Blick auf die Statistik

Zu viele Diagnosen bei ADHS – stimmt das überhaupt?

Ob auf Instagram, TikTok oder Facebook – die neurologische Stoffwechselstörung ADHS ist in den sozialen Medien allgegenwärtig. Doch gibt es tatsächlich so viele Betroffene mit einer gesicherten Diagnose? Eine aktuelle Studie bringt Licht ins Dunkel.

Kleiner niedlicher Junge sitzt am Schreibtisch und stützt seinen Kopf auf seine Hände
Kaum eine andere psychische Störung wird hierzulande so häufig diskutiert wie das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS Foto: i-Stock/KatarzynaBialasiewicz
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Das Bild des nervigen „Zappelphilipps“ hat heute einer anerkannten Variante von Neurodiversität Platz gemacht. In den sozialen Medien begegnet uns oft der ‚freundliche Chaot‘ – eine Figur, die durch ihre sympathische Unordnung besticht. Fast könnte man meinen, ADHS sei inzwischen regelrecht angesagt: Zahlreiche positive Eigenschaften werden mittlerweile mit dieser Diagnose verbunden. So entsteht der Eindruck, dass immer mehr Menschen – ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – ADHS diagnostiziert bekommen. Doch entspricht dieser Anschein der Realität? Das British Journal of Psychiatry beweist mit einer aktuellen Studie das Gegenteil:

Statistiken zeigen: ADHS bleibt eine Ausnahme

Für ihre Studie wertete ein Team internationaler Wissenschaftler vorhandene Bevölkerungsdaten und britische Versorgungszahlen aus und kam zu folgendem Ergebnis:

ADHS wird entgegen vieler Meinungen nicht flächendeckend überdiagnostiziert. Vielmehr liegt das Problem darin, dass die meisten Betroffenen überhaupt kein Diagnose gestellt bekommen oder diese erst sehr spät im Laufe ihres Lebens erfahren.

ADHS weltweit: Die Zahlen bleiben konstant

Wird ADHS anhand klar festgelegter Standards diagnostiziert, bleibt die Zahl der Betroffenen weltweit erstaunlich konstant:

Etwa fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen erhalten diese Diagnose. Bei Erwachsenen schätzen Experten den Anteil auf rund drei Prozent. Diese Zahlen beruhen auf sorgfältigen Befragungen und einheitlichen Richtlinien für die Diagnosestellung.

Behandlung auf Sparflamme: Lange Wartezeiten belasten Betroffene

Dass nicht Überdiagnose, sondern vielmehr Unterbehandlung und lange Wartezeiten das Problem bei dieser psychischen Störung sind, zeigt die aktuelles Auswertung mit knapp über 7000 Befragten:

  • 27 Prozent der diagnostizierten Kinder warteten ein bis zwei Jahre auf einen Termin

  • 14 Prozent warteten sogar zwei bis drei Jahre

Zudem suchen heutzutage vermehrt Erwachsene nach Hilfsangeboten, sodass sich der Druck auf bestehende Angebote weiter erhöht.

Das hilft, wenn du lange auf einen Termin warten musst

Nicht selten müssen Betroffene bis zu zwei Jahre auf einen Therapieplatz mit einer ADHS-Diagnose warten. Was hilft, um diese langen Zeiten zu verkürzen sind Überbrückungsstrategien:

  • Wende dich an sogenannte Ausbildungsinstitute für Psychotherapie in Deutschland - hier sind die Wartezeiten meist deutlich kürzer und die Chancen auf einen Therapieplatz um ein Vielfaches höher.

  • Suche sogenannte Spezialambulanzen: Institutsambulanzen an Kliniken haben oft eigene ADHS-Sprechstunden

  • Integriere Sport fest in deinen Alltag: Bewegung hilft ADHS-Symptome zu lindern und Energie abzubauen.

  • Yoga oder Achtsamkeitsübungen helfen ebenfalls dabei den Fokus zu verbessern.