UntreueCushioning – eine Form von emotionalem Betrug

Cushioning ist eine perfide Form der Untreue: sie beginnt schon am Anfang einer neuen Beziehung. Was du über emotionalen Betrug in Form von Cushioning wissen musst, erklärt hier Diplom-Psychologin und Single-und Paarberaterin Lisa Fischbach!

Inhalt
  1. Cushioning: kalkuliertes Ausnutzen in einer Beziehung 
  2. Wer Cushioning betreibt, nimmt in Kauf, dass der andere verletzt wird
  3. Männer oder Frauen – wer ist anfälliger für Cushioning? 
  4. Gibt es zuverlässige Signale für Cushioning?

 

Cushioning: kalkuliertes Ausnutzen in einer Beziehung
 

Cushioning ist eine besonders gemeine Art des Fremdgehens. Gemeint ist, sich parallel zur einer Beziehung eine andere Frau oder einen Mann warmzuhalten, damit man im Fall einer Trennung „weich fällt“ (engl. cushion = Kissen). 

Diese Strategie der Mehrgleisigkeit beginnt meist schon beim Kennenlernen oder in der Anfangsphase einer Partnerschaft: Man trifft mehrere interessante Dates gleichzeitig – und auch wenn sich eine Verbindung intensiviert, wird weiter mit anderen Bekanntschaften geflirtet, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Schließlich ist zu Beginn einer Liebe nicht gewiss, wie sich das Ganze entwickelt oder ob es sich nur um ein Strohfeuer der Gefühle gehandelt hat.

Dabei scheint es Persönlichkeitstypen zu geben, die im Warmwechseln oder Halten von Lückenbüßern eine legitime Lösung sehen, um Alleinsein zu vermeiden

 

Wer Cushioning betreibt, nimmt in Kauf, dass der andere verletzt wird

Hinter Cushioning steckt, kurz gesagt, schlicht rücksichtloser Egoismus. Wer Cushioning betreibt, verfolgt den eigenen emotionalen Gewinn, nicht allein sein zu müssen auf Kosten anderer. Denn er nimmt bewusst in Kauf, dass der andere verletzt wird.

Gerade bei Liebe und Partnerschaft geht es aber um sensible Gefühle, darum, sich zu öffnen, sich einzulassen, sich mit seinem Innersten zu zeigen. Durch kalkuliertes Ausnutzen wie beim Cushioning wird Vertrauen missbraucht und nachhaltig beschädigt. Betrachten wir das ganze Ausmaß der Warmhaltetaktik, zeigt sich sogar, dass es mehr Betrogene gibt.​

Cushioning ist eine hinterhältige Form der Untreue, bei der bewusst in Kauf genommen wird, dass der andere verletzt wird.
Cushioning ist eine hinterhältige Form der Untreue, bei der bewusst in Kauf genommen wird, dass der andere verletzt wird.
Foto: iStock

Doch nicht nur der der Partner wird beim Cushioning emotional hintergangen und in einer Scheinsicherheit gehalten. Auch das wartende Date oder die neue Partnerin in spe, die zur emotionalen Abfederung gebraucht wird, ist zunächst nur Mittel zum Zweck. Und im besten Fall zweite oder dritte Wahl. 

 

Männer oder Frauen – wer ist anfälliger für Cushioning?
 

  • Das Hauptmotiv von Cushioning ist,  Alleinsein zu vermeiden. Wer dazu neigt, erlebt Alleinsein als sehr unangenehm oder hat diesbezüglich sogar Ängste. Anfällig sind Menschen, die nur über eine geringe Single-Kompetenz verfügen. Wer sich als Solist unwohl fühlt, wem es kaum gelingt, ohne Partner für sich zu sorgen, zu kochen, sein Leben ansprechend zu gestalten, wer wenig emotionale Nähe aus engen Freundschaften zieht, der ist abhängiger davon, schnell wieder in einer Beziehung zu sein. Da Frauen häufiger die besseren Gefühlsmanagerinnen sind und über intensivere Freundes- und Familiennetzwerke verfügen, mit denen sie ihre emotionale Balance stabilisieren können, sind sie weniger anfällig, diese Art der Hinhaltestrategie einzusetzen. 
     
  • Laut einer ElitePartner-Studie von 2018 haben zehn Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen in einer Beziehung andere warmgehalten, damit sie im Falle einer Trennung weich fallen. Vermutlich sind die Zahlen höher, wenn man die Bedeutung von Cushioning auch auf die Dating- und Anfangsphase einer Beziehung erweitert. Zudem spielt natürlich die soziale Erwünschtheit eine Rolle – nicht jeder gibt ein solches Verhalten offen zu.
     
  • Männer in den Dreißigern haben sich mit 13 Prozent bereits am häufigsten zu Cushioning hinreißen lassen. Das hat sicherlich viel mit der besonderen psychischen Situation von Männern dieser Altersgruppe zu tun. In dieser Lebensphase herrscht bei den meisten Männern der Wunsch, sich fest zu binden, auch mit der Perspektive einer Familiengründung.
     
  • Gleichzeit haben viele Männer in ihren Dreißigern mit Unsicherheitsgefühlen zu kämpfen. So nennen in der ElitePartner-Studie zwei Drittel der befragten Männer als Grund für ihr Singlesein, dass sie schüchtern sind. 40 Prozent zweifeln an ihrer Attraktivität und 60 Prozent haben Angst, (wieder) enttäuscht zu werden. Da mag für einige die mehrgleisige Warmhaltestrategie wie ein sinnvolles Rezept wirken. 

Zudem ist aus verschiedenen ElitePartner-Studien belegt, dass Männer grundsätzlich eine geringere Single-Kompetenz haben als Frauen. Das macht sie auf gewisse Weise abhängiger von einer Beziehung. Ihr Leidensdruck als Single ist häufig höher, deshalb sehen sie die Lösung des Problems in einer neuen Beziehung. Zudem verarbeiten viele Männer Liebeskummer anders als Frauen. Sie sind weniger geübt darin, sich mit belastenden Gefühlen wir Schmerz, Selbstzweifel und Ängsten auseinanderzusetzen. Das hat immer noch etwas mit der häuslichen Erziehung zu tun.

Auch wenn sich das gesellschaftliche Bild des Mannes heutzutage immer mehr erweitert und im eigenen Rollenverständnis von Männern das Zulassen von Gefühlen zunehmend verankert wird, fühlen sich viele Männer allein und hilflos mit solchen Emotionen. Meist fehlt es auch an vertrauten Freunden, mit denen sie intim und offen sprechen können. Aber auch Frauen sind nicht immun, in der Liebe ein unfaires Spiel zu treiben. Wie aber kann man sich vor so einer Erfahrung schützen?

 

Gibt es zuverlässige Signale für Cushioning?

Oft sind die Hinweise nicht eindeutig. Beim Dating erlebt man den anderen zunächst als Unbekannten, kann das Gegenüber schwer einschätzen. Was im Hintergrund passiert, ist oft nicht spürbar. Die große Anziehung, die frische Paare in der Anfangsphase erleben, lässt sie Unstimmigkeiten zudem leicht übersehen.

  • Was helfen kann ist, in die Liebesbiografie des Dates zu schauen. Wie hat er oder sie die vergangenen Beziehungen beendet, gab es schon längere Phasen als Single? Hier lohnt es, genau hinzuhören. Wer seit zehn Jahren Beziehungs-Hopping betreibt, könnte anfällig für Cushioning sein.
     
  • Spannend ist, darüber zu reden, wie man das Leben ohne Partner erlebt. Wer nur über das Alleinsein klagt, wer für eine neue Beziehung über die Maßen kompromissbereit ist, der ist möglicherweise abhängiger vom Gefühl des Zusammenseins.

Zu viel Vorsicht ist aber auch kein gutes Rezept. Misstrauen schützt nicht davor, Opfer von Cushioning zu werden. Die skeptische Haltung verpestet vielmehr die Unbeschwertheit des Verliebens und der Liebe. Genauso wenig sinnvoll ist es, sich in naivem Vertrauen und Gutgläubigkeit zu üben. Wer merkt, dass sich etwas emotional verändert, besonders in Beziehungen, der sollte nicht darüber hinwegschauen, sondern die Entwicklung ansprechen. Oft wird sich nämlich erst ein „Sprungbrett“ warmgehalten, wenn es im Miteinander kriselt. 

In der Liebe gibt es keine hundertprozentige Sicherheit oder einen Schutz vor Verletzungen. Doch die eigene Intuition und der Mut zur ehrlichen, offenen Kommunikation kann helfen, das unfaire Spiel eines Cushionisten zu enttarnen

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Unsere Autorin:

Lisa Fischbach ist Diplom-Psychologin und Single- und Paarberaterin und somit absolute Expertin für schwierige Liebes-Themen.
Lisa Fischbach ist Diplom-Psychologin und Single- und Paarberaterin in eigener Praxis. Seit über zehn Jahren leitet sie den Bereich Forschung und Matchmaking bei ElitePartner. Aufgrund ihrer langjährigen Arbeit in Praxis und Forschung ist sie in Deutschland eine der bekanntesten Expertinnen im Bereich Partnerwahl, Partnerschaft und Online-Partnersuche.
Foto: privat

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