KinderwunschRisiko Fehlgeburt bei IVF-Babys: Nicht zu lange mit dem Baby warten!

Wir kriegen zu spät Babys! Das machen die neuesten Zahlen zu künstlicher Befruchtung deutlich, die das Deutsche IVF-Register veröffentlicht hat.

Inhalt
  1. Erstmals mehr als 20.000 Geburten nach künstlicher Befruchtung
  2. Fehlgeburten: Die Folgen der späten Entscheidung für Kinder
  3. Chance auf Schwangerschaft ab 45. Lebensjahr nahezu null Prozent

 

Erstmals mehr als 20.000 Geburten nach künstlicher Befruchtung

Die Zahlen sind so erstaunlich wie erschreckend: Erstmals in der Geschichte der künstlichen Befruchtung in Deutschland wurden im Jahr 2015 bei insgesamt rund 738.000 Geburten mehr als 20.000 Kinder nach einer Befruchtung im Reagenzglas geboren. Im Jahr 2016 wurden bei fast 65.000 Frauen mehr als 100.000 Behandlungen durchgeführt, um Eizellen zu gewinnen bzw. Embryonen in die Gebärmutter einzusetzen.

Die Zahlen zur künstlichen Befruchtung hat das Deutsche IVF-Register im Dezember 2017 veröffentlicht. Im IVF-Register werden seit 1982 die Behandlungen und Resultate aus nahezu allen Kinderwunschzentren in Deutschland zusammengeführt und ausgewertet. 

 

Fehlgeburten: Die Folgen der späten Entscheidung für Kinder

So hoch die Zahlen der Geburten nach künstlicher Befruchtung klingen – es ist leider Fakt, dass die künstliche Befruchtung kein sicherer Weg zum Kind bei einer zu späten Entscheidung einer Frau für Kinder ist, denn mit zunehmendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit der Frau deutlich ab.

Bei mehr als 25% der Behandlungen, berichtet das IVF-Register, wurde im Jahr 2016 die Eizelle bzw. der Embryo aus dem tiefgefrorenen Zustand aufgetaut und eingesetzt. Die Chancen für eine Schwangerschaft lagen in diesen Fällen bei 27% und bei über 32%, wenn ein frischer Embryo direkt nach der Zeugung außerhalb des Körpers verwendet wurde.

► Drei von vier Schwangerschaften (73%) mündeten in eine Geburt.

► Aber in jeder fünften Schwangerschaft kam es zu einer Fehlgeburt.

In Deutschland kommen immer mehr Babys nach künstlicher Befruchtung zur Welt. Doch selbst künstliche Befruchtung hilft nicht allen Frauen, wenn sie sich zu spät für die Realisierung ihres Kinderwunsches entscheiden.
In Deutschland kommen immer mehr Babys nach künstlicher Befruchtung zur Welt. Doch selbst künstliche Befruchtung hilft nicht allen Frauen, wenn sie sich zu spät für die Realisierung ihres Kinderwunsches entscheiden.
Foto: iStock

Die Chancen, nach einer künstlichen Befruchtung ein Kind zu bekommen, waren nach wie vor stark abhängig vom Alter der Mutter:

  • Bei einer 35-jährigen Frau lagen sie bei 27% pro Embryonen-Transfer
     
  • bei einer 40-Jährigen bei 15%
     
  • und bei einer 44-jährigen Frau nur noch bei gut 3%.

„Wir arbeiten intensiv dafür, dass jede Kinderwunschbehandlung in die Geburt eines gesunden Babys mündet“, sagt Prof. Dr. med. Christian Thaler vom Kinderwunschzentrum des Klinikums der Ludwig-Maximilian-Universität München. „Aber selbst bei maximalen Bemühungen können wir bis heute nicht allen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch zu leiblichen Kindern verhelfen.“

 

Chance auf Schwangerschaft ab 45. Lebensjahr nahezu null Prozent

Eines der größten Probleme der Kinderwunschmedizin ist, dass das Alter, in dem Frauen heute ihren Kinderwunsch realisieren wollen, immer höher steigt.

„Die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, nimmt ab dem 30. Lebensjahr kontinuierlich ab und geht nach dem 45. Lebensjahr in Richtung null Prozent“, erläutert Thaler. „Viele Paare hoffen, durch Maßnahmen der Fortpflanzungsmedizin hieran grundsätzlich etwas ändern zu können. Leider trügt diese Hoffnung! Auch dann, wenn wir noch normal aussehende Eizellen und Spermien gewinnen können, sinken mit höherem Alter der Frau die Chancen für das Einpflanzen eines Embryos und vor allem dafür, dass es am Ende zur Geburt eines gesunden Kindes kommt, selbst wenn alles in der Behandlung optimal läuft und selbst dann, wenn man mehrere Anläufe unternimmt.“

Dass junge Erwachsene die Probleme, die sich bei einer verzögerten Familienplanung ergeben, bei weitem nicht erkennen, zeigen mehrere aktuellen Studien.

„Wir sehen vor allem das Problem, dass Frauen und Männer in der Rush-Hour ihres Lebens berufliche Karriere, Partnerwahl, Engagement in Ehrenamt und Hobby, oft auch Hauskauf und vieles andere versuchen zu bewältigen, und genau in diese Zeit soll dann auch noch die Familiengründung fallen“, beschreibt Christian Thaler die Situation. „Viele Paare verschieben also aus gut nachvollziehbaren Gründen das Kinderthema auf eine spätere, ruhigere Phase. Dann aber reichen unsere Möglichkeiten in der Kinderwunschmedizin oftmals nicht mehr aus.“

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