Kinder vor Gericht: Stefanie Hubig will junge Zeugen endlich besser schützen
Ein Gerichtssaal, schwarze Roben, fremde Erwachsene – für Kinder ist eine Aussage vor Gericht oft eine extreme Belastung. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will das ändern und setzt sich für mehr Schutz und kindergerechte Vernehmungen ein.
Für Kinder kann eine Aussage vor Gericht zur emotionalen Ausnahmesituation und absoluter Belastungsprobe werden. Die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sprach laut Informationen, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, sogar von „absoluter Hilflosigkeit“ und davon, dass viele Kinder im Gerichtssaal „extrem eingeschüchtert“ seien. Laut Hubig gebe es auch Untersuchungen, die zeigen würden, dass intensive Befragungen bei jungen Zeugen im schlimmsten Fall zu Retraumatisierungen führen können. Um das zu verhindern, sollen Kinder künftig besser geschützt werden – mit sogenannten kindergerechten Vernehmungszimmern.
Kindergerechte Vernehmungsräume: Weniger Druck, mehr Schutz
Solche Räume wurden bereits in Potsdam und auch in weiteren Bundesländern eingerichtet. Statt im klassischen Gerichtssaal werden Kinder hier in einer ruhigeren, angepassten Umgebung befragt – oft in Begleitung einer Vertrauensperson. Ihre Aussage wird per Video aufgezeichnet und später in der Hauptverhandlung als Beweismittel abgespielt. So müssen die jungen Zeugen nicht erneut vor Gericht erscheinen oder dem Angeklagten begegnen.
Der Raum sei bewusst freundlich gestaltet: ein paar Kuscheltiere, mehrere Kameras – sogar eine Deckenkamera, um Zeichnungen der Kinder aufzunehmen. „Wir sind immer noch in einer Vernehmungssituation“, betont jedoch eine Ermittlungsrichterin, die darauf verweist, dass zu viel Spielzeug ablenken könne.
Seit der ersten Nutzung im Oktober 2024 wurde das Zimmer laut einer Richterin des Amtsgerichts bereits rund 30-mal eingesetzt. Weitere Standorte in Brandenburg und auch in Frankfurt (Oder) sind geplant.
Ein Umdenken in der Justiz
Für Stefanie Hubig ist klar: „Zeugen dürfen nicht zu einem Objekt werden.“ Während früher vor allem die persönliche Aussage im Gerichtssaal als unverzichtbar galt, rückt heute der Opferschutz stärker in den Fokus. Auch Brandenburgs Justizminister Benjamin Grimm spricht von einem spürbaren Wandel: Die Bedürfnisse junger Zeugen würden inzwischen ernster genommen. Dies sei laut ihm auch vielen leitenden Justizbeamten eine ,,Herzensangelegenheit“.
Denn eines dürfe nicht vergessen werden: Kinder sind „Menschen, denen etwas passiert ist“, so Hubig. Ein Gerichtsverfahren müsse dieser besonderen Situation zukünftig gerecht werden.
Kinderschutzbund fordert mehr als nur neue Räume
Doch nicht alle sind zufrieden. Der Kinderschutzbund begrüßt die kindergerechten Vernehmungszimmer zwar als „wichtigen ersten Schritt“, betont aber: Ein geschützter Raum allein reicht nicht aus.
Entscheidend seien laut einer Sprecherin des Vereins auch speziell geschulte Richter*innen im Verfahren. Sie und auch alle weiteren Beteiligten müssten wissen, wie Kinder Belastungssituationen erleben und wie sensible Befragungen geführt werden. Außerdem brauche es eine bessere Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, der Jugendhilfe und anderen Unterstützungssystemen.
Quellen
Mitteldeutsche Zeitung: Kinder vor Gericht: Hubig will die Jüngsten besser schützen (zuletzt abgerufen am 02.02.2026)
Süddeutsche Zeitung: Kinder vor Gericht: Hubig will die Jüngsten besser schützen (zuletzt abgerufen am 02.03.2026)








