Erziehung10 Dinge, die Eltern mit ihren Kindern nie tun sollten

10 DInge, die Eltern nie tun oder sagen sollten
Einige "altbewährte" Erziehungsmethoden sollten Eltern vermeiden
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Inhalt
  1. Wenn-Dann-Methode anwenden
  2. Bis 3 zählen
  3. Mit Bestechungen arbeiten
  4. Zu Notlügen greifen
  5. Wütend werden statt Ruhe bewahren
  6. Kinder zur Schau stellen
  7. Den Fernseher "babysitten" lassen
  8. Kinder lange im "Familienbett" schlafen lassen
  9. Mit eigenem Speichel Kindergesicht säubern
  10. In "Babysprache" sprechen

Drohungen, Bestechungen, Notlügen: Wenn Eltern nicht weiter wissen, greifen sie zu rigorosen Methoden. Diese 10 Dinge sollten Eltern lieber unterlassen.

 

Wenn-Dann-Methode anwenden

Wenn Müttern und Vätern mal die Puste ausgeht, dann greifen sie schnell zu der beliebten "Wenn-Dann-Methode" - einer Art kleinen Erpressung mit Niveau. Wie sollen sie sich denn sonst helfen, wenn Argumente das Kind nicht überzeugen und das Kind sich nicht überreden lässt?

So rutscht den Eltern schon mal ein "Wenn du dein Zimmer nicht sofort aufräumst, darfst du heute nicht fernsehen!" aus. Viele Eltern verteidigen die Wenn-Dann-Methode mit dem Argument, die Kinder würden dadurch Konsequenz lernen. In Wirklichkeit lernen Kinder Konsequenz aber schon im Alltag, wenn sie Zusammenhänge beobachten, erklärt die Psychoanalytikerin Dr. Dunja Voos. Wenn Wolken aufziehen, wird es regnen, wenn man Unsinn macht, wird Mama böse, wenn man was Schönes bastelt, freuen sich die Eltern etc.

Durch kleine Erpressungen entwickeln Kinder laut Voos häufig eine "versteckte Wut." Bei einem Satz wie "Wenn du heute lieb bist, darfst du heute Abend deinen Lieblingsfilm sehen", weiß das Kind nicht richtig, was es damit anfangen soll - zudem seine Definition von "lieb sein" vermutlich eine andere ist, als die der Eltern.

"Zudem geben wir dem Kind mit unserem „Wenn-dann-Satz“ zu verstehen, dass wir es lieben, wenn es die Bedingung „Liebsein“ erfüllt. Denn für das Kind ist es ein Zeichen der Liebe, wenn wir ihm erlauben, einen Film zu gucken, wenn wir ihm etwas kaufen oder ihm einen anderen Wunsch erfüllen", schreibt Voos. Wenn das Kind es nun nicht schafft, den ganzen Tag lieb zu sein - was sehr wahrscheinlich und natürlich ist - fühlt es sich, als hätte es versagt. Und lässt die Mutter das Kind trotzdem abends seinen Lieblingsfilm gucken, fühlt sie sich wie eine schlechte Mutter - schließlich hat sie es nicht geschafft, konsequent zu sein.

Bei vielen Kindern mag die Wenn-Dann-Methode zwar wirken - doch nachhaltig wirksam ist sie nicht. Vermutlich wird der Konflikt spätestens in einer Woche erneut auf dem Plan stehen - von alleine räumt das Kind sein Zimmer in Zukunft sicher nicht auf. Dafür reicht die Wenn-Dann-Methode eben doch nicht aus.

Besser als Erpressung ist Kooperation. Das gibt dem Kind das Gefühl, dass es selbst entscheidet, was das "Richtige" ist, das man tut. Wer an die freiwillige Hilfe des Kindes appelliert, fördert seinen menschlichen Instinkt, etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Erpressungen bewirken das Gegenteil: Sie vermindern das natürliche Bedürfnis nach Kooperation. Stattdessen wird dem Kind irgendwann die Strafe egal sein. Dann verzichtet es eben auf das Fernsehen - um seine Integrität zu wahren. Wer nämlich bestraft wird, fühlt sich hilflos, traurig und wütend.

Experten raten: Mit dem Kind zu reden, ihm die "natürlichen" Konsequenzen einer unangebrachten Handlung zu erklären, reicht völlig aus. "Wenn du mit dem Sand auf den Jungen schmeißt, tut es ihm in den Augen weh", reicht Kindern als Erklärung aus - und fördert sogar die Entwicklung von Empathie beim Kind.

 

Bis 3 zählen

"Ich zähle jetzt bis 3...!" ist ein häufig eingesetztes Druckmittel von Eltern, die kurz davor sind, die Fassung zu verlieren, weil ihr Kind einfach nicht hören will. Diese 1-2-3-Magic-Methode vom amerikanischen Psychologen Thomas Phelans hilft allerdings nur bedingt. Denn es funktioniert nur bei sogenanntem "Stop"-Verhalten (z.B. schreien, toben, mit Essen spielen), nicht bei "Start"-Verhalten (wie etwa Zimmer aufräumen, Schultasche packen, Hausaufgaben machen).

Zudem funktioniert diese Methode lediglich bei Kindern zwischen dem Kleinkindalter und Drittklässlern. Dann ist nämlich Schluss mit der Hörigkeit - die Zeit der Verhandlungen beginnt. Aber auch bei jüngeren Kindern muss man mit der 1-2-3-Methode vorsichtig sein: Befindet sich das Kind in der Trotzphase (ab dem 3. Lebensjahr), sollte man den Willen des Kindes ernst nehmen und Kompromisse schließen.

Besser als die 1-2-3-Methode ist - bei kleinen Kindern und Grundschülern - häufig die Ablenkung. Hat das Kind einen Wutanfall in der Öffentlichkeit, wird der Countdown sicher wenig bringen. Stattdessen können Eltern versuchen, das Kind abzulenken - etwa auf einen Hund oder ein Spielzeug.

Zudem wissen häufig weder Kinder noch Eltern (!), was denn bei "3" passiert - doch mit der Möglichkeit, dass das Kind bis "3" noch nicht damit aufgehört hat, womit es aufhören sollte, ist ziemlich groß...

 

Mit Bestechungen arbeiten

Wenn es Eltern zu schwer fällt, ihre Kinder zu bestrafen, greifen sie zu Plan B: Bestechungen. Pädagogisch sind Bestechungen ebenso verpönt wie juristisch - bloß sind sie bei Kindern nicht strafbar. Wer ein quengelndes Kind mit einem Lolli zur Ruhe bringt oder einen Teenager mit einem neuen Handy das Lernen schmackhaft macht, wird allerdings nicht bestraft - sondern mit einem ruhigen bzw. fleißigen Kind belohnt. Zumindest kurzzeitig.

Die Folgen einer winzigen Bestechung können auf Dauer massive Schäden beim Kind anrichten. Aus Bestechungs-Lollis können Essstörungen entstehen, aus materiellen Belohnungen dagegen eine dauerhafte Erwartungshaltung des Kindes. Ob Geld für gute Noten, Fernsehen für Hilfe bei der Hausarbeit, neue Kleidung für das Ruhigsein auf der langen Autofahrt - Experten sehen solche Bestechungen kritisch.

Statt zu Geschenken sollten Eltern lieber zu immateriellen Belohnungen greifen, wie etwa Lob, Motivation oder Aufmunterung. Auch gemeinsame Zeit oder - je nach Alter des Kindes - längeres Vorlesen eines Buches kann Kinder erfreuen.

 

Zu Notlügen greifen

Um Diskussionen zu vermeiden, greifen Eltern häufiger als ihnen lieb ist zu Notlügen. Das Kind möchte im Supermarkt noch mehr Süßigkeiten? "Ich habe leider nicht so viel Geld dabei." Die jugendliche Tochter will wissen, wann Mama das erste Mal Sex hatte? "Na mit 18!" Und der pubertierende Sohn will wissen, ob Papa mal Zigaretten oder Cannabis geraucht hat? "Nein, würde ich niemals tun!"

Eltern glauben, mit den Notlügen als gutes Vorbild dazustehen bzw. die Kinder von etwas "Schlechtem" (zu viel Süßes, Drogen, Sex) abzuhalten oder sie zu motivieren ("Du hast aber schön Gitarre gespielt!"). Oder sie tun es schlicht und einfach aus Verzweiflung oder Stress - weil ihnen nichts anderes einfällt, wie sie einer unangenehmen Diskussion mit dem Kind entkommen können.

Das Problem von Elternlügen ist allerdings: Kinder lernen mehr von dem, was wir ihnen vorleben, statt von dem, was wir ihnen sagen. Das heißt: Wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder zu Lügnern werden, sollten wir sie auch nicht belügen.

Besser als Notlügen ist es allemal, den Kindern die Wahrheit zu sagen altersgerecht zu erklären. Dass man noch genügend Süßigkeiten zu Hause hat oder dass das Kind von zu viel Süßem Bauchweh bekommt. Dass Mama den ersten Sex zwar schon mit 15 hatte, es aber bereute. Und dass Papa zig Jahre rauchte und erst aufhörte, als das erste Kind zu Welt kam (und seine Kondition nachließ)...

 

Wütend werden statt Ruhe bewahren

Eltern möchten vor ihren Kindern möglichst souverän auftreten, die Kontrolle bewahren, geduldig und ruhig zu bleiben. Doch diese Vorsätze sind ziemlich schwer über Jahre hinweg beizubehalten - vor allem, wenn das Kleinkind in der Trotzphase ist oder der Teenie kurz vor seinem Schulabschluss. Dann wird den Müttern und Vätern in vielen Situationen klar: Eltern sind auch nur Menschen. Ihnen platzt auch mal der Kragen, sie müssen auch mal die Wut rauslassen.

Besser als auszurasten ist es allemal, die Ruhe zu bewahren. Doch wenn alle Stricke reißen (tief durchatmen, bis zehn zählen, meditieren, Verständnis zeigen etc.), ist ein gelegentlicher Ausraster kein Weltuntergang. Wichtig ist nur, dass ein Wutanfall die Ausnahme bleibt und nicht zur Gewohnheit wird. Und dass man dem Kind später erklärt, warum man laut geworden ist und sich bei ihm vielleicht sogar entschuldigt.

 

Kinder zur Schau stellen

Kinder können gleichzeitig peinlich und niedlich sein. Das wollen viele Eltern mit Fotos und Videos verewigen. Der 6-jährige Junge, der nach einer Narkose wirres Zeug redet, hat schon über 135 Millionen Klicks auf YouTube gesammelt - denn die Eltern haben ihn gefilmt und auf der öffentlichen Video-Plattform hochgeladen.

Auch wenn es für Eltern auf den ersten Blick lustig sein mag: Sie sollten sich immer in die Lage des Kindes versetzen. Diese Bloßstellung oder Vorführung des eigenen Kindes, wird ihm in ein paar Jahren sicherlich keine Freude bereiten (und das Internet vergisst nie!).

Jedes Kind hat eine Würde, verdient Achtung und Respekt. Das öffentliche Zur-Schau-Stellen durch die Eltern ist eine Katastrophe für die psychische Entwicklung des Kindes. Das gilt übrigens nicht nur für das Publizieren "lustiger" Aufnahmen im Internet, sondern auch vor Freunden, Verwandten und Bekannten. Demütigende Fotos gehören (wenn überhaupt!) in ein gut verstecktes Fotoalbum und sind nicht für fremde Augen bestimmt.

 

Den Fernseher "babysitten" lassen

Ob Fernseher, iPad, Computer, Handy oder Spielekonsole: Auch wenn die digitale Welt Kinder ruhig stellt, ist es ein pädagogisches No-Go. Langfristig, so haben Studien ergeben, kann etwa ein hoher Fernsehkonsum das Lese-, Schreib- und Mathematikverständnis des Kindes einschränken. Auch ist wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder, die viel Fernsehen, zu Übergewicht neigen (weil sie sich wenig bewegen und beim Fernsehen viel naschen).

Wer nach einer schnellen Alternativen zum Fernseher Ausschau hält, kann zum Buch greifen. Wer seine Kinder von klein auf die Freude am Lesen entdecken lässt, kann sie später genauso effektiv von einem Buch "babysitten" lassen, wie von einem Elektrogerät - nur dass das Buch lediglich Vorteile für das Kind mit sich bringt.

 

Kinder lange im "Familienbett" schlafen lassen

Ob Babys im Bett der Eltern schlafen sollten oder von Anbeginn in ihrem eigenen Bettchen, ist unter Experten umstritten. Sicherlich ist ein gesundes Mittelmaß angebracht. Doch viele Eltern neigen dazu, die Kinder zu lange und zu häufig im Elternbett schlafen zu lassen.

In Wahrheit müssen alle Eltern selbst entscheiden, wie lange welches Kind bei den Eltern unter die Decke kriechen darf. Kinderbücher, die das thematisieren und das Argument, dass das Kind jetzt groß ist und nicht mehr genug Platz im Elternbett vorhanden ist, können dem Kind bei der Entwöhnung helfen. Auch ein Beschützer-Kuscheltier oder Leuchtsterne an der Wand können Kindern helfen, die ersten Nächte ohne Eltern zu schlafen.

Wichtig ist aber auch, dass Ausnahmen immer erlaubt sind. Hat das Kind Angst in einer Gewitternacht oder hatte es einen Albtraum, spricht nichts dagegen, das Kind auch mal wieder Kind sein zu lassen - und den Zugang zum Elternbett zu gewähren...

 

Mit eigenem Speichel Kindergesicht säubern

Ob Schoko- oder Spaghetti-Reste im Kindergesicht: Mit einem Wisch ist alles weg - vorausgesetzt, der Wischfinger ist voller Mama-Spucke. Zwar soll der eigene Speichel desinfizierend wirken - doch auf einem anderen Gesicht (sei es auch das des eigenen Kindes) ist der eigene Speichel doch recht eklig.

Besser eignen sich Feuchttücher für die spontane Reinigungsarbeit am Kind. Wer Taschentücher und Trinkwasser immer bei sich hat, kann auch das als Alternative anwenden.

 

In "Babysprache" sprechen

Obwohl Studien belegt haben, dass es für die Sprachentwicklung des Kindes nachteilig ist, wenn Eltern (und andere Erwachsene) mit den Kindern in Babysprache sprechen, fällt es Eltern nicht leicht, es sein zu lassen. Zu süß klingen die Wortneuschöpfungen der Kleinsten, die aus "Brokkoli" schon mal ein "Gogoli" machen, und aus "Hund" einen "Wauwau." Auch "haja machen" statt "schlafen gehen" oder "happa machen" statt "essen" fließt ins Vokabular der Eltern ein.

Doch niedlich allein reicht nicht als Begründung aus, dass man dem Kind die "echte" Sprache verweigert. Die Anzahl der Wörter, die das Kind schon im ersten und zweiten Lebensjahr hört, hat später große Auswirkungen auf die Entwicklung seines Gehirns, der Sprachfähigkeit und (späteren) Intelligenz.

Experten sind sich einig: Kinder sollten von Anfang an direkt und häufig angesprochen werden - am besten mit gewähltem Wortschatz. Untersuchungen haben ergeben, dass Fünfjährige bis zu zwei Jahre Gleichaltrigen hinterherhinken, wenn sie sprachlich wenig oder gar nicht gefördert werden. Wichtig ist, dass das Kind direkt angesprochen wird - denn von den Unterhaltungen der Menschen untereinander nehmen (Klein-)Kinder nicht viel mit...

 

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(ww7)

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