was ich sonst eher selten bin), ob ich überhaupt eine gute Mutter sein kann.

Nach der Geburt meiner Zwillinge wurde dieses Unwohlsein in Gegenwart von anderen Müttern nicht besser. Im Rückbildungskurs, beim Treffen mit anderen Müttern, beim Babyschwimmen und später in der Kita - Smalltalk, der blanke Horror. Es war wie in einer Prüfung, ständig hatte ich Angst etwas Falsches zu sagen. Schließlich sind besonders frischgebackene Erstlingsmütter hochsensibel. Auf die immer wiederkehrende Frage: "Wie machst du das bloß mit Zwillingen?" habe ich in den meisten Lebenslagen nur mit einem Achselzucken reagiert und dem simplen Kommentar: "Ich mach einfach!" Doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass diese Unbedachtheit nicht besonders gut ankam. 

 

Ist Kinder zu haben unsere einzige Gemeinsamkeit?

Mütter freunden sich schneller an, ich beobachte das immer wieder. Auf dem Spielplatz, beim Kinderturnen, in der Kita - man kommt schnell ins Gespräch. Es beginnt meisten mit einem Lächeln, gefolgt von einem Kompliment wie zum Beispiel: "Die beiden können für ihr Alter aber schon richtig gut sprechen." "Stimmt!", antworte ich einsilbig und krame gleichzeitig in meinem Kopf nach einer passenden Antwort, um das Gespräch am Laufen zu halten. Man will ja nicht unhöflich sein. Doch es gelingt mir nicht. Aber warum nicht? Ich weiß einfach nicht, was ich antworten soll. "Die Hose von deinem Kleinen ist aber süß!" kommt mir zu oberflächlich vor und bei jeder Frage oder Antwort die in Richtung Sprachentwicklung von ihrem Kind gehen, schrillen bei mir sofort die Alarmglocken. Bloß nichts Falsches sagen! 

Neulich waren meine Jungs zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Meine größte Angst: Dann muss ich ja dableiben und mich mit den anderen Müttern unterhalten. Aber es war total nett! Der Grund waren zwei Mamis, die offen und ehrlich über ihre Trennung vom Kindsvater gesprochen haben oder darüber wie schwer es ist, das eigene Kind zugunsten eines neuen Jobs länger in der Kita zu lassen.

 

Ich muss nicht alle Mütter mögen

Plötzlich hatte ich diesen Aha-Moment. Ich muss keine Angst vor anderen Müttern haben. Es gibt nicht nur diesen einen Prototypen, diese Übermutter, die an Fasching ihrem Kind das perfekte Kostüm näht und die zum Kindergeburtstag selbst gebackenen Kuchen auftischt, mit dem sie locker eine Backshow im Fernsehen gewinnen könnte. Es gibt auch ganz normale Mütter, mit Ecken und Kanten, die dazu stehen, nicht perfekt zu sein. 

Und ich muss nicht mit allen Müttern klarkommen, ich muss kein vollwertiges Mami-Club-Mitglied sein, das sich ständig auf dem Spielplatz trifft oder nachmittags Play-Dates vereinbart. Meine Kinder werden nicht sozial ausgegrenzt werden, nur weil ich nicht kompatibel mit allen anderen Müttern bin. Ich kann mir meine Lieblingsmütter einfach selbst aussuchen. Die, mit denen ich auch über andere Dinge, als über die neusten Fortschritte beim Töpfchentraining reden kann. Mamis, die zu ihren Schwächen stehen, die ihren Kindern statt Babycino auch mal eine zuckrige Limo zu trinken geben. 

Denn wir sind alle nicht perfekt und je weniger wir anderen Müttern das Gefühl geben, als wäre es so, desto weniger haben wir Angst zu versagen. Denn auch wenn ich eher die "Ich mach einfach nach Gefühl"-Mama bin, so ist es auch meine größte Angst, als Mutter zu versagen. In der Erziehung Fehler zu machen, die im schlimmsten Fall die Entwicklung meiner Kinder beeinträchtigen. Aber auf diesem Weg können mich die Mamis am besten unterstützen, die ähnlich ticken wie ich, bei denen ich ehrlich sein kann und offen die Dinge ansprechen kann, die mich bewegen. Die verständnisvoll nicken, statt mich zu verurteilen. Denn seien wir ehrlich, Mama sein ist schon so hart genug. 

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