Mama-KolumneMama-Wahnsinn²: Warum Mamasein uns so sensibel macht

Kennt ihr das auch, dass ihr seit der Geburt eurer Kinder viel näher am Wasser gebaut habt, als vorher? Keine Sorge, ihr seid nicht allein. 

Inhalt
  1. Emotionale Werbung, traurige Filme - sofort zittert die Unterlippe
  2. Das Leid in der Welt fühlt sich plötzlich anders an
  3. Mitgefühl war, ist und bleibt mein Weg

Emotionen im Wochenbett sind ganz normal, aber dass das Gefühlschaos auch danach noch anhält, davon hat mir nie jemand etwas erzählt. Ich würde mich selbst als empathischen Menschen beschreiben. Das Leid anderer Menschen hat mich nie kalt gelassen. Egal ob direkt vor meinen Augen oder in den Nachrichten. Doch seit ich Mama bin, hat diese Empathie eine neue Dimension erreicht, die mich manchmal ein bisschen überfordert. 

 

Emotionale Werbung, traurige Filme - sofort zittert die Unterlippe

An Weihnachten oder rund um den Muttertag haben emotionale Werbeclips Hochsaison - kein Wunder, schließlich können auch Tränen verkaufen. Früher war ich längst nicht so anfällig, heute heul ich direkt los, wenn an Weihnachten der einsame Rentner alleine an seiner Festtagstafel sitzt oder ein großer deutscher Kosmetikkonzern am Muttertag dieses besondere Band zwischen Müttern und ihren Kindern feiert.

Oder neulich, als ich mir in der Redaktion ganz achtlos den Trailer zu Disneys neuer Dumbo-Verfilmung ansah. Mit ordentlich Pippi in den Augen war mir schon nach 30 Sekunden klar: Diesen Film werde ich mir niemals ansehen können. Nein, diese Art von Story verkraftet mein sensibles Mama-Herz nicht mehr. Genauso wenig wie übrigens Tierdokus, in denen ein Jungtier von seiner Herde getrennt wird. "Umschalten", brüll ich sofort, wenn ich nicht selbst die Fernbedienung in der Hand habe. 

 

Das Leid in der Welt fühlt sich plötzlich anders an

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Nachrichten von verletzten oder getöteten Kindern in Kriegsgebieten oder bei Terroranschlägen, der Missbrauch oder die Misshandlung von Kindern. Ich kann diese Schlagzeilen kaum ertragen und klicke sofort weg - bloß keine Details. Lese ich doch mal weiter, beschäftigen mich diese Schicksale manchmal tagelang. Der kleine Junge aus Staufen, der von seiner Mutter und deren Lebensgefährten an Pädophile ins Darknet verkauft wurde, wochenlang hat mich diese Geschichte nicht losgelassen und eine Fassungslosigkeit und Traurigkeit in mir ausgelöst, die ich so vorher nicht kannte. 

Sehe ich Eltern mit einem kranken oder behinderten Kind auf der Straße, wächst meine Dankbarkeit, zwei gesunde Kinder zu haben, jedes Mal ins Unermessliche. Doch statt beschämt wegzusehen, wie ich es vielleicht früher manchmal getan habe, lächel ich sie und ihre Kinder jetzt an und denke: "Großartig macht ihr das!" 

 

Mitgefühl war, ist und bleibt mein Weg

Ich kann die Welt nicht ändern, aber ich kann mit offenen Augen durch die Welt gehen, empathisch sein und helfen, wo ich es kann. Blut spenden, meine Organe (wenn ich tot bin), Stammzellen, ich kann spenden für Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben und für Kinder in Armut, um vielleicht ein bisschen Chancengleichheit zu schaffen.

Aber vor allem kann ich meine Kinder zu guten Menschen erziehen, die später selbst den Wunsch haben, etwas zu bewirken, etwas zu verändern. "Die Grundlage des Weltfriedens ist das Mitgefühl", sagt der Dalai Lama und ohne hier zu philosophisch zu werden, das Mamasein hat mich weicher gemacht, emotionaler. Manchmal finde ich das extrem anstrengend, aber ich bin auch dankbar, denn es hilft mir, in dieser schnelllebigen Welt nicht abzustumpfen. Dass mich Filme, Schicksale und Nachrichten noch berühren, schockieren und traurig machen, macht mich vielleicht manchmal zu einer Heulsuse, aber zu einer menschlichen. 

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