TrauerAbschied von Mama: Was Kindern hilft, wenn die Mutter stirbt

Wenn die Mutter stirbt: Wie Vater und Angehörige einem Kind dabei helfen können, den Tod der Mutter zu verkraften. Emotionale Hilfe für trauernde Kinder.

Inhalt
  1. Wenn die Mama stirbt: Hilfe für trauernde Kinder
  2. Jules Abschied von ihrer Mama
  3. „Im Land der Träume werden meine Schmerzen weggezaubert“

 

„Meine Mama ist krank. Sie trägt ein buntes Tuch um den Kopf, weil sie keine Haare mehr hat. Der Krebs hat sie krankgemacht ..."

 

Wenn die Mama stirbt: Hilfe für trauernde Kinder

Jules Mama hat Krebs und wird bald sterben. Wie kann der Papa seiner Tochter in den schwersten Stunden helfen und das Unausweichliche kindgerecht zur Sprache bringen?

Dieser schwierigen Frage haben die Psychologin Sigrun Eder, die Buch-Autorin Tanja Wenz und Illustratorin Evi Gasser einen sehr liebevollen Ratgeber gewidmet. Abschied von Mama“ tröstet Kinder, die ihre Mama bereits verloren haben oder wegen einer schweren Krankheit verlieren werden. 

 

Jules Abschied von ihrer Mama

Hier veröffentlichen wir einen Auszug aus „Abschied von Mama“, in dem Jule erfährt, dass ihr Mama sterben muss:

Jule ist furchtbar traurig, weil ihr Mama sterben muss.
Jule ist furchtbar traurig, weil ihr Mama sterben muss.
Foto: edition riedenburg

„Meine Mama ist krank. Sie trägt ein buntes Tuch um den Kopf, weil sie keine Haare mehr hat. Der Krebs hat sie krankgemacht. 

Ich sterbe bald“, sagt Mama eines Tages zu mir. Dann nimmt sie mich auf den Schoß und erklärt mir: „Sterben ist wie weggehen und nicht mehr wiederkommen.“ 

Das klingt furchtbar. Wie soll ich denn ohne meine Mama klarkommen? Mama legt ihre dünnen Arme um mich und wiegt mich sanft hin und her.

Ich bin traurig. Meine Mama soll nicht weggehen. Sie ist doch meine Mama! 

„Gehst du weg, weil ich böse war?“, frage ich beunruhigt. Mama lächelt mich mit ihrem Ich-hab-dich-lieb-Blick an und sagt: „Nein Jule, ich muss wegen der Krankheit gehen.“ „Das will ich aber nicht!“, rufe ich aufgebracht. Ich boxe in mein Kissen, so wütend bin ich auf einmal. 

Meine Mama streichelt mir über meine Haare und sagt: „Jule, ich möchte auch lieber bei dir und Papa bleiben. Aber die Krankheit macht meinen Körper so schwach, dass er bald nicht mehr funktioniert.

In der Nacht schmerzt mein Bauch und ich kann nur schwer einschlafen. Dabei kommt mir eine Idee. 

Am nächsten Tag frage ich Mama: „Können Papa und ich mit dir mitkommen?“ 

Meine Mama umarmt mich und sagt: „Nein, das geht nicht. Da, wo ich hingehe, gibt es nur Platz für Menschen wie mich. Du und Papa, ihr habt gesunde Körper, euer Platz ist hier. Ihr werdet noch viel Schönes miteinander erleben, und wenn ihr an mich denkt, bin ich ein Teil davon.“ 

 

„Im Land der Träume werden meine Schmerzen weggezaubert“

„Wohin gehst du, Mama?", frage ich, als Mama mir einmal die Haare wäscht. Sie überlegt eine Weile, dann antwortet sie: „Genau weiß ich es nicht. Doch ich bin sicher, dort ist es sonnig und meine Schmerzen sind wie weggezaubert. Für mich ist es das Land hinter den Träumen.“

Abends liegen Papa, Mama und ich zusammen im Bett. Nele, unsere Tigerkatze schnurrt laut neben uns. Papa liest uns eine Geschichte vor oder macht Scherze. Ab und zu lacht Mama auch. Das tut gut! Ich versuche mir ganz fest zu merken, wie Mama klingt. Dann kann ich mich später daran erinnern.

Seit einiger Zeit geht es Mama viel schlechter. Ich sitze neben ihr. Mein Bauch tut wieder weh. „Das kommt vom Traurigsein“, sagt Oma. 

Mit ihrer Hand fängt Mama eine meiner Tränen auf und sagt: „Es ist ok, wenn du traurig bist, weil ich weggehen muss.“ Mama zieht mich nah zu sich heran und gibt mir einen Kuss. Ich lege meinen Kopf auf ihre Brust und lausche ihrem Herzschlag. Das beruhigt mich etwas. Später kommt Papa zu uns. Besorgt hält er Mamas Hand und streichelt sie. Als ich meine Schulaufgaben mache, bleibt er bei ihr. Er möchte sie nicht mehr alleine lassen. 

Heute Nacht ist Mama gestorben. Ausgerechnet, als ich geschlafen habe. Das ist gemein! Ich wollte ihr doch auf Wiedersehen sagen. Papa nimmt mich auf den Arm und zusammen gehen wir zu ihr. Das Land hinter den Träumen muss sehr schön sein. Mama sieht ganz entspannt und friedlich aus. Wahrscheinlich auch, weil die Schmerzen weg sind. Trotzdem muss ich weinen. Papa auch. Ich vermisse Mama jetzt schon. Papa summt leise Mamas Lieblingslied. Lange sitzen wir bei ihr und schauen sie an. Mein Bauch tut wieder weh. Wir gehen in die Küche und Papa macht mir eine Wärmeflasche. Oma kommt auch. Sie und Papa erzählen mir, was sie mit Mama alles erlebt haben. 

Irgendwann wird Mama abgeholt. Ich will sie nicht gehen lassen und schreie ganz laut. Papa erklärt: „Mama wird zum Bestatter gebracht, dort wird sie hübsch gemacht.“ Am nächsten Tag fahren Papa und ich zum Bestatter. Wir malen den Sarg für Mama bunt an. Wir malen Schmetterlinge und einen großen Regenbogen. Papa malt noch ein großes Herz und ich eine strahlende Sonne. Unser Bild sieht sehr schön aus. Trotzdem fallen viele Tränen darauf, von Papa und von mir.

Papa, Oma und ich besuchen Mama heute noch ein letztes Mal beim Bestatter. Wir haben ihr viele Blumen mitgebracht. Außerdem lege ich ihr meinen Teddy in den Arm.

Heute wird Mama beerdigt. Der Himmel ist dunkel und grau. Ich möchte weglaufen. Papa hält meine Hand. Als der Sarg mit meiner Mama in die Erde gelassen wird, muss ich weinen. Plötzlich fliegt ein kleiner Schmetterling auf meine Schulter und ich weiß: Mama denkt genau jetzt an mich!

Es ist Herbst geworden. Papa und ich suchen Kastanien. Früher haben wir das immer zusammen mit Mama gemacht. Papa ist ganz still, seine Augen sind von den Tränen nass. Mein Herz schlägt schnell und in meinem Hals wird es ganz eng. Da hat Papa eine Idee: „Komm, Jule, wir lassen den Drachen steigen.“ Gemeinsam holen wir ihn aus dem Keller und lassen ihn auf der Wiese hinter dem Haus steigen. 

Der bunte Drache steigt hoch hinauf und ich frage aufgeregt: „Papa, kann Mama unseren Drachen vom Land hinter den Träumen aus sehen?“ „Ja, ganz sicher!“, sagt Papa. Dann laufen wir mit der Schnur in der Hand über die Wiese. Wir legen den Kopf in den Nacken und schauen unserem schönen Drachen zu, der oben zwischen den Wolken segelt.“

Das Buch:

„Abschied von Mama – Das Bilder-Erzählbuch aus der Buchreihe „Sowas!“ zum Trösten und Erinnern für Kinder, die ihre Mama verlieren“ begleitet traurige Kinder ab etwa sechs Jahren. Die Mit-Mach-Seiten zum Malen, Aufschreiben und Reden helfen, besser mit dem Verlust zurechtzukommen und die geliebte Mama in lebendiger Erinnerung zu behalten.

Auch Partner, Angehörige und weitere Bezugspersonen erfahren Unterstützung, indem die familiäre Situation offen und ehrlich illustriert und erzählt wird und Möglichkeiten zur emotionalen und praktischen Begleitung vorgestellt werden. 

Das Buch "Abschied von Mama" soll trauernden Kindern beim Verarbeiten ihrer Gefühle helfen und die Angehörigen unterstützen.
Das Buch "Abschied von Mama" soll trauernden Kindern beim Verarbeiten ihrer Gefühle helfen und die Angehörigen unterstützen.
Foto: edition riedenburg
 

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