Missbrauch im NetzCybergrooming: Wie kann ich mein Kind schützen?

Die Zahlen sind erschreckend. Rund 250.000 Kinder sind in Deutschland schon Cybergrooming zum Opfer gefallen. Doch wie kann ich mein Kind vor Missbrauch im Netz schützen?

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Inhalt
  1. Was ist Cybergrooming?
  2. Wie funktioniert Cybergrooming im Netz?
  3. Wie können Eltern Cybergrooming verhindern?

Es sind Zahlen, die uns Eltern alarmieren. Rund 250.000 Kinder seien laut einer Studie in Deutschland schon über Onlinespiele oder soziale Medien von Erwachsenen kontaktiert worden, mit dem klaren Ziel, sie sexuell zu missbrauchen. Cybergrooming lautet der Fachausdruck für dieses übergriffige Verhalten. Doch wie können Eltern ihre Kinder schützen?

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Was ist Cybergrooming?

Grooming nennt man das strategische Vorgehen von Tätern und Täterinnen gegenüber Jungen und Mädchen im Internet. Sie suchen gezielt den Kontakt, versuchen ihr Vertrauen zu gewinnen, manipulieren sie und ihre Wahrnehmung, um sie so gezielt in Abhängigkeiten zu verstricken und von ihrem sozialen Umfeld zu isolieren. Auch wenn diese Handlungen in einem Chatroom stattfinden, gelten sie als Vorbereitung zu sexuellem Kindermissbrauch und sind somit strafbar.

Experten sprechen von Cybergrooming, wenn sich Täterinnen und Täter im Internet gezielt auf die Suche nach ihren Opfern machen. Dafür nutzen sie soziale Medien wie zum Beispiel Instagram oder Snapchat, aber auch die Chatfunktionen von Online-Spielen werden immer öfter missbraucht, um Kontakt zu Kindern und Jugendlichen herzustellen.

Das Internet bietet für die Täter viele Vorteile: zum einen die Anonymität. Sie können Kinder gezielt ansprechen, ohne im ersten Moment entdeckt zu werden, denn meistens geben sich die Täterinnen und Täter als Gleichaltrige oder ältere Schüler aus, um das Vertrauen zu gewinnen. Zum anderen können sie schnell wertvolle Informationen über die Kinder und Jugendlichen sammeln. Ihre Profile verraten meist Hobby, Alter, Musikgeschmack, Lieblingsserie und ähnliche Infos. Mit diesen wertvollen Informationen können sie Gemeinsamkeiten vortäuschen und so schnell Nähe und Vertrauen zu den Kindern herstellen.

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Zum anderen fühlen sich Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt sicher. Schutzmechanismen, die im analogen Leben greifen, versagen im Web. Wenn sie zum Beispiel auf der Straße ein Fremder anspricht und mit ihnen über ihre Hobbys sprechen möchte, würden die meisten Kinder automatisch auf Abstand gehen. Im Chat oder in sozialen Medien ist es für Kinder dagegen spannend, sich mit vermeintlich Älteren auszutauschen, sie fühlen sich sogar geschmeichelt über dieses Interesse. Nicht selten sind die Täter auch keine Fremden, sondern gehören zum Bekanntenkreis der Eltern und versuchen über das Internet Kontakt zu den Jungen und Mädchen aufzunehmen.

Die Täterinnen und Täter werden schnell zu Vertrauenspersonen, weil sie vorgeben, die Kinder zu verstehen und ihre Abneigung gegen die "uncoolen" Eltern oder Erwachsenen zu teilen. Diese virtuelle Freundschaft wird sehr intensiv gepflegt und nicht selten erleben Mädchen und Jungen erstmalig ein großes Interesse an ihrer Person und ihrem Leben, das ihr oder ihm bisher gefehlt hat. Themen wie Sex und Liebe kommen in der Regel sehr schnell zur Sprache. Die Täter fragen ihre Opfer nach Aussehen, ersten sexuellen Erfahrungen oder Fantasien allerdings eher auf die romantische Schiene, weshalb die Kinder und Jugendlichen die Anzüglichkeiten oft nicht als unpassend empfinden.

 

Wie funktioniert Cybergrooming im Netz?

Das klare Ziel von allen Täterinnen und Tätern ist natürlich, die Kinder und Jugendliche im realen Leben zu treffen, dafür nutzen sie das Vertrauen der Mädchen und Jungen drängen auf ein Treffen "offline". Treffen die Opfer persönlich auf ihre Täter, kommt es immer wieder zu sexuellem Missbrauch. Oft schweigen die Kinder und Jugendlichen jedoch, weil sie das Treffen vor ihren Eltern geheim gehalten haben oder sich schämen, weil sie etwas Verbotenes getan haben. Nicht selten werden sie von den Tätern unter Druck gesetzt: "Wenn du das deinen Eltern verrätst, passiert ihnen etwas Schlimmes!"

Doch der Missbrauch findet nicht nur offline statt. Die Täter nutzen ebenfalls die Möglichkeit der sexuellen Gewalt im Netz, in dem sie die Jungen und Mädchen auffordern, ihnen freizügige Fotos von sich zu schicken. Das Versenden solcher freizügiger Bilder ist längst Teil des digitalen Alltags. Besonders Jugendliche experimentieren gerne mit ihrer Selbstdarstellung in sozialen Medien. Das Versenden von aufreizenden Fotos "im Vertrauen" weckt bei ihnen die Hoffnung, vom Empfänger (Täter) ein positives Feedback zu bekommen.

Und genau in diesem Moment schnappt die Cybergrooming-Falle zu: Denn nun haben die Täterinnen und Täter das ideale Druckmittel gegen die Opfer in der Hand. Nun drohen sie den Kindern und Jugendlichen die Bilder zu veröffentlichen und fordern weiteres Bildmaterial oder gar Filme, die sexuelle Handlungen der Jungen und Mädchen zeigen. Manche nutzen das Druckmittel auch, um ihre Opfer zu einem persönlichen Treffen zu überreden, um sich dann an ihnen zu vergehen.

Durch die Erpressung spüren die Mädchen und Jungen selbst, dass sie einen Fehler gemacht haben, doch es wird für sie immer schwieriger, sich jemandem anzuvertrauen, weil sie sich schuldig und gar verantwortlich fühlen.

 

Wie können Eltern Cybergrooming verhindern?

Aufklärung ist das A und O. Je besser Kinder und Jugendliche über die Gefahren des Internets Bescheid wissen, umso schneller können sie diese auch erkennen. Außerdem ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche zu jeder Zeit eine Vertrauensperson in ihrem Leben haben, der sie sich anvertrauen können. Pubertätsbedingt ist es nicht ungewöhnlich, wenn das Verhältnis zu den Eltern ein bisschen angespannt ist, dann ist es aber wichtig, das vielleicht die Patentante oder ein Freund ein vertrauenswürdiger Ansprechpartner ist, wenn die Kinder und Jugendlichen Fragen oder ein komisches Bauchgefühl haben.

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Von Anfang an sollten Eltern kritisch im Blick haben, welche Daten ihre Kinder im Netz teilen, denn sind einmal persönliche Daten und Fotos gesendet, können diese nur sehr schwer wieder gelöscht werden. Es ist wichtig, dass Daten über soziale Medien und Chats so sparsam wie möglich herausgegeben werden. Eltern sollten immer ein Auge darauf haben, in welchen sozialen Medien ihre Kinder unterwegs sind und mit wem sie im Web Kontakt haben. Sind Kinder und Jugendliche erst mal von den Täterinnen und Tätern in ihren Bann gezogen worden, ist es schwer, sie davon wieder loszubekommen.

Für Eltern ist es ein schmaler Grat zwischen Kontrolle und Vertrauen, besonders bei Teenagern. Sie wollen sich frei im Netz bewegen, auf ihren Social-Media-Accounts nicht von Mama und Papa überwacht werden. Hier ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Sprecht offen mit eurem Nachwuchs über die Gefahren von Cybergrooming und Mobbing im Netz. Denn nur wenn sie dafür sensibilisiert werden, haben sie bei einem komischen Bauchgefühl das Bedürfnis, sich euch oder einer Vertrauensperson anzuvertrauen.

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