Trendige Einschlafhilfe im Kinderzimmer: Beruhigend oder doch problematisch?
Sanftes Rauschen gilt unter Eltern als Geheimtipp für ruhige Nächte, doch neue Forschungsergebnisse stellen eine beliebte Einschlafhilfe für Babys und Kinder deutlich infrage.
White oder Pink Noise gehören in vielen Kinderzimmern längst zum festen Einschlafritual. Die Idee dahinter: Gleichmäßiges Hintergrundrauschen soll störende Geräusche überdecken und so für besseren Schlaf sorgen. Doch eine aktuelle Studie zeigt nun, dass genau das Gegenteil der Fall sein könnte.
Pink Noise: Sanfte Hilfe oder unterschätztes Risiko?
Die Idee klingt logisch: Wenn draußen Autos vorbeifahren oder die Geschwister laut herumtoben, soll ein gleichmäßiges Rauschen diese störenden Geräusche überdecken. Genau hier setzen sogenanntes White, Brown oder Pink Noise an. Während White Noise alle hörbaren Frequenzen gleichmäßig mischt (ähnlich wie ein alter Fernseher), ist Brown Noise tiefer und dröhnender. Pink Noise liegt dazwischen: hohe Frequenzen sind abgeschwächt, das Geräusch wirkt weicher und natürlicher.
Doch eine aktuelle Studie der University of Philadelphia, veröffentlicht im Fachjournal ,,Sleep“, kommt zu einem anderen Ergebnis: Während Verkehrslärm erwartungsgemäß den Tiefschlaf verringerte, reduzierte Pink Noise deutlich die REM-Schlafphase, die besonders für das Gedächtnis, Emotionsregulation und neurologische Entwicklung wichtig ist.
Weniger REM-Schlaf: Warum das vor allem für Kinder problematisch ist
Auch wenn Pink Noise einzelne Lärmspitzen teilweise etwas abmilderte, verschlechterte sich insgesamt die Schlafstruktur der Teilnehmenden in der Studie, indem sie beispielsweise häufiger aufwachten. Gerade bei Babys und Kleinkindern ist der REM-Anteil am Gesamtschlaf – der eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Erlebnissen, beim Lernen und der Gehirnreifung spielt – deutlich höher als bei Erwachsenen. Eine Verkürzung könnte sich somit stärker auswirken. Die Forschenden warnen deshalb ausdrücklich vor einer „unkritischen Verwendung von Breitbandrauschen“ und mahnen zur Vorsicht.
Die Kinderärztin Univ.-Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser beton gegenüber ELTERN.de zudem: „Ein klarer Nutzen ist bei gesunden Kindern wissenschaftlich nicht bewiesen.“ Gleichzeitig weißt sie darauf hin, dass viele White-Noise-Maschinen und Apps ursprünglich für Erwachsene konzipiert seien. Babys, die bis zu zwölf Stunden schlafen, wären dieser Dauerbeschallung entsprechend lange ausgesetzt – mit potenziellen Risiken für Gehör und Entwicklung.
Besser leise Alternativen statt Dauerrauschen
In der Studie erwiesen sich Ohrstöpsel als deutlich wirksamer gegen Umgebungslärm als Pink Noise – zumindest bis zu einer gewissen Lautstärke. Für Babys sind Ohrstöpsel natürlich keine Option. Umso wichtiger ist es, auf eine ruhige Schlafumgebung zu achten, statt sie künstlich zu „überdecken“. Expert*innen raten deswegen zu sanften Alternativen wie leises Singen, ruhige Musik, feste Einschlafrituale und ein bewusstes Herunterschalten am Abend. Wer Pink Noise nur gelegentlich nutzt, muss nicht gleich in Panik geraten, es sollte jedoch keine dauerhafte Einschlaflösung sein.
Quellen
ELTERN.de: Warum Fachleute von dieser Einschlafhilfe für Babys abraten (zuletzt abgerufen am 10.03.2025)
scinexx.de: Pink Noise verkürzt REM-Schlaf (zuletzt abgerufen am 10.03.2026)
Oxford Academic, Zeitschriftenmagazin SLEEP: Efficacy of pink noise and earplugs for mitigating the effects of intermittent environmental noise exposure on sleep (zuletzt abgerufen am 10.03.2026)
National Library of Medicine: Broadband Sound and Sleep, Study Overview (zuletzt abgerufen am 10.03.2026)









