Kindheit

Schwarze Pädagogik: Wie sie Kinderseelen zerstört und warum du vielleicht noch heute drunter leidest (ohne es zu wissen)

Schwarze Pädagogik funktioniert über Kontrolle, Gewalt und Demütigung. Sie ist so tief in den Betroffenen verwurzelt, dass sie die Auswirkungen auch als Erwachsene noch spüren.

Trauriger Junge allein vor einem Vorhang
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Was in unserer Großeltern- und Elterngeneration (leider) noch normal war, ist heute als Schwarze Pädagogik gebrandmarkt: Kindererziehung durch Bestrafungen, Kontrolle, Einschüchterung und Demütigung. Kinder, die sie erleben, sind teils schwer traumatisiert und leiden noch als Erwachsene unter den Auswirkungen.

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Schwarze Pädagogik: Den Willen des Kindes brechen

Schwarze Pädagogik ist ein Oberbegriff, der jene Erziehungsmaßnahmen zusammenfasst, bei denen Kinder durch Strafen, Kontrolle, Gewalt, Demütigungen und/oder Einschüchterungen gefügig gemacht werden. Das Bild von Kindern als kleine Erwachsene, die vernünftig, leise, höflich und vor allem unauffällig sind, ist dabei vorherrschend. Vermeintlich störende Eigenschaften – etwa der kindliche Spieltrieb, Kreativität und Fantasie – sollten ausgetrieben werden.

Die polnisch-schweizerische Kindheitsforscherin Alice Miller (1923-2010) schrieb 2001 in ihrem Buch "Evas Erwachen":

„Unter der Schwarzen Pädagogik verstehe ich eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“
Alice Miller (1923-2010)

Pädagogik der Gewalt: Methoden der Schwarzen Pädagogik

Das oberste Ziel von schwarzer Pädagogik ist es, das Kind dazu zu bringen zu funktionieren. Anstelle bedürfnisorientierter, bestärkender Mittel bedienen sich die Täter*innen manipulativer und zerstörerischer Methoden.

Zu den Methoden schwarzer Pädagogik gehören:

  • Lügen

  • Kontrolle

  • Manipulation bis hin zu Gaslighting

  • Erpressung

  • Liebesentzug

  • Isolierung

  • Spott und Häme

  • Das Ausnutzen von Vertrauen, Scham und Geheimnissen

  • Körperliche Gewaltandrohung und Gewalt

Der Begriff der Schwarzen Pädagogik

Ursprünglich prägte die Berliner Publizistin und Essayistin Katharina Rutschky (1941-2010) das Schlagwort 1977 in ihrer umfangreichen Anthologie mit dem Titel "Schwarze Pädagogik: Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung". Darin kritisierte sie die Pädagogik der Aufklärung, die auf der Vorstellung beruhte, Kinder seien "in Wildheit" geboren und müssten durch Erziehung zur Vernunft gebracht werden. Für das Buch hatte Rutschky pädagogische Schriften aus dem 18. und 19. Jahrhundert zusammengetragen, die die damals als normal geltenden strengen Erziehungsmethoden dokumentierten. Alice Miller griff den Ausdruck ab Ende der 70er Jahre auf.

Schwarze Pädagogik: Betroffene leiden jahrzehntelang

Jeder Mensch und jedes Kind erlebt und verarbeitet Geschehnisse – egal welcher Art – anders. Man kann nicht pauschal vorhersagen, welche Auswirkungen schwarze Pädagogik haben wird. Es zeigt sich allerdings, dass Opfer von schwarzer Pädagogik Probleme haben, Bindungen aufzubauen. Wer als Kind manipuliert und belogen sowie durch Spott und Liebesentzug kontrolliert wurde, dem fällt es logischerweise als Erwachsene*r schwer, anderen zu vertrauen.

Bindungs- und Vertrauensprobleme gehören zu den offensichtlicheren Auswirkungen einer gewaltvollen Pädagogik. Es gibt allerdings Verhaltensweisen, die man auf den ersten Blick nicht mit schwarzer Pädagogik in Verbindung bringt, die allerdings eine Auswirkung davon sein könnten. Dazu gehört die Unfähigkeit, sich trösten zu lassen. Kinder, die statt Trost mit Spott und Häme überzogen werden, vermeiden diese Situation häufig als Erwachsene. Stattdessen legen sie eine "Ich schaff das schon allein"-Mentalität an den Tag und stoßen andere weg, die ihnen in schweren Momenten beistehen wollen.

Schwarze Pädagogik: Das Erlebte nicht weitergeben

Alle Eltern geben an ihre Kinder weiter, was sie selbst erlebt haben – ob Positives oder Negatives. Das Erlebte ist so tief in den Menschen verwurzelt, dass sie in bestimmten Situationen auf ihre erlernten Muster zurückgreifen. Das gilt für eine gewaltvolle Erziehung genauso wie für eine Erziehung mittels schwarzer Pädagogik.

Wer einen Weg aus diesem Teufelskreis finden möchte, der muss sich seiner Muster bewusst werden. Denn nur, was man erkennt, kann man ändern. Dafür ist es nie zu spät. Hilfreich ist eine Psychotherapie, zum Beispiel eine systemische Therapie. Mit professioneller Hilfe und Geduld ist es möglich, die Auswirkungen der erlebten schwarzen Pädagogik zu überwinden und eines Tages hinter sich zu lassen.

Im Video: Diese 5 Dinge braucht jedes Kind.

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Artikelbild & Social Media: kieferpix/iStock

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