Petition zur UmbenennungVulvalippen statt Schamlippen: Namensänderung übertrieben oder sinnvoll?

Zwei Frauen haben eine Petition gestartet, um für eine Umbenennung der Schamlippen zu sorgen. Sie fordern stattdessen Vulvalippen zu sagen, um Frauen das Schamgefühl zu nehmen. Ist das eine sinnvolle Alternative oder ist es schlichtweg übertrieben?

Inhalt
  1. Frauen sollen sich nicht schämen
  2. Vulvalippen statt Schamlippen übertrieben?
  3. Frauen schämen sich häufig für ihre Scheide
  4. Männer haben keine Scham
  5. Schamlippen-Korrekturen nehmen rapide zu
  6. Gegentrend zu Optimierungswahn ist wichtig

Journalistin Gunda Windmüller und Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal fordern eine Umbenennung der Schamlippen. Die Sache ist den beiden Frauen wirklich ernst, denn sie haben eine Petition ins Leben gerufen, um für eine Namensänderung zu sorgen: Statt Schamlippen soll zukünftig das Wort Vulvalippen verwendet werden.

 

Frauen sollen sich nicht schämen

Aber warum ist den beiden Gründerinnen der Petition dieses Thema so wichtig? Auf ihrer Homepage erklären sie: "Es gibt einen Körperteil, über den wir nicht reden können, ohne das Wort 'Scham' zu benutzen. Es sind die Schamlippen. Das ist doch Quatsch: Da gibt es nichts zu schämen. Sie sind ein intimer, ein lustvoller Teil unseres Körpers. Doch im Duden gibt es kein anderes Wort dafür." Sie wollen den Frauen also das Schamgefühl nehmen. Aber kann eine andere Wortwahl das bewirken und liegt es überhaupt an dem Wort?

 

Vulvalippen statt Schamlippen übertrieben?

Auf den ersten Blick scheint es ein wenig übertrieben, eine Namensänderung der Schamlippen zu verlangen. Es gibt es ja noch andere Begriffe wie das Schambein und die Schamhaare. Sollen die dann alle einen anderen Namen bekommen? Zunächst wirkt die Forderung die Bezeichnung Vulvalippen statt Schamlippen in die Sprache zu integrieren wie eine Form von Überaktionismus.

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Frauen schämen sich häufig für ihre Scheide

Bei intensiverer Beschäftigung mit der Petition wurde mir allerdings bewusst, dass wir Frauen an sich meist eher ein nahezu stiefmütterliches Verhältnis zu unserer Scheide haben. Schon als Kind wird sie verniedlicht, "Muschi" oder "Mumu" sind die Wörter mit denen wir als Bezeichnung unseres primären Geschlechtsorgans aufwachsen. Vielen Frauen fällt es schwer, das Wort Scheide überhaupt in den Mund zu nehmen. Das ist uns irgendwie peinlich, wir schämen uns. Die Schamlippen sind durch die Bezeichnung also ein wirkliches Sinnbild der fehlenden Beziehung zu unserer gesamten Vulva beziehungsweise Vagina.

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Männer haben keine Scham

Bei Männern hingegen ist der Penis stets ohne Scham behaftet. Das liegt natürlich nicht am Namen, aber es ist trotzdem auffällig, dass die Bezeichnung des männlichen Geschlechtsorgans ohne das Wort "Scham" auskommt - und Männer scheinen sich ja meist wirklich nicht für ihren Penis zu schämen, so häufig wie sie das Freiluft-Pinkeln in der Öffentlichkeit zelebrieren.

 

Schamlippen-Korrekturen nehmen rapide zu

Vielleicht kann ein zukünftiger Gebrauch des Wortes Vulvalippen statt Schamlippen einen kleinen Teil dazu beitragen, dass Frauen nicht mehr in dem Glauben aufwachsen, sich für ihr Geschlechtsorgan schämen zu müssen und eine bessere Beziehung zu ihrer Scheide aufbauen. Leider ist die Gesellschaft aber gerade auf dem falschen Weg: Schönheitsoperationen an der Scheide nehmen immer mehr zu. Besonders schlimmer Trend: Barbie-Vaginas. Frauen wollen, dass ihre Schamlippen so sehr verkleinert werden, dass diese nahezu unsichtbar sind. Emanzipation sieht definitiv anders aus.

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Gegentrend zu Optimierungswahn ist wichtig

Auch wenn Gunda Windmüller und Mithu Sanyal mit ihrer Petition auf viele wohl wie verrückte Emanzen wirken, denke ich, dass es definitiv richtig und wichtig ist, für einen Gegentrend zu sorgen. Mit der Petition zur Umbenennung von Schamlippen in Vulvalippen wird vermutlich nicht gleich ein besseres Körpergefühl entstehen. Doch wenn wir Frauen den Begriff austauschen, könnten vielleicht zukünftige Generationen ohne das schambehaftete Wort für den äußeren Teil ihrer Scheide aufwachsen.

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