#WunderbarECHTDas Leben ist (k)ein Ponyhof! Oder doch?

Pferde machen glücklich! Die Pferdewelt kann einen aber auch immer wieder an den Rand des Wahnsinns treiben und spätestens dann stellt man schlagartig fest, dass das Leben eben doch kein Ponyhof ist – oder doch?

Inhalt
  1. Warum die Realität nichts mit ‚Bibi & Tina‘ zu tun hat
  2. Warum grundlegende Werte in der heutigen Pferdewelt verloren gehen
  3. Zwischen Stallarbeit und Mobbing – wenn dich dein Hobby an die Grenzen bringt

„Und? Hast du deine Pferde noch?“ Eine Frage, die mir nicht allzu selten gestellt wird. In der Wahl meiner Antwort werde ich mittlerweile immer kreativer, da mir aber bisher niemand geglaubt hat, dass sie über Nacht plötzlich ausgewandert sind, verkneife ich mir meist die sarkastische Antwort und sage: „Ja, natürlich!“

So natürlich ist das für den Großteil meiner Freunde aber nicht, wenn sie darüber nachdenken, dass sie nach ihrem 40-Stunden-Job selbst kaum Zeit für ausgeprägte Hobbys haben. Ich hingegen genieße es, bei Wind und Wetter draußen zu sein. Wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag, die weichen Nüstern streichle, geht mir das Herz auf. Mehr braucht es gar nicht, um jedem Tag den perfekten Abschluss zu geben, auch wenn er noch so schlimm gewesen ist. Ein abendlicher Ausritt unter dem Sternenhimmel kann einfach unglaublich befreiend sein, auch wenn die Mehrheit zu dieser Zeit bereits seit zwei Stunden auf dem Sofa liegt. Haustiere sind einfach etwas Tolles, sie sind eben doch die besseren Menschen. Vielleicht würden mir hier sogar nicht nur die Hundebesitzer zustimmen.

 

Warum die Realität nichts mit ‚Bibi & Tina‘ zu tun hat

Das Leben ist kein Ponyhof
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Foto: Sitikka / iStock

Aber wie so vieles, ist auch das Leben mit zwei Pferden – ja, es sind mittlerweile, aus der Not heraus, zwei geworden, aber das ist eine andere Geschichte – nicht immer nur schwarz oder weiß. Ziemlich oft, bin ich meilenweit entfernt von der so oft suggerierten heilen ‚Bibi & Tina‘-Welt, in der ich nur zu gerne leben würde. Das Leben mit Pferden ist nämlich nicht immer nur das, was man im Kino oder auf Instagram zu sehen bekommt. Es ist verbunden mit viel Verantwortung und erfordert neben einem guten Zeit- und Finanzmanagement auch jede Menge Durchhaltevermögen. Vielen meiner Freunde scheint das wohl doch klarer zu sein, als ich immer gedacht habe, weshalb ich auf die oben genannte Frage mittlerweile deutlich gelassener reagiere. In der Welt in der ich lebe, kommen die richtigen Feinde nämlich aus der Reiterwelt selbst und können dir das schönste Hobby der Welt so richtig zur Hölle machen.

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Warum grundlegende Werte in der heutigen Pferdewelt verloren gehen

Wer jetzt gedacht hat, dass ich mit dem Realitätsvergleich auf die Berge von Pferdeäppeln anspiele, die von mir natürlich täglich aufgesammelt und entsorgt werden müssen, irrt sich leider gewaltig. Die Stallarbeit kann zwar bei Orkanböen, Minusgraden oder dem, in Hamburg so beliebten, strömenden Regen einen faden Beigeschmack haben, gehört aber nun mal dazu und wird zumindest von mir sehr gerne verrichtet. Wer das Hobby ‚Pferd‘ mit Leidenschaft betreibt, ist sich nämlich für nichts zu schade und würde in der Regel alles für seine Schützlinge tun, da steht die artgerechte Versorgung natürlich an erster Stelle. Dass man diese Tätigkeiten in den bekannten Pferdefilmen eher selten zu Gesicht bekommt, liegt schlichtweg daran, dass sie nicht sehr spannend sind und eben einfach dazu gehören, wie so ziemlich jeder Pferdeinfizierte weiß.
Viel schlimmer ist es, dass sich unsere heutige Pferdewelt scheinbar nicht mehr an grundlegenden Werten, wie sie einst in den ‚Immenhof-Filmen‘ vermittelt wurden, orientiert. So gehen heutige Pferdefilme beispielsweise auf die politische Lage in Amerika ein, vergessen jedoch, ihren Zuschauern mitzuteilen, wie wichtig ein fairer und freundlicher Umgang miteinander ist – vor allem, wenn man das schönste Hobby der Welt teilt.

 

Zwischen Stallarbeit und Mobbing – wenn dich dein Hobby an die Grenzen bringt

Dass Reiterleute oft als ‚schwierig‘ betitelt werden, ist für mich nachvollziehbar, schließlich möchte doch jeder nur das Beste für seinen Vierbeiner und da kann es schon mal zu Reibereien kommen. Wenn aus Unstimmigkeiten aber ernst zu nehmende Konflikte werden, die schließlich in Mobbing und Schikane enden, hört bei mir das Verständnis auf. Niemals hätte ich gedacht, dass ausgerechnet mir so etwas passiert. Mit meiner direkten, aber auch sehr lösungsorientierten Art, räume ich Konflikte nämlich in der Regel zügig aus dem Weg. Genau das wird aber zum Problem, wenn es gar nicht gewollt ist, dass sich Konflikte lösen, weil endlich jemand gefunden wurde, dem man immer und immer wieder den schwarzen Peter zuschieben kann. So musste ich auf die harte Tour lernen, wann es besser ist, klein beizugeben und wann es wichtig ist, den Mund aufzumachen. Als mir wieder einmal angekreidet wurde, die Pferde nicht ordentlich versorgt zu haben und ich Hasstiraden über Whats App empfangen musste, weil ich angeblich ein Pferd falsch geführt hatte, ist mir endlich klar geworden, dass mich mein Hobby an die Grenzen bringt, wenn ich so weitermache. Der tägliche Gang in den Stall war zu einem Spießrutenlauf geworden, den ich einfach nicht mehr tolerieren konnte.

Dass ich diese unschöne Erfahrung am Ende nicht alleine machen musste, habe ich als größtes Glück empfunden. Gemeinsam fällt einem das Durchhalten nämlich noch ein bisschen leichter und mit ein wenig Abstand, bin ich sogar froh darüber, auf diese Weise eine so gute Freundin gewonnen zu haben. Mittlerweile kommt mein Leben dem Ponyhof wieder sehr nahe und ich bin mir nach den Erfahrungen aus dem letzten Jahr ziemlich sicher, dass ich auf die Frage „Hast du deine Pferde noch?“, auch in zehn Jahren noch folgende Antwort erwidern kann: „Ja, natürlich! Du weißt doch, mein Leben ist ein Ponyhof!“

Autorin: Jessica Jansen

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