Psychische ErkrankungenOnline-Therapie - eine Alternative zur Gesprächstherapie?

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen. Wer das nötige Kleingeld nicht hat, muss oft monatelang auf einen Therapieplatz warten. Online-Therapie soll jetzt eine Alternative bieten, aber kann die digitale Therapieform eine herkömmliche Gesprächstherapie ersetzen?

Inhalt
  1. Therapieplätze sind rar
  2. Online-Therapie als Soforthilfe
  3. Digitale Therapie sorgt für Flexibilität
  4. Wie funktioniert eine Online-Therapie?
  5. Wer trägt die Kosten der digitalen Therapie?
  6. Kann eine digitale eine ambulante Therapie ersetzen?
 

Therapieplätze sind rar

Psychische Erkrankungen kündigen sich häufig nicht im Voraus an, sondern treffen Betroffene plötzlich, da eine Situation oder die Summe mehrerer Faktoren zu einem Zusammenbruch führt. Wer akut Hilfe benötigt, hat es in Deutschland allerdings nicht leicht: Wer sich keinen Therapeuten leisten kann, der um die 100 Euro pro Sitzung kostet, hat Pech gehabt. Es sei denn, er lässt sich direkt in eine Klinik einweisen. Wer allerdings nicht in eine psychiatrische Einrichtung möchte (was ein riesiger Schritt ist), muss Therapeuten durchtelefonieren - und das ist meist sehr frustrierend, denn die Wartelisten sind meist lang und freie Plätze oft erst sechs Monate später verfügbar.

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Online-Therapie als Soforthilfe

Online-Therapie soll jetzt die Lösung sein, um Betroffenen Soforthilfe anzubieten. Mithilfe eines Online-Kurses können Menschen, die auf einen Therapieplatz warten, an ihren psychischen Problemen arbeiten. Auch Menschen, die in einer psychiatrischen Klinik waren und nicht direkt im Anschluss einen Therapieplatz finden konnten, können die digitale Therapieform sofort unterstützend wahrnehmen.

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Digitale Therapie sorgt für Flexibilität

Der Vorteil der Therapie am Computer ist nicht nur die sofortige Startmöglichkeit, sondern auch die Flexibilität. Berufstätigen, ohne flexible Arbeitszeiten, haben die Möglichkeit die Therapie in ihren Alltag zu integrieren, was bei einer ambulanten Therapie oft nicht möglich ist. Auch für Menschen, die auf dem Lande leben und der Weg zum nächsten Therapeuten weit ist, könnte die digitale Betreuungsform eine gute Alternative sein.

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Wie funktioniert eine Online-Therapie?

Mittlerweile gibt es mehrere Anbieter von Online-Therapien, die alle nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten: Es gibt verschiedene Workshops zu unterschiedlichen psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Depression, Angst und Essstörungen. Die Kurse bestehen aus einem spezifischen interaktiven Programm mit Übungen und Videos. Zudem können Patienten per Chat oder teilweise auch telefonisch einmal die Woche mit einem Therapeuten sprechen.

 

Wer trägt die Kosten der digitalen Therapie?

Einige Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten für digitale Therapieformen. Es lohnt sich also definitiv, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen. Und auch wenn die Kosten nicht übernommen werden, sind die Kosten eines Online-Kurses meist geringer als bei einem ambulanten Therapeuten.

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Kann eine digitale eine ambulante Therapie ersetzen?

Es ist schwer zu beurteilen, ob eine Therapie am Computer eine herkömmliche Gesprächstherapie ersetzen kann. Gerade bei einer tiefenpsychologischen Therapieform ist die Beziehung zwischen Patient und Therapeut ein wichtiger Faktor. Es ist leichter Vertrauen zu fassen, wenn man dem Menschen tatsächlich gegenüber sitzt. Ein Telefonat im Rahmen einer Online-Therapie kann solch ein Vertrauensverhältnis wohl nicht gleichwertig ersetzen.

Trotzdem ist die digitale Therapieform nicht schlichtweg negativ zu sehen: Wer auf einen Therapieplatz wartet, kann sich online Unterstützung holen. Und das ist definitiv besser, als mit seinen Problemen ganz alleine zu sein. Zudem ist die Hemmschwelle niedriger, mit einer Therapie zu beginnen. Man muss nirgends hingehen, sondern kann die Therapie von Zuhause aus machen. Eine Online-Therapie ist also eine gute Möglichkeit, um sich dem Thema Therapie anzunähern.

Bei schweren psychischen Erkrankungen ist von einer Online-Therapie allerdings abzuraten, da die digitale Betreuung in diesen Fällen definitiv nicht ausreicht.

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