Vermisst

Rebecca Reusch: Ihr Fall ist kein Cold Case! Es gibt einen Funken Hoffnung…

Vor drei Jahren verschwand Rebecca Reusch spurlos. Doch da ist immer noch ein Funken Hoffnung…

Vor drei Jahren verschwand  Rebecca Reusch spurlos. Doch da ist immer noch ein Funken Hoffnung…
Storkow den 08.03.2019. Die Polizei sucht den 2. Tag ein Waldstück nach der vermissten Rebecca Reusch ab. Foto: IMAGO / Olaf Wagner

Sie wollte Stewardess werden. Und Model. Rebecca Reusch hatte so viele Träume. Doch seit drei Jahren ist das Mädchen verschwunden. Familie, Freunde, und Hunderte Polizisten suchen nach ihr. Auch CLOSER machte sich auf Spurensuche und sprach mit ihrer Familie, dem Tatverdächtigen Florian R. (27), Nachbarn und der Berliner Staatsanwaltschaft. Die sagt: „Das ist kein Cold Case. Die Ermittlungen dauern an…“

Rebecca Reusch: Ihrer Mutter Brigitte ist das Leid deutlich anzusehen

Ihrer Mutter Brigitte (55) ist das Leid deutlich anzusehen. Als CLOSER sie zu Hause antrifft, hat sie tiefe Augenringe, einen traurigen Blick und ein eingefallenes Gesicht. Sie wirkt verzweifelt. Seit dem 18. Februar 2019, dem Tag, als ihre Tochter verschwand, ist für sie nichts mehr, wie es war. Der Schmerz ist kaum auszuhalten, denn sie weiß noch immer nicht, ob ihr Kind noch lebt – und wenn ja, wo es ist. Wie schlimm das ist, erklärt Rebeccas Schwester Vivien (26): „Es gibt keine klare Aussage, dass sie lebt, dass sie tot aufgefunden wurde. Sie ist einfach nicht da“, sagt sie mit tränenerstickter Stimme in einem Interview. „Seit dem fünften Tag ihres Verschwindens (…) wurde davon ausgegangen, dass sie vermutlich tot ist. Ich verstehe es nicht. Jedes Mal kriege ich kaum Luft, und mein Herz stockt.“ Es ist ein Rätsel, vor dem auch die Ermittler stehen – doch sowohl Polizei als auch Staatsanwaltschaft glauben an ein Gewaltverbrechen. „Wir gehen fest davon aus, dass das Kind nicht freiwillig verschwunden ist. Und im Augenblick gibt es auch keine ernst zu nehmenden Anhaltspunkte, dass das Mädchen noch am Leben ist“, sagt Mona Lorenz (43), Pressesprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft zu CLOSER. Was hat sie in den letzten Stunden ihres Verschwindens durchmachen müssen?

Es ist Montag, der 18. Februar 2019, als die damals 15-Jährige spurlos verschwindet

Es ist Montag, der 18. Februar 2019, als die damals 15-Jährige spurlos verschwindet. Sie hat am Wochenende bei ihrer Schwester Jessica (30) im Berliner Stadtteil Alt-Buckow übernachtet, auf der Couch im Wohnzimmer. Gegen 5.45 Uhr kommt ihr Schwager Florian R. von einer Firmenfeier nach Hause. Kollegen beschreiben den Koch später als betrunken. Um sieben Uhr morgens verlässt Jessica das Haus. Sie bringt ihre zweijährige Tochter in die Kita und fährt mit dem Bus zur Arbeit. Sie wähnt ihre jüngere Schwester bei sich zu Hause, schlafend. Rebeccas Mutter ruft ihre Tochter um 7.15 Uhr auf dem Handy an, um sie für die Schule zu wecken, doch es springt nur die Mailbox an. Um 8.25 Uhr versucht sie es noch einmal, wieder ohne Erfolg. Langsam macht sich die Mutter Sorgen, denn um 9.50 Uhr beginnt für Rebecca die Schule. Sie ruft ihren Schwiegersohn an. Der schaut angeblich im Wohnzimmer nach und erklärt: „Die ist schon weg.“

Als Rebecca am Nachmittag nicht nach Hause kommt, melden ihre Eltern sie als vermisst. Am 23. Februar beginnt die Mordkommission zu ermitteln. Sie durchsucht das Haus der Schwester und des Schwagers, liest unter anderem die Routerdaten aus. Dabei kommt raus, dass Rebeccas Handy zwischen 6 und 8 Uhr in der Fritz-Box des Schwagers eingeloggt war. Genauso wie sein eigenes Handy. Doch Florian behauptet, er habe zwischen 5.45 Uhr und 8.25 Uhr geschlafen. Irgendwas stimmt da nicht. Kriminalhauptkommissar Michael Hoffmann sagt in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“: „Wir gehen davon aus, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt. Rebecca dürfte das Haus nicht verlassen haben.“

Der Fall Rebecca: Sieht so jemand aus, der an einer Gewalttat beteiligt sein könnte?

Die Polizei findet WhatsApp-Nachrichten, die Florian im Zeitraum seiner angegebenen Schlafenszeit geschrieben haben soll. Zudem werden im Kofferraum des himbeerfarbenen Renault Twingo der Familie Haare und Fasern einer Fleecedecke gefunden, die zusammen mit dem Mädchen verschwand. Ihre Mutter Brigitte verteidigt ihren Schwiegersohn allerdings und erklärt: „Die Decke war auf zig Ausflügen mit dabei.“ Trotzdem gerät Florian unter Verdacht. Auch weil es „zwei seltsame und klärungsbedürftige Fahrten mit dem Auto des Schwagers gab“, so Kommissar Hoffmann. Am Tag von Rebeccas Verschwinden wird der Renault Twingo um 10.47 Uhr auf der A12 zwischen Berlin und Frankfurt/Oder von einer Verkehrsüberwachungsanlage erfasst. Auch am nächsten Tag wird das Auto dort gesehen, diesmal um 22.39 Uhr. Das zeigt eine Überwachungskamera an der Ausfahrt Storkow. Die nächsten Tage durchkämmen Hunderte Polizisten das nahe liegende Waldgebiet. Auch verschiedene Seen in der Umgebung werden mit Booten und Tauchern durchsucht. Ohne Erfolg.

Florian wird festgenommen – doch schnell wieder freigelassen. Er gilt bis heute als Tatverdächtiger. Doch Beweise fehlen. Als CLOSER ihn aufsucht, treffen wir einen schmächtigen jungen Mann, er trägt einen schwarzen Hoodie, Jogginghose und eine umgedrehte Baseballkappe. Er lächelt freundlich, seine Stimme klingt zögerlich und er wirkt etwas unsicher, aber sympathisch. Sieht so jemand aus, der an einer Gewalttat beteiligt sein könnte?

Rebecca Reusch: Ihre Familie hält weiter zusammen

Weder Rebeccas Eltern noch Schwester Vivien können sich vorstellen, dass Florian Rebecca etwas angetan haben könnte, das betonen sie immer wieder in Interviews. „Wir sind eine Familie und gehören alle zusammen“, bestätigt Vivien. Florian habe sich nach der Festnahme allerdings verändert. „Wenn man ins Gefängnis kommt, auch wenn es nur die U-Haft ist, es macht etwas mit einem Menschen.“

Eine Bekannte will Rebecca am Tag des Verschwindens an der Bushaltestelle Alt-Buckow gesehen haben. „Sie stand nur drei Meter neben mir. Das war Rebecca“, ist sie sich sicher. Und ein Anwohner erzählt CLOSER: „Florian ist mir nie wirklich aufgefallen. Weder positiv noch negativ. Es hat oft Freunde zu Besuch – aber das ist in dem Alter nichts Ungewöhnliches. Ob er schuldig ist? Zutrauen würde ich ihm es nicht.“

„Es wird weiter ermittelt und Hinweisen nachgegangen“, teilt die Staatsanwaltschaft auf CLOSER-Nachfrage mit. Eine Spur, die nach Polen führte, ergab keine brauchbaren Erkenntnisse. Es sei für die Ermittler äußerst schwierig, ernst zu nehmende von falschen Hinweisen zu trennen. „Wir hoffen, dass wir die Tat zeitnah aufklären können.“ Und für ihre Eltern wäre es sicher eine Erlösung, endlich die Wahrheit zu kennen.

Im Video: Wann gilt jemand bei der Polizei als vermisst?

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Autor: Redaktion Closer

Artikelbild & Sociel Media: IMAGO / Olaf Wagner