Kinder als Content: Dieses Bundesland will Regeln für Familien-Influencer verschärfen
Wenn Eltern in Deutschland mit ihren Kindern auf Social Media Geld verdienen, geschieht das bislang weitgehend ohne klare gesetzliche Vorgaben. Genau das möchte der Niedersächsische Landtag nun ändern.
Familien-Influencer präsentieren ihren Alltag, testen Produkte und verdienen damit Geld oder posten emotionale Momente – oft mit ihren Kindern im Mittelpunkt. Für die rot-grüne Koalition ist klar: Sobald Kinder regelmäßig in werblichen Inhalten auftreten, handelt es sich um Arbeit. Und die müsse – wie bei Film- oder Fernsehproduktionen – gesetzlich geregelt sein.
Kinder dürfen kein Geschäftsmodell sein
Geplant ist, Influencing ausdrücklich in das Jugendarbeitsschutzgesetz aufzunehmen. Künftig könnten Unternehmen, Agenturen oder auch Vereine verpflichtet werden, eine behördliche Ausnahmegenehmigung zu beantragen, wenn Kinder an Werbeinhalten beteiligt sind. Für Kinder unter drei Jahren soll es weiterhin keine Ausnahmen geben.
SPD-Politiker Jörn Domeier betonte am vergangenen Mittwoch im Landtag: „Kinder dürfen nicht zum Geschäftsmodell werden.“ Ihre Privatsphäre und Entwicklung müssten geschützt werden.
Vorbild Frankreich: Geld fürs Kind sichern
Als Orientierung dient Frankreich. Dort gelten bereits strengere Regeln für Kinder-Influencer. Eltern benötigen eine behördliche Genehmigung, wenn ihre Kinder regelmäßig in monetarisierten Inhalten auftreten. Zudem muss ein erheblicher Teil der Einnahmen auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden, auf das die Kinder erst später zugreifen können. Verstöße können empfindliche Geld- oder sogar Haftstrafen nach sich ziehen.
Auch Niedersachsen möchte sich auf Bundesebene für vergleichbare Regelungen einsetzen. Ziel ist es, die finanzielle Absicherung der Kinder sicherzustellen – und gleichzeitig klare Grenzen zu setzen.
Kinder müssen vor digitaler Dauerpräsenz geschützt werden
Die Grünen-Abgeordnete Swantje Schendel sprach davon, dass Kinder in einem „digitalen Schaufenster“ aufwachsen, das sie sich nicht ausgesucht haben. Wenn Szenen wiederholt oder inszeniert werden, sei das klar als Arbeit zu werten. Bislang fehlen jedoch Kontrollmechanismen im Social-Media-Bereich. Deshalb soll die Landesregierung gemeinsam mit Gewerbeaufsichts- und Jugendämtern prüfen, wie bestehende Schutzregeln besser durchgesetzt werden können.
Kinder als Content: Kritik aus der Opposition
Die AfD stimmte gegen den Antrag. Sie warf der Koalition vor, Eltern zu bevormunden. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) entgegnete, Kinder hätten eigene Rechte und seien kein Besitz der Eltern. Auch Unternehmen müssten stärker in die Verantwortung genommen werden.
Die CDU enthielt sich. Ihr geht der Vorstoß nicht weit genug. Sie fordert ein umfassenderes Konzept, das auch nicht-kommerzielle Veröffentlichungen einbezieht – etwa wenn Eltern Bilder ihrer Kinder im WhatsApp-Status teilen.
Warnungen von Kinderschutzorganisationen
Anlass für den Antrag waren unter anderem auch veröffentlichte Gutachten und Berichte des Deutschen Kinderhilfswerk. Der Kinderarbeitsreport 2024 des Terre des Hommes bezeichnet Influencer-Marketing auf Familienkanälen als neue Form von Kinderarbeit. Fachleute warnen vor möglichen Entwicklungsrisiken, Bindungsstörungen und dem dauerhaften Verlust der Privatsphäre.
Ob und wann bundesweit verbindliche Vorgaben folgen, bleibt abzuwarten. Die Debatte zeigt jedoch: Das Thema Familien-Influencer ist längst kein harmloser Trend mehr, sondern eine gesellschaftliche Frage von Verantwortung, Kinderrechten – und klaren Grenzen.
Quellen
NDR: Kinder auf Social Media: Land will Regeln für Familien-Influencer (zuletzt abgerufen am 10.03.2026)
Landtag Niedersachsen: Schutz für Kinder in den sozialen Medien stärken - Gefahren des Influencer-Marketings entschlossen begegnen (zuletzt abgerufen am 10.03.2026)
Landtag Niedersachsen: Tagesordnung mit aktualisierten Redezeiten für den 32. Tagungsabschnitt 3. bis 5. März 2026 - 86. bis 88. Sitzung - (zuletzt abgerufen am 10.03.2026)









