SADWinterdepression: Wie viel Melancholie ist im Winter normal?

Die dunkle Jahreszeit schlägt vielen Menschen auf die Stimmung. Hat man nur schlechte Laune oder ist es schon eine Winterdepression? 

Inhalt
  1. Symptome: Schlechte Laune oder Winterdepression?
  2. Wie entsteht die saisonal abhängige Depression?
  3. Was hilft gegen die Winterdepression?

Die Jahreszeiten gehen nicht spurlos am Menschen vorbei. Ich beispielsweise bin im Sommer meist deutlich aktiver als im Winter – und damit nicht alleine, wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umhöre. Das ist vor allem ganz normal. Während die Tage kürzer, kälter und dunkler werden, verwandelt sich das Sofa klammheimlich in den absoluten Wohlfühlort, den man nur ungern verlässt. Nichts spricht gegen Einkuscheln und Tee trinken.

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Nimmt die Niedergeschlagenheit jedoch überhand, kann sie krankhaft werden. Die Winterdepression ist mehr als ein Mythos. Hält die gedrückte Stimmung grundlos und durchgehend länger als zwei Wochen an, spricht man von einer depressiven Verstimmung. Tritt diese jahreszeitenbedingt auf, handelt es sich um eine saisonal abhängige Depression – kurz SAD -, wie sie im allgemeinen Sprachgebrauch als Winterdepression bekannt ist.

 

Symptome: Schlechte Laune oder Winterdepression?

Das Gefühl einer leichten Winterdepression kennen viele Menschen.
Das Gefühl einer leichten Winterdepression kennen viele Menschen.
Foto: iStock

Auch wenn es sich bei der Winterdepression um eine depressive Verstimmung handelt, sind die Symptome im Vergleich zu einer regulären Depression dabei leicht verändert – zum Beispiel tritt verstärkt Heißhunger statt Appetitlosigkeit auf. Auch haben Betroffene meist keine Probleme mit dem Einschlafen, sondern vielmehr mit dem Aufwachen, eine bleierne Müdigkeit legt sich wie eine Decke über sie.

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Im Allgemeinen ähneln die Symptome denen einer ausgeprägten Depression, sind jedoch schwächer ausgeprägt:

  • Langanhaltende Niedergeschlagenheit und Unausgeglichenheit
  • Schlafstörungen - im Falle der SAD vermehrtes Schlafbedürfnis und Tagesmüdigkeit
  • Interessensverlust und Antriebslosigkeit
  • Heißhunger auf Kohlenhydrate > Heißhunger: Das verraten unsere Gelüste über unsere Gesundheit
  • Schuldgefühle und Gedankenspirale
  • Gefühl der Nutzlosigkeit
  • Leistungsminderung
  • Soziales Zurückziehen
  • Saisonal bedingtes Auftreten zum Herbst und Verschwinden der Symptome zum Frühjahr

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Wie entsteht die saisonal abhängige Depression?

Dass sich die Stimmung im Winter verändert, ist nicht nur normal, sondern auch ganz natürlich erklärbar. Auch, dass das Phänomen der Winterdepression vor allem im Norden bekannt ist. Grund dafür ist der Lichtmangel, wie Lisa Fischbach, Psychologin bei ElitePartner, erklärt: "Die zunehmende Dunkelheit und der Entzug von Licht macht vielen Menschen zu schaffen und kann sogar in einigen Fällen zu einer echten Krankheit werden. Sie gilt als eine Sonderform der Depression und im Fachjargon spricht man von einer saisonal-affektive Störung , die in den Herbst- und Wintermonaten auftritt."

Die Tage werden kürzer. Nach einem langen Tag in geschlossenen Räumen kann es sogar vorkommen, dass man im Winter das Tageslicht nicht einmal zu sehen bekommt. Diese Umstellung bleibt nicht folgenlos, sie bringt das Gehirn, genauer gesagt die Botenstoffe und Hormone, durcheinander. Das gestörte Gleichgewicht im Gehirn bekommen wir über Stimmungsschwankungen zu spüren.

Gänzlich erforscht ist die Winterdepression nicht. Eine besondere Rolle scheinen jedoch die Hormone Serotonin und Melatonin zu spielen. Man geht bei der SAD heutzutage von einem Serotoninmangel aus, der gleichzeitig den Heißhunger auf Süßes erklären würde - Schokolade sorgt für eine Ausschüttung der Glückshormone. Zudem reagiert das Gehirn bei einer Winterdepression auf das fehlende Tageslicht mit einer vermehrten Ausschüttung von Melatonin - das wiederum steuert normalerweise den Schlaf-Wach-Rhythmus und macht müde. 

Hormone, Stimmung und innere Uhr geraten aus dem Gleichgewicht - und das bekommen manche Menschen stärker als andere zu spüren. In milder Form kennen daher fast alle die veränderte Gemütslage in der kalten Jahreszeit. Erst wenn die Symptome stark ausgeprägt sind und das soziale und berufliche Leben beeinträchtigen, spricht man von einer Winterdepression.

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Was hilft gegen die Winterdepression?

"Werden die Tage kürzer gilt es, einem Stimmungsabfall vorzubeugen und gute Selbstfürsorge zu betreiben", rät Frau Fischbach. In der Ursache der Winterdepression liegt in leichten Fällen bereits die Lösung: Licht. Eine Lichttherapie kann bereits helfen, die Stimmung zu heben und auszugleichen. In nördlichen Ländern werden daher im Winter Tageslichtlampen empfohlen, die die fehlende Sonne imitieren. 

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Bei besonders schweren Fällen können zudem Medikamente zur Bekämpfung einer Depression verschrieben werden. Bei anhaltender schlechter Laune oder veränderter Gemütslage im Winter sollte man sich also nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen. Auch die Einnahme von Vitamin-D3-Präparaten kann helfen.

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Was kann ich selbst tun, damit die Winterdepression mich verschont? Die Antwort heißt: Bewegen, bewegen, bewegen. Und laut Frau Fischbach darf man sich - gerade wenn man alleine ist - auch mal etwas gönnen: "Wichtig ist, als Single den Rückzug ins Private durch schöne Verabredungen und Unternehmungen zu kompensieren, damit sich das Gefühl von Einsamkeit erst gar ausbreiten kann. Frühzeitig sollten Alleinlebende Pläne für Weihnachten und Silvester machen, grundsätzlich viel Wert auf Gemütlichkeit zuhause sorgen, sich hier und da etwas Besonderes gönnen wie einen Besuch im Spa, eine tolle Massage oder sich selbst einen Herzenswunsch erfüllen."

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Auch wenn das gemütliche Sofa noch so herzzerreißend nach uns ruft - gib der Sehnsucht nach Gemütlichkeit das nächste Mal erst nach einem ausgedehnten Spaziergang nach. Denn Frau Fischbach weiß: "Bewegung und Sport ist darüber hinaus eine wissenschaftlich belegte Prophylaxe gegen depressive Verstimmungen. Wer jetzt bewusst auf sich achtet, ist gut für die dunklen Monate gerüstet."

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