Diagnose MSMultiple Sklerose: Die Krankheit, die häufig junge Frauen trifft

MS kann jeden treffen. Besonders häufig erkranken jedoch junge Frauen. Wieso? Und was bedeutet die Diagnose Multiple Sklerose? Ursachen, Symptome und Therapie der Krankheit.

Inhalt
  1. MS: Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern
  2. Symptome: Wie macht sich Multiple Sklerose bemerkbar? 
  3. Wie entsteht Multiple Sklerose? Was passiert bei MS im Körper?
  4. Wieso erkranken Frauen häufiger an Multipler Sklerose?
  5. Prognose: Was bedeutet die Diagnose MS?

Es begann mit einem Kribbeln. „Mein Fuß ist schon wieder eingeschlafen“, beklagte sicht Laura scherzhaft vor ihrem Freund. Er beruhigte sie, sie dachte sich nichts dabei. Doch irgendwann blieb das Kribbeln. Ein eingeklemmter Nerv, niedriger Blutdruck – das waren die Erklärungen, die die 25-Jährige von ihrem Arzt erwartete. Multiple Sklerose war die Diagnose, die sie wenige Wochen später überfiel. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits von MS gehört, mehr aber auch nicht. Dass die Erkrankung ihr Leben zwar änderte, aber nicht zerstörte, erfuhr sie am eigenen Leib – und dass MS keinesfalls ein Todesurteil bedeutet.

 

MS: Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern

Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Das Erkrankungsbild ist von Mensch zu Mensch verschieden – weshalb MS auch die Krankheit mit den 1000 Gesichtern genannt wird.

In Deutschland leiden etwa 200.000 Menschen an MS, jährlich kommen 2.500 neue Diagnosen hinzu. Das Auffällige: Ein Großteil der Erkrankten ist weiblich. Frauen sind knapp vier Mal so häufig von Multipler Sklerose betroffen wie Männer.

Die ersten Symptome treten meist im frühen Erwachsenenalter auf. Da diese sehr unspezifisch sind, können eine Reihe von Krankheitsanzeichen mit Multipler Sklerose in Verbindung gebracht werden – ebenso aber mit anderen Erkrankungen, weshalb das Feststellen einzelner Symptome noch nicht bedeutet, an MS erkrankt zu sein.

 

Symptome: Wie macht sich Multiple Sklerose bemerkbar?
 

 
  • Motorische Störungen
  • Lähmungen
  • Entzündung der Sehnerven: Sehstörungen, verschwommen, nebelig sehen
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Missempfindung, Taubheitsgefühl
  • Blasenstörungen
  • Unsicheres Gehen oder Greifen
  • Verwaschene Aussprache
  • Doppelbilder
  • Spastik, Steifigkeitsgefühl
  • Erschöpfung, Müdigkeit, Schwindel
  • Kognitive Probleme: Aufmerksamkeits-, Konzentrationsstörungen
  • Depressive Verstimmungen
  • Undefinierbare Schmerzen
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Sichtlich ist die Liste der Symptome lang. Die eindeutige Diagnose erfolgt erst nach einer Reihe neurologischer Untersuchungen. Dazu wird ein MRT (Magnetresonanztomographie) des Gehirns und Rückenmarks vorgenommen.

 

Wie entsteht Multiple Sklerose? Was passiert bei MS im Körper?

Bei MS kommt es immer wieder zu Entzündungen im Bereich des Gehirns und Rückenmarks. Das Gehirn sendet normalerweise Botschaften an andere Körperteile, beispielsweise, sich zu bewegen.  

Durch Entzündungen kommt es jedoch zu Störungen dieser Signalübertragung. Wir können nicht mehr so reagieren, wie unser Gehirn es sich vorgestellt hat. Eine solche Entzündung wird auch Schub genannt und geht nach einiger Zeit wieder zurück. Stress oder Infektionen können einen Ausbruch begünstigen.

Ein Schub kann wenige Tage, aber auch mehrere Wochen anhalten. Der Abstand zwischen den Schüben ist ebenfalls unterschiedlich, es können Wochen, Monate oder aber Jahre dazwischenliegen. Doch auch wenn der Schub vorbei ist, können Symptome zurückbleiben, wenn das Nervengewebe beispielsweise vernarbt.

Die genauen Ursachen für die Entzündungsherde sind noch immer ungeklärt. Man geht heutzutage von einer Auto-Immunreaktion aus. Das Immunsystem soll den Körper normalerweise schützen, beginnt bei MS jedoch, auch körpereigene Zellen anzugreifen.

Multiple Sklerose ist besonders unter Frauen verbreitet.
Multiple Sklerose ist besonders unter Frauen verbreitet.
Foto: iStock
 

Wieso erkranken Frauen häufiger an Multipler Sklerose?

 

Forscher gehen davon aus, dass die hohe weibliche Erkankungszahl etwas mit einem bestimmten Eiweißmolekül zu tun hat, das im weiblichen Gehirn in deutlich höherer Konzentration zu finden ist. Das Protein beeinflusst, ob Immunzellen über die Blut-Hirn-Schranke gelangen können, leitet aber auch MS-Zellen weiter. Das weibliche Gehirn weist eine größere Anzahl des Proteins auf, so dass mehr Immunzellen durchgeschleust werden – darunter auch kranke.

Multiple Sklerose wirft jedoch bis heute viele Fragen auf, so dass die genaue Entstehung noch nicht geklärt ist.

 

Prognose: Was bedeutet die Diagnose MS?

MS ist als Krankheit den meisten Menschen ein Begriff. Doch viele verbreitete Annahmen über die Erkrankung sind falsch, weshalb die Deutsche Gesellschaft für Multiple Sklerose auf ihrer Website klarstellt:

„Multiple Sklerose ist nicht ansteckend, nicht zwangsläufig tödlich, kein Muskelschwund und keine psychische Erkrankung. Auch die häufig verbreiteten Vorurteile, dass MS in jedem Fall zu einem Leben im Rollstuhl führt, sind so nicht richtig.“

Der Verlauf der Krankheit ist individuell und somit nicht vorhersehbar. Fest steht, dass Multiple Sklerose zwar nicht heilbar, heute aber gut behandelbar ist. Dabei kommen Medikamente zum Einsatz, die die Zeitspanne zwischen den Entzündungen vergrößern oder aber die Schübe ganz stoppen sollen.

Lauras Diagnose liegt mittlerweile sechs Jahre zurück. Die Schübe kommen und gehen. Mal hinkt sie, mal fühlt ihre Hand sich taub an. Nicht nur die Medikamente, auch Laura hat sich gut auf ihre Krankheit eingestellt. Ihr Leben ist nicht weniger lebenswert als früher - im Gegenteil, sie genießt es bewusster.

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(ww4)

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